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Papst bittet um Vergebung für Genozid in Ruanda

Ruandas Präsident Paul Kagame bei Papst Franzikus
Kommunique: Papst brachte "tiefe Traurigkeit und die des Heiligen Stuhls und der Kirche über den Völkermord gegen die Tutsi" zum Ausdruck
Vatikan
20.03.2017, 14:36 Uhr Vatikan/Ruanda/Papst/Diplomatie/Völkermord/Kagame
Vatikanstadt, 20.03.2017 (KAP) Der Präsident von Ruanda, Paul Kagame, ist erstmals seit Amtsantritt vor 17 Jahren in den Vatikan gekommen. Kagame wurde am Montag von Papst Franziskus empfangen. Das Treffen von Montag gilt vor dem schwierigen Hintergrund des Völkermords von 1994 in Ruanda, der 800.000 Tote zur Folge hatte, als ein Meilenstein.

Seit dem Völkermord von 1994 gab es wiederholt Attacken der ruandischen Regierung gegen die katholische Kirche, die beschuldigt wird, an den Massakern mitbeteiligt gewesen zu sein. Papst Johannes Paul II. hatte 1996 im Blick auf involvierte Priester und Ordensleute jene Kirchenvertreter, die Verbrechen begangen hätten, aufgerufen, "die Konsequenzen ihrer Taten anzunehmen, die sie gegen Gott und den Nächsten begangen haben".

Im Vatikan-Kommunique zur Visite Kagames heißt es, der Papst habe seine "tiefe Traurigkeit und die des Heiligen Stuhls und der Kirche über den Völkermord gegen die Tutsi" zum Ausdruck gebracht. "Er äußerte seine Solidarität mit den Opfern und mit denen, die weiterhin die Konsequenzen dieser tragischen Ereignisse erleiden, und er rief die Geste von Papst Johannes Paul II. in Erinnerung."

Dabei wird auf die Vergebungsbitte des polnischen Papstes anlässlich des Großen Jubiläums des Jahres 2000 verwiesen. "Johannes Paul erflehte damals die Vergebung Gottes für die Sünden und Verfehlungen der Kirche und ihrer Mitglieder, unter denen Priester und Ordensleute waren, die Hass und Gewalt erlegen sind und die ihre eigene vom Evangelium aufgetragene Mission verraten haben."

Angesichts des jüngsten Heiligen Jahres der Barmherzigkeit (2015/16) und der von den ruandischen Bischöfen veröffentlichten Heiligjahr-Botschaft habe der Papst auch den Wunsch geäußert, "dass diese bescheidene Anerkennung der Versäumnisse jener Zeit, die leider das Gesicht der Kirche entstellt hat, zu einer 'Reinigung des Gedächtnisses' beitragen kann und in Hoffnung und erneuertem Vertrauen eine Zukunft des Friedens fördern" würde. So solle "in Hoffnung und erneuertem gegenseitigen Vertrauen" eine "Zukunft in Frieden " ermöglicht werden. Ein Zusammenleben und Zusammenarbeiten sei möglich, "sobald die Würde der menschlichen Person und das Gemeinwohls im Zentrum steht".

Erst im November vergangenen Jahres hatte die ruandische Regierung wiederum vom Vatikan eine offizielle Entschuldigung für die Tragödie gefordert. Die Heiligjahr-Initiative der Bischöfe hatte sie als "zutiefst unzureichend" befunden, weil nur von Einzelpersonen, nicht jedoch von der Kirche als Institution die Rede war.

Drei Bischöfe ermordet

Der Vatikan seinerseits beschuldigt die Regierung in Kigali der Hinrichtung von 13 Geistlichen, darunter drei Bischöfen, im Juni 1994 durch Männer der Ruandischen Patriotischen Front (RPF), die vom aktuellen Präsidenten der Republik kommandiert wurde. Der Prozess gegen die Mörder 2008 war mit einem milden Urteil zu Ende gegangen. Insgesamt waren 103 Priester, 65 Ordensfrauen und 47 Mönche von einer Seite oder der anderen während des Völkermords ermordet worden.

In den drei Monaten von April bis Juli 1994 wurden 800.000 Ruander, meist Tutsi, niedergemetzelt. Im Juli nahm dann die RPF, angeführt von Paul Kagame, die Hauptstadt Kigali ein. Kagame wurde danach Vizepräsident, bevor er 2000 zum Präsidenten gewählt wurde. Im Jahr 2010 wurde er mit 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt, und er plant, die Verfassung zu ändern, um 2017 wieder kandidieren zu können. Etwa 40 Prozent der ruandischen Bevölkerung sind katholisch.
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