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Inhalt:

Erklärungen 2001

Erklärungen der Österr. Bischofskonferenz


Herbst 2001


Sommer 2001


Frühjahr 2001




Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Herbst 2001


von 6.-8. Nov. 2001 in Wien



1. Weltfrieden


In großer Sorge um den Weltfrieden bitten die Bischöfe die Katholiken Österreichs um inständiges Gebet und um jene Schritte, die jeder an seinem Platz für den Frieden zwischen Menschen verschiedener religiöser und politischer Überzeugungen tun kann. Es gibt keine Alternative zu einem fairen und realistischen Dialog zwischen Christentum, Islam und anderen Weltreligionen untereinander und mit der gesamten Zivilgesellschaft auf der Basis wechselseitiger Achtung. Terrorismus muss entschieden bekämpft und seine Täter müssen bestraft werden. Dieser Kampf wird aber auf Dauer nicht erfolgreich sein ohne beharrlichen Abbau des weltweit riesigen Gefälles zwischen Arm und Reich. Die katholische Kirche trägt dazu seit Jahrzehnten in Österreich und weltweit durch zahlreiche Initiativen und Werke bei.


2. Landwirtschaft, ländlicher Raum


Die Österreichische Bischofskonferenz hat sich bei einem Studientag am 5. November 2001 eingehend mit dem Thema Landwirtschaft auseinander gesetzt. Das Ziel ihres Studientages war es, einen Einblick in die aktuelle Situation der Landwirtschaft zu erhalten, sich über die Entwicklungen der österreichischen und der europäischen Landwirtschaftspolitik zu informieren und die möglichen Aufgaben der katholischen Kirche in dieser Situation zu diskutieren. Im Gespräch mit jeweils einem Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) wurde den Bischöfen deutlich, dass die derzeitige Krise der Landwirtschaft umfassend ist und ihre Konsequenzen für die Gesellschaft weit reichend sind.

 

Die Schwierigkeiten sind zuerst wirtschaftlicher Natur: durch globalen Wettbewerb und große Konkurrenz sind die Preise für landwirtschaftliche Produkte auf einem so niedrigen Niveau, dass die meisten Bauern von den Erträgen ihrer landwirtschaftlichen Produktion alleine nicht mehr leben können. Die Investitionen für die von der Politik und der Wirtschaft geforderten Anpassungen und Umstellungen sind für sie nicht mehr leistbar. Sie beenden ihren bäuerlichen Betrieb, weil er sich - trotz aller Liebe zu ihrer Arbeit - nicht mehr rechnet.

 

Damit verbunden ist ein oft unterschätzter sozialer Aspekt: Infolge der schlechten wirtschaftlichen Aussichten und der im gesellschaftlichen Vergleich immer noch harten Arbeitsbedingungen ist es für viele Bauern schwierig, eine Lebenspartnerin oder einen Nachfolger für den Betrieb zu finden. Die Kinder wandern in die Stadt ab. Die Infrastruktur im ländlichen Raum wird immer dünner: Schule, Postamt, Kaufhaus und Handwerksbetriebe schließen. Bauernhäuser werden zu Zweitwohnsitzen von Städtern. Langsam zerbricht die soziale Struktur, der ländliche Raum wird entvölkert und verödet, seine Attraktivität als Ganzes nimmt ab.

 

Umfassender als der wirtschaftliche und der soziale Aspekt der derzeitigen Situation der Landwirtschaft ist die "kulturelle Krise": Immer weniger Menschen sind mit dem bäuerlichen Leben, mit den Bedingungen, unter denen unser "tägliches Brot" produziert wird, vertraut. Die Arbeit des Bauern ist vielen Menschen fremd geworden. Eine Konsequenz davon ist, dass die Menschen als kritische Konsumenten immer höhere Anforderungen an die Qualität der Lebensmittel und an die Standards ihrer Erzeugung stellen, gleichzeitig aber nicht bereit sind, einen dafür angemessenen (und oft höheren) Preis zu bezahlen. Ein Indiz dafür: in den vergangenen 30 Jahren ist der Anteil für Lebensmittel im Budget eines durchschnittlichen Haushaltes von 30 Prozent auf etwa 16 Prozent gefallen.

 

Der wahrscheinlich schwerstwiegende Aspekt der Krise der europäischen Landwirtschaft ist die Tatsache, dass viele Bauern in ihrem Selbstverständnis als "ehrliche Bauern" zutiefst verunsichert sind. Sie fragen sich, welchen Sinn es hat, weiterhin "gesundes Getreide anzubauen und gesunde Tiere aufzuziehen", wenn die Produkte bäuerlicher Anstrengung vom Supermarkt um die Ecke zu Diskontpreisen verschleudert werden.

 

Die von der europäischen Agrarpolitik als Kompensation für den Wegfall der Produktstützung gedachte Zusatzbeschäftigung als "Pfleger und Erhalter des ländlichen Kulturraumes" scheint ebenfalls am Selbstverständnis der Bauern vorbeizugehen. Sie verstehen sich als "Ernährer der Menschen" und nicht als "Landschaftspfleger", als "Produzenten" und nicht als "Dienstleister".

 

So stellt die derzeitige Situation der Landwirtschaft eine Herausforderung für all die Menschen dar, die auf dem Land leben und das Land bearbeiten. Sie sehen sich mit Forderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft nach Flexibilität, Erneuerung und Anpassung sowie mit agrarpolitischen Entwicklungen konfrontiert, die viele von ihnen nicht nachvollziehen können: Sie treffen nicht ihr Verständnis und ihre Bereitschaft, dieses zu verändern. Viele von ihnen sehen für sich selbst keine Perspektive und keine Zukunft mehr im ländlichen Raum.

 

Den Bischöfen ist während ihrer Diskussion der Problematik deutlich geworden, dass sie auf die umfassenden Fragen der aktuellen Situation der Landwirtschaft keine fertigen Antworten besitzen, dass ihr Platz aber zuerst und vor allem bei den von diesen eingreifenden Veränderungen betroffenen Menschen ist. Die Aufgabe der Kirche kann es aber nicht sein, die "bessere Agrarpolitik" zu machen, sondern diese Krise der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes als pastorale Herausforderung zu verstehen und anzunehmen.

 

Konkret heißt das, den Menschen und ihren Nöten aufmerksam zuzuhören und zu versuchen, ihre Situation zu verstehen. Es heißt auch, den Menschen im ländlichen Raum vorsichtig Perspektiven für ihre Zukunft zu eröffnen und gemeinsam mit ihnen Strategien und Projekte für diese Zukunft zu entwickeln.

 

Das Engagement der Kirche für den ländlichen Raum bedeutet aber auch, gegenüber den politisch Verantwortlichen, mit Blick auf die von der Krise Betroffenen und auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre eine deutliche Position zu beziehen. So wird das Ökumenische Sozialwort, an dem derzeit gearbeitet wird, auch auf die Situation des ländlichen Raums und ihre wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekte mit aller Deutlichkeit eingehen.

 

Darüber hinausgehend sollen erste bereits bestehende Ansätze für konkrete Projekte gebündelt und zu einem Pilotprojekt für "Pastorale Begleitung von Veränderungen im ländlichen Raum" weiterentwickelt werden, um sie bei der Europäischen Kommission zu Förderung einzureichen.


3. "Jahr der Berufung"


Dieses für 2002 ausgerufene Jahr soll eine Ermutigung für jene sein, die sich als getaufte und gefirmte Christen, als Väter und Mütter, als Priester und Ordensleute darum bemühen, in ihrem Leben Antwort auf den Anruf Gottes zu geben. Mit dem "Jahr der Berufung" - das unter dem Thema "sinnvoll leben.berufen.engagiert" steht - wollen die österreichischen katholischen Bischöfe die Freude über die "Vielfalt der Berufungen im Volk Gottes" zum Ausdruck bringen, zugleich aber auch in besonderer Weise die Notwendigkeit der geistlichen Berufe betonen. Es soll ein Klima entstehen, in dem alle Menschen ihre Berufung finden, in dem aber auch Berufungen zum Leben als Priester oder Ordenschrist wachsen können.

 

Die Bischöfe möchten daran erinnern, dass die Taufe nicht nur die Eintragung in ein Mitgliederverzeichnis bedeutet, sondern eine Herausforderung zum Engagement für Gott und die Welt. Berufung zu leben bedeutet, sich einzulassen auf eine personale "Geschichte mit Gott". Es ist die Bereitschaft, das eigene Leben Gott zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang erinnern die Bischöfe daran, dass gerade auch die säkulare und plurale Gesellschaft Menschen braucht, die bereit sind, Berufung in diesem Sinn zu leben. Innerkirchlich geht es den Bischöfen darum, die gegenseitige Wertschätzung von Priestern, Ordensleuten und engagierten Laien zu fördern.

 

Ein inoffizieller Auftakt des "Jahres der Berufung" war der Jugendevent "Ruf(!)Zeichen" mit Chiara Lubich am 3. November im Wiener Stephansdom. Eine Pressekonferenz in Wien im Dezember wird den offiziellen Startschuss bilden. Auch der Radiogottesdienst am 1. Jänner 2002 aus der Wiener Votivkirche thematisiert das "Jahr der Berufung".

2002 werden viele kirchliche Aktivitäten im Zeichen des "Jahres der Berufung" stehen: die "Dreikönigsaktion" der Katholischen Jungschar, die "Exerzitien im Alltag" in der Fastenzeit, die Pfarrgemeinderatswahlen am 17. März.

 

In besonderer Weise wird der "Weltgebetstag um geistliche Berufe" am 21. April - er steht unter dem Motto "Ein Dach über der Seele" - vom "Jahr der Berufung" geprägt sein. Unter anderem sind in zahlreichen österreichischen Klöstern rund um dieses Datum "Tage der offenen Tür" geplant, um jungen und reiferen Menschen Gelegenheit zu geben, das Leben "nach den evangelischen Räten" unmittelbar kennen zu lernen.

 

Auch "unkonventionelle" Initiativen sind geplant: So die Einrichtung einer eigenen Website zum Thema "Berufung" und ein Aufruf des "Canisiuswerks" zur Sammlung von Berufungsgeschichten ("Komm, erzähl mir..."); diese Berufungsgeschichten werden zum Jahresende 2002 als Dokumentation erscheinen.


4. Pfarrgemeinderatswahlen


Am 17. März 2002 wählen die Pfarrgemeinden in allen österreichischen Diözesen die neuen Pfarrgemeinderäte. Sie sind Rückgrat und Knotenpunkt des ehrenamtlichen Engagements in der Kirche und damit die wesentlichen Träger des pfarrlichen Lebens.

Wahlberechtigt sind mehr als vier Millionen Katholiken; etwa 30.000 Frauen und Männer werden als Mitglieder der Pfarrgemeinderäte gewählt.

 

Das Wahlmotto lautet "VIELstimmig - Pfarre mitverantworten und gestalten". Viele sollen am 17. März ihre Stimme abgeben. In der Unterschiedlichkeit der Kandidatinnen und Kandidaten sollen viele unterschiedliche Stimmen und Meinungen zur Sprache kommen und im Pfarrgemeinderat gehört werden, sodaß vieles in den Pfarren "stimmig" werden kann.

 

Die zweite Phase der Vorbereitung auf die Wahl steht in einigen Diözesen unter dem Motto "getauft - gefirmt - gewählt". Der Dienst eines Pfarrgemeinderats ist eine Konkretisierung der Nachfolge Jesu Christi und der Grundberufung aus Taufe und Firmung.

 

Für die Zeit vor der Wahl werden die Pfarren im Rahmen der Aktion "Grüß Gott 2002" eingeladen, auf die Menschen zuzugehen, Milieugrenzen der Kirche zu überschreiten und die Distanz vieler Menschen zu Glaube und Kirche ein Stück zu verringern. Botinnen und Boten der Pfarren überbringen mehr als einer Million Menschen einen Gruß der Kirche, einen Gruß ihrer Pfarrgemeinde. Dabei überreichen sie als Zeichen der Verbundenheit einen Kalender als Begleiter durch das Kirchenjahr, aber auch Glasscheiben mit sakralen Motiven, Weihrauch usw....

 

Die Österreichische Bischofskonferenz unterstützt diese Aktion als "Zeichen einer lebendigen Kirche". Sie dankt allen Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte, die in den vergangenen fünf Jahren ihre Zeit und Kompetenz der Pfarrgemeinde geschenkt haben. Die Bischofskonferenz ruft zu einer sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung der Pfarrgemeinderatswahl 2002 auf und ermutigt die Gläubigen, von ihrem aktiven und passiven Wahlrecht Gebrauch zu machen.


5. Allianz für den freien Sonntag


Nach der offiziellen Konstituierung der bundesweiten "Allianz für den freien Sonntag" unter dem Vorsitz von Bischof Maximilian Aichern wird in den nächsten Monaten der Schwerpunkt auf einer Kampagne zur Bewusstseinsbildung liegen. Inhaltlich geht es dabei vor allem um die Bedeutung des freien Sonntags für die "Qualität des Lebens". Unter dem Motto "Schneller leben? Lebensqualität durch eigene Zeit" wird der Trend zur Beschleunigung in allen Lebensbereichen kritisch hinterfragt und die gestiegene Bedeutung des freien Sonntags als gemeinsamer Atempause und kontinuierlichem gesellschaftlichem Rhythmusgeber umfassend thematisiert. Diesem Ziel dient auch eine gemeinsame österreichweite Plakataktion.

 

Von den kirchlichen Trägern der "Allianz für den freien Sonntag" wird der religiösen Dimension des Sonntags besonderes Augenmerk gewidmet. In diesem Zusammenhang ist auch das gemeinsame Hirtenwort der österreichischen Bischöfe "Sonntag und Feiertage in Österreich" zu sehen, das als erste Nummer der neuen Schriftenreihe der Österreichischen Bischofskonferenz am 9. November veröffentlicht wird.

 

Die Bemühungen um eine Verankerung des freien Sonntags in den Landesverfassungen werden von den österreichischen katholischen Bischöfen ausdrücklich befürwortet. Derzeit ist der freie Sonntag bereits in den Landesverfassungen von Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und Tirol verankert, im Burgenland und in Kärnten gibt es Absichtserklärungen.

 

Die österreichischen katholischen Bischöfe begrüßen, dass die bundesweite "Allianz für den freien Sonntag" Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Konsenses ist, der andere christliche Kirchen ebenso umfasst wie den Österreichischen Gewerkschaftsbund, die Arbeiterkammer, Kreise der Wirtschaft, Dachverbände von Vereinen sowie verschiedene kirchliche und gesellschaftliche Institutionen. Die Bischöfe sehen in diesem breiten Konsens ein Signal für eine "Sozialpartnerschaft neuen Stils".


6. Ökumenisches Sozialwort


Die österreichischen katholischen Bischöfe rufen dazu auf, mit den politischen und wirtschaftlichen Kräften und mit den verschiedenen Strömungen der Zivilgesellschaft den Dialog über den "Sozialbericht" des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich aufzunehmen. Dieser Dialog (über den im Internet unter www.sozialwort.at laufend berichtet wird) soll bis Pfingsten 2002 sowohl auf lokaler Ebene wie auch auf der Ebene der Länder und auf Bundesebene geführt werden.

 

Die Bischöfe begrüßen es, dass durch den "Sozialbericht" in Vorbereitung auf das geplante "Ökumenische Sozialwort" eine gesellschaftliche Standortbestimmung der christlichen Kirchen in Österreich eingeleitet wurde.

 

Die Ergebnisse des gesellschaftlichen Dialogs über den "Sozialbericht" sollen in die Erstellung des "Ökumenischen Sozialworts" einfließen. Eine ökumenisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe (Oberin Prof. Christine Gleixner, Metropolit Michael Staikos, Diakonie-Direktor Michael Chalupka, P. Johannes Schasching SJ, P. Alois Riedlsperger SJ) begleitet den Dialog.

 

Die österreichischen katholischen Bischöfe hoffen, dass durch den Dialog über den "Sozialbericht" Stärken und Schwächen der österreichischen Gesellschaft sichtbar werden, damit im "Ökumenischen Sozialwort" eine vom Evangelium inspirierte gemeinsame Orientierung in einer Zeit dramatischer Umbrüche erarbeitet werden kann.


7. "Pro Europa"


Die partnerschaftliche Hilfe für die Kirche in den Reformstaaten Mittel-und Osteuropas ist für die österreichischen katholischen Bischöfe ein Herzensanliegen. Um diese Hilfe auch in Zeiten knapper werdender finanzieller Mittel auf Dauer zu sichern, wurde bereits bei der Vollversammlung im Juni d.J. der Beschluss gefasst, die kirchliche Projektarbeit in Mittel- und Osteuropa in Zukunft über "Missio"-Austria abzuwickeln. Diese Regelung tritt mit 1. Jänner 2002 in Kraft. "Pro Europa" wird als eigener Tätigkeitsbereich in die Rechtspersönlichkeit und Organisationsstruktur von "Missio"-Austria übernommen. Der Name "Pro Europa" wird von "Missio" für den neuen zusätzlichen Tätigkeitsbereich in Kombination mit dem Namen "Missio" weitergeführt.

 

Die für den Tätigkeitsbereich "Pro Europa" an "Missio" überwiesenen Budgetmittel der Österreichischen Bischofskonferenz dienen der Förderung des kirchlichen Aufbaus in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas. Dabei geht es vor allem um die Kirche in den Ländern Albanien, Bosnien-Hercegovina, Jugoslawien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechische Republik und Ungarn.

 

Im Jahr 2002 stellt die Bischofskonferenz für "Pro Europa" insgesamt 9,2 Millionen Schilling zur Verfügung. Durch die Abwicklung über "Missio" können die Administrationskosten wesentlich gesenkt werden. Gegenüber dem laufenden Jahr wird die effektive Projekthilfe um mehr als 40 Prozent erhöht.

 

Die Entscheidung über die Vergabe der Projektmittel erfolgt unter dem Vorsitz des Referatsbischofs (Weihbischof Ludwig Schwarz) durch den Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, den Nationaldirektor und den Generalsekretär von "Missio".


8. Bioethik


Die Österreichische Bischofskonferenz erwartet mit Sorge mehrere Entscheidungen der politischen Verantwortungsträger. Es wird sich zeigen, inwieweit die österreichische Bundesregierung bereit ist, in wesentlichen Grundsatzfragen mit einer gewissen Unabhängigkeit von Mehrheitsverhältnissen in der EU und von den Wirtschaftsinteressen mancher einen ethischen verantwortbaren, eigenständigen Weg zu gehen.

 

Die Sorgen der Bischöfe beziehen sich vor allem auf den Umgang mit menschlichem Leben und die Achtung vor der Würde der Person sowie auf den Schutz der Jugend.

Die Bischöfe ersuchen dringend, dass unabhängig vom Beitritt zur Bioethik-Konvention der EU allgemein verboten bleibt:

 

- jede entgeltliche und unentgeltliche "Verwertung" von lebenden oder absichtlich getöteten menschlichen Embryonen oder Föten, - jeder gezielte Eingriff in die menschliche Keimbahn, - jede Erzeugung von menschlichen Embryonen durch jegliche Art von Klonung, - jede Gewinnung von Stammzellen, die eine Zerstörung von menschlichen Embryonen zur Voraussetzung hat, unabhängig davon, wie diese zustandegekommen sind, - jede Herstellung hybrider Lebewesen aus Keimzellen oder totipotenten Zellen von Mensch und Tier.

 

Eine besondere Sorge ist den Bischöfen auch die Entwicklung im Bereich der pränatalen Diagnostik. Aus allen Bundesländern wird berichtet, dass schon der geringste Verdacht auf das Vorliegen einer möglichen Behinderung des Kindes bei einem sehr hohen Prozentsatz der schwangeren Frauen zur Abtreibung führt. Die Bischöfe empfinden es als bestürzend, dass in einem Land, in dem in den letzten Jahren hervorragende Einrichtungen für Behinderte geschaffen wurden, auf diese Weise Selektion betrieben wird. Dringend wäre die gezielte Förderung von Beratungseinrichtungen, die betroffenen Frauen - verbunden mit der Beratung - die möglichen Hilfestellungen anbieten, wenn sie ihr Kind zur Welt bringen. Die katholische Kirche ist bereit, zur Bewältigung dieser Probleme weiterhin ihren Beitrag zu leisten.


9. Jugendschutz


Bezüglich Jugendschutz liegt einmal mehr die Frage des § 209 auf dem Verhandlungstisch. Es wurde zwar von manchen Gruppen ein sehr intensives und in gewisser Hinsicht sehr effizientes Lobbying betrieben, die Bischöfe weisen aber darauf hin, dass die Beibehaltung des bisherigen Schutzalters für gleichgeschlechtliche Beziehungen wichtig ist. Die Bischöfe bitten die Träger der öffentlichen Verantwortung um Besonnenheit. Es geht nicht um die Diskriminierung homosexuell geneigter Menschen, sondern um den Schutz der Jugend. Außerdem sind die Folgen einer solchen Änderung leicht absehbar: sehr wahrscheinlich wird die Forderung nach De-facto-Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit Ehe nicht lange auf sich warten lassen. Dem nachzugeben wäre ein weiteres Zeichen einer unkritischen Übernahme negativer Trends der EU.

 

Unabhängig davon wäre bezüglich heterosexueller Beziehungen eine Anhebung des Schutzalters bei Burschen und Mädchen auf 16 angebracht.


10. Nachwort zu einer Sommerdebatte


Eine kirchliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Verbindungen wird von allen katholischen Bischofskonferenzen abgelehnt, da sie der kirchlichen Lehre klar widerspricht.

 

Die Seelsorge für Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung ist den Bischöfen ein wichtiges Anliegen.

 

Die Bischöfe verlangen von katholischen Organisationen, dass sie sich klar und unmissverständlich zur katholischen Glaubens- und Sittenlehre bekennen




Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz


vom 25. bis 27. Juni 2001 in Matrei am Brenner (Tirol)

 


Kirche und Medien


Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari wurde zum neuen "Medien-Bischof" gewählt. Er folgt auch in dieser Funktion dem früheren Grazer Bischof Johann Weber nach. Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete die Wahl Kapellaris als Schritt, der das Interesse der Kirche in Österreich am Medien-Bereich unterstreicht.

 

Bischof Kapellari wird gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Fachleuten ein Konzept ausarbeiten, das die mediale Präsenz der Kirche und die kirchliche Auseinandersetzung mit Medienfragen auf eine neue Basis stellen soll. Zur Erfüllung ihres Verkündigungsauftrags muss die Kirche einerseits auf dem Medien-"Areopag" präsent sein, andererseits aber auch eigene Medien gestalten. Beides ist nur möglich, wenn sich die Kirche mit der Eigengesetzlichkeit der Medien - wenn notwendig, auch kritisch - auseinander setzt.


Schutz des Lebens


Für den Menschen ist das Leben das grundlegendste Gut, das ihm von Gott, seinem Schöpfer, anvertraut ist. Von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Tod ist das Leben jedes unschuldigen Menschen - auch des behinderten, kranken und alten Menschen - etwas Unantastbares, Unverfügbares und Heiliges.

 

Diese Heiligkeit des Lebens gilt vom Anfang bis zum Ende: Sobald die Befruchtung einer menschlichen Eizelle stattgefunden hat, ist davon auszugehen, dass da ein neuer Mensch ist, ausgestattet mit ganz bestimmten Eigenschaften, ein Mensch, dem Gott das Leben schenken will und dem ER sogar das ewige Leben verheißen hat.

 

Aktueller Grund zur Sorge sind das Euthanasiegesetz in den Niederlanden, manche die aktive Sterbehilfe betreffenden Bestimmungen in der benachbarten Schweiz und der Trend in die gleiche Richtung in manch anderen Ländern. Dazu ist zu sagen:

 

Die Todesstunde unterliegt nicht der Willkür des einzelnen oder gar anderer. Niemand darf für sich oder andere die Entscheidung treffen, das Leben zu beenden.

 

Auch der Staat hat nicht das Recht, Tötungs-Erlaubnisse zu gewähren. Dass heute wieder von Euthanasie gesprochen und sie sogar eingeführt werden kann, ist eine gefährliche Entwicklung. Wehret den Anfängen!

 

Das Leben kann zur Qual werden, und dann mag der Tod als Erlösung erscheinen. Für diese Situationen hat die heutige Medizin viele Möglichkeiten der Schmerzlinderung und entsprechender Pflege entwickelt. Die wahrhaft menschliche und christliche Antwort auf diese Notfälle ist die Hospiz-Bewegung: Kranke, die nicht mehr geheilt werden können, sollen wir, die noch Lebenden, auf ihrem Weg zum Tod begleiten.

 

Wir sind nicht verpflichtet, in jedem Fall alle heute in der Medizin zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um das Leben ein kleines Stück zu verlängern. Den Tod anzunehmen, wenn die Stunde dafür gekommen ist, gehört auch zur Weisheit des Menschen. Jeder sollte daran denken: Einmal ruft dich Gott zu sich und verlangt Rechenschaft für dein Tun.

 

Große Sorge bereiten nach wie vor die vielen Abtreibungen in unserem Land. Wir kennen zwar keine genauen Zahlen, aber Schätzungen lassen erkennen, dass es sehr viele sind, und jede Abtreibung ist eine zu viel!

 

Umsomehr erfüllt es uns mit Dankbarkeit, dass in den letzten Jahrzehnten von der Caritas, von kirchlichen Institutionen, von anderen Vereinigungen und Privatpersonen vielen Müttern in Not wirksam geholfen werden konnte. In allen Diözesen wurden Beratungsstellen eingerichtet, gibt es Hilfsfonds und Notwohnungen. Wir bitten alle Gläubigen und Menschen guten Willens beizutragen, dass ungeborene Kinder gerettet werden können und Mütter in Not nicht nur vor der Geburt, sondern auch nachher den erforderlichen Beistand erfahren.

 

Besondere Sorge bereitet, dass Mütter und Väter unter einen sehr belastenden Druck geraten, wenn während der Schwangerschaft eine Behinderung des Kindes entdeckt oder vermutet wird. Oft bedeutet dies ein Todesurteil für das Kind. Uns ist bewusst, wie schwer es ist, zu einem kranken, vielleicht schwer behinderten Kind Ja zu sagen, aber es schmerzt, dass in den vergangenen Jahren mit sehr viel persönlichem, auch hohem finanziellen Einsatz wertvolle Einrichtungen für Menschen mit Behinderung geschaffen wurden und dass jetzt oft die Entscheidung gegen sie ausfällt. Kaum, dass wir meinten, die Gesellschaft sei nun menschlicher geworden, weil sie die Menschen mit Behinderung nicht mehr versteckt, sondern sogar viel Gutes für sie tut, müssen wir gestehen, dass wir Gefahr laufen, in eine schlimmere Unmenschlichkeit als früher zu verfallen: heute tötet man Menschen mit Behinderung oder solche, die vielleicht behindert sein könnten, im Mutterleib und versucht diese Vorgangsweise als Barmherzigkeit zu deuten, weil ihnen das Leben, den Eltern die Mühe und der Gesellschaft das Geld erspart bleiben.

 

Das Lebensrecht des Menschen ist heilig, auch das eines Menschen mit Behinderung. Jede Mutter, die in diese Lage kommt, möchten wir ermutigen, das Ja zum Kind, auch zum behinderten, zu wagen; jeden Vater möchten wir bitten, seine Frau zu einer positiven Entscheidung für das Kind zu ermutigen und diese Entscheidung mit allen Konsequenzen mitzutragen. Alle müssen wir bereit sein zu helfen. Ärzten kommt dabei eine besonders große Verantwortung zu: sie müssen die Frau informieren. Wie hilfreich kann ein ermutigendes Wort seitens des Arztes sein und wie verheerend ein falscher Rat!

 

Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zum Schutz der noch nicht geborenen Kinder und der Mütter kommt der Gesetzgebung zu: es wäre höchste Zeit, dass diesbezüglich zumindest über Verbesserungen der gesetzlichen Situation nachgedacht wird. Die Fristenlösung ist und bleibt eine offene Wunde unserer Gesellschaft.

 

Eine weitere Sorge bezieht sich auf die künstliche Befruchtung und andere Vorhaben, die von der Medizin angekündigt werden. Auf den Menschen angewandt, ist die künstliche Befruchtung ihrer ganzen Natur nach problematisch. Es gibt gute Gründe, warum sie die Kirche ablehnt. Erst recht gilt das im Hinblick auf die sogenannte Präimplantationsdiagnostik und andere Arten der "Qualitätssicherung", die bei künstlicher Befruchtung häufig praktiziert werden: z.B. Tötung von Embryonen, deren Gentest nicht "einwandfrei" ist oder Tötung von Föten zur "Reduzierung" auf ein Kind, wenn Mehrlingsschwangerschaften entstanden sind. Es breitet sich aber mehr und mehr eine unerhörte Selektionsmentalität aus, der Umgang mit dem menschlichen Leben wird immer leichtfertiger und die Missachtung des 5. Gebotes Gottes immer schwerwiegender.

 

Wir möchten allen Christen und allen verantwortungsbewussten Menschen zurufen: Überlegt euch, welche Eingriffe ihr an euch und euren Kindern vornehmen lasst oder welche Eingriffe ihr durchführt! Hören wir auf die Kirche! Forschungen, Eingriffe, "Hilfen", welche die Integrität des Lebens nicht achten, sind ein schwerer Verstoß gegen die Ordnung Gottes, auf ihnen kann kein Segen ruhen!


Jahr der Berufung


Die katholische Kirche in Österreich begeht das Jahr 2002 unter dem Motto "sinnvoll leben. berufen. engagiert" als "Jahr der Berufung". Dabei geht es einerseits darum, ein positives Klima für geistliche Berufungen zu schaffen. Österreich braucht mehr Priester, Diakone und Ordensleute. Andererseits soll deutlich gemacht werden, dass jeder getaufte und gefirmte Christ eine besondere Berufung in Familie und Beruf, Nachbarschaft und Gesellschaft zu verwirklichen hat. Immer geht es um die Antwort auf den Anruf Gottes.

 

Eine Fülle von Initiativen wird die Berufung in all ihrer Vielfalt zum Thema machen. U.a. wird die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar das Thema auf Foldern und Plakaten aufgreifen. Auch bei den Pfarrgemeinderatswahlen am 17. März 2002 wird das Thema berücksichtigt. Das Canisiuswerk startet ein Projekt, in dessen Rahmen Christinnen und Christen ihre persönliche Berufungsgeschichte niederschreiben; außerdem gestaltet das Canisiuswerk in der Fastenzeit "Exerzitien im Alltag" in Briefform zum Motto "sinnvoll leben. berufen. engagiert".

 

Auch die österreichischen Ordensgemeinschaften setzen Impulse: Der Weltgebetstag um geistliche Berufe am 21. April 2002 wird im Zeichen der Berufung zum Ordensleben stehen, in vielen österreichischen Ordenshäusern sind rund um den Weltgebetstag "Tage der Offenen Tür" geplant.

 

Viele Initiativen kommen aus dem Bereich der Katholischen Jugend. Die "Orientierungstage" der Katholischen Jugend für Schülerinnen und Schüler werden 2002 verstärkt angeboten. Im Rahmen des "Dialog X" veranstaltet die Katholische Jugend an 15 verschiedenen Orten Österreichs am 13./14. April 2002 eine "Nacht des Gebets", in der verschiedene spirituelle Traditionen zusammenfließen. Unter dem Motto "72 Stunden ohne Kompromiss" beteiligen sich zahlreiche Jugendliche im Oktober 2002 an sozialen Projekten, um konkretes christliches Engagement sichtbar zu machen.

 

Für den Religionsunterricht werden in den Diözesen Modelle zum Thema "Berufung" entwickelt. Auch die "Jahrbücher" mehrerer Diözesen werden im Zeichen des "Jahres der Berufung" stehen.

 

Im Internet wird es auf der Web-site des Canisiuswerks ab Herbst laufend Informationen, Termine und Material zum "Jahr der Berufung" geben. Das Priesterseminar St. Pölten hat das Thema Priesterberufung auf der Startseite seiner Website platziert.

 

 

Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz im Frühjahr 2001



Jahr der Berufung


Sinnvoll leben. Berufen. Engagiert.


Unter diesem Motto steht das "Jahr der Berufung", zu dem die katholische Kirche in Österreich 2002 einlädt. Dieses Jahr soll eine Stärkung und Ermutigung für alle Getauften sein, die sich in Pfarren und Gemeinschaften, in Orden und Klöstern, in Familien oder als Alleinlebende, im privaten wie im öffentlichen Bereich als Christen engagieren. Sie alle sind "Berufene". Besonders soll im "Jahr der Berufung" ein Klima gefördert werden, in dem geistliche Berufungen wachsen können. Österreich braucht dringend mehr Priester, Diakone, Ordensfrauen und Ordensmänner. Ihr Dasein und ihr Dienst sind unverzichtbar.

 

In einer Zeit der Sinnkrise sind getaufte und gefirmte Christen gefragt, die den Weg der Nachfolge Christi gehen, einen Weg, der Sinn vermittelt und das Leben lebens-wert macht. Mit dem "Jahr der Berufung" wird die breite Palette christlicher Berufung sichtbar gemacht. Die Freude über die Vielfalt der Begabungen und Berufungen soll zum Ausdruck gebracht werden.

 

Kirche kann dort etwas bewirken, wo Menschen sich engagieren. Dieses Jahr soll daher auch ein Anstoß sein, dass Menschen erfahren: Ich werde von der Kirche geschätzt, ich bin ein wichtiger und notwendiger Teil der Kirche, ich bin von Gott gerufen.

 

Es geht um die Antwort auf diesen Ruf Gottes. Im "Jahr der Berufung" soll auf besondere Weise ein christliches Selbstverständnis gefördert werden, das die Menschen befähigt, auf die Stimme Gottes in unserer Zeit zu hören, ihre jeweilige Berufung zu erkennen und in ihren unterschiedlichen Lebensbereichen zu verwirklichen.

 

Bereits jetzt gibt es eine Fülle von Initiativen für das "Jahr der Berufung", die in allen Diözesen den Menschen helfen sollen, sich selbst zu finden und ihre besondere Berufung zu erkennen.


Europa


Die österreichischen katholischen Bischöfe treten dafür ein, dass Österreich seine Aufgabe im Hinblick auf die Ost-Erweiterung der Europäischen Union mit größerer Entschiedenheit wahrnimmt. Bei dieser Erweiterung geht es - wie Papst Johannes Paul II. bei seiner Europa-Rede 1998 in Wien formuliert hat - um die "Europäisierung" der Union. Denn Europa ist größer als die Gemeinschaft der 15. Es ist aber auch größer als die Union, wie sie sich nach dem Beitritt der Kandidatenländer präsentieren wird. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Achtung der Religions- und Gewissensfreiheit durch alle europäischen Staaten, insbesondere auch die alten und neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union. Dieses Grundrecht ist ein sensibler Indikator dafür, wie die Menschenrechte insgesamt geachtet werden.

 

Die europäische Einigung darf nicht als bloß wirtschaftlicher Vorgang missverstanden werden. Es handelt sich vor allem auch um einen geistig-kulturellen Vorgang, um die Wiederentdeckung der gemeinsamen religiösen Wurzeln des Kontinents. Europa muß seine christlichen Wurzeln wiederentdecken - wobei ebenso die Beiträge der jüdischen und der islamischen Tradition, aber auch das humanistische Erbe zu beachten sind. Es geht nicht darum, Europa eine Seele zu geben, sondern die vorhandene, aber mitunter in Vergessenheit geratene Seele Europas wiederzuentdecken.

 

Europa muß mit seinen beiden Lungenflügeln - dem westlichen und dem östlichen - atmen, um seiner Geschichte und seiner Zukunft gerecht zu werden. Österreich als einem Land an der Nahtstelle zwischen Nord und Süd, Ost und West kommt dabei eine besondere Aufgabe zu. Erst jüngst ist diese Rolle unseres Landes bei einer großen internationalen Konferenz in Wien über den Beitrag der katholischen Kirche für Frieden und Versöhnung in Südosteuropa deutlich in Erinnerung gerufen worden.

 

Die österreichischen Bischöfe setzen sich daher für alle Initiativen ein, die dem Miteinander in Europa - über alle nationalen, konfessionellen und religiösen Grenzen hinweg - dienen. Sie erhoffen aber auch von den politischen und gesellschaftlichen Kräften, dass diese der Mitarbeit an der weitergehenden Einigung Europas vorrangige Bedeutung einräumen.


Heiliges Land


Die österreichischen Bischöfe verfolgen mit tiefer Anteilnahme die Vorgänge im Heiligen Land. Sie schließen sich den Friedensappellen Papst Johannes Pauls II. und der Oberhäupter der christlichen Kirchen in Jerusalem an.

 

Während die Christen in Österreich Ostern feiern, herrscht im Heiligen Land ein Karfreitag ohne Ende. Die österreichischen Bischöfe solidarisieren sich insbesondere auch mit den Christen des Heiligen Landes, die durch die gewalttätigen Auseinandersetzungen, das Ausbleiben der Pilgerströme und die steigende Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind. Die Christen des Heiligen Landes sind die lebenden Zeugen des Evangeliums im Land Jesu. Die Christen in anderen Ländern dürfen nicht gleichgültig bleiben, wenn ihre Brüder und Schwestern im Heiligen Land leiden.

 

Die österreichischen Bischöfe appellieren daher an die Katholiken, sich heuer in besonderer Weise an der Karfreitagskollekte - deren Ergebnis für die Christen im Heiligen Land bestimmt ist - zu beteiligen. Ebenso mögen die Gläubigen die Spendenaktion der österreichischen Statthalterei des "Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem" zu Ostern unterstützen.


Landwirtschaftskrise


Die BSE-Krise, der Schweinemastskandal und die Maul- und Klauenseuche haben viele Menschen verunsichert, weil es um die tägliche Nahrung geht. Nicht wenige Landwirte sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Die österreichischen Bischöfe rufen einige ethische Grundsätze in Erinnerung, die aus der Verpflichtung der Christen zur "Bewahrung der Schöpfung" resultieren.

 

Tiere sind lebendige Geschöpfe Gottes und sollen von den Menschen als solche betrachtet, behandelt und beschützt werden.

 

Angesichts gewisser Übertreibungen und im Hinblick auf die jetzige Krise möchten wir festhalten: Tiere dürfen als Nahrung für die Menschen verwendet werden, manchmal fordert es auch der Schutz der Menschen, sie zu töten. Falsch ist es aber,

Tiere wie totes Material zu behandeln;

Tiere willkürlich und grausam umzubringen;

Tiere in einer nicht artgerechten Weise zu halten;

Tiere zu züchten und zu verändern als wären sie Maschinen, deren Produktion sich nur nach wirtschaftlich-technischen Kriterien zu richten hat.


Die jetzige Krise hat viele Ursachen: Die Verbraucher verlangten nach immer mehr und immer billigerem Fleisch, die Produzenten und ihre Helfer aus dem Bereich von Biologie und Chemie wollten den Bedarf decken und den Gewinn steigern, Politiker erkannten nicht rechtzeitig, wo Grenzen notwendig sind.

 

Natürlich dürfen und müssen sich Betriebe auch am Gewinn orientieren, dürfen Wissenschaftler forschen und sollen die Politiker nicht meinen, sie müssten alles und jedes regeln. Andererseits muss man einräumen: Maßlosigkeit im Streben nach Gewinn und Vorteil, das keine anderen Gesichtspunkte zulassen will, hat uns in die heutige Situation gebracht.

 

Es bedarf der Umkehr, und diese bedeutet: Auch das berechtigte Streben nach Gewinn und Verbesserungen der Produktion muss höhere Werte und damit auch Grenzen anerkennen. Die Bischöfe danken jenen für die Landwirtschaft Tätigen, die die Ordnung der lebendigen Natur achten und mit ihr, nicht gegen sie leben. Ein Ziel der Politik und aller Verantwortlichen muss eine nachhaltige Landwirtschaft sein und nicht Effizienz und Gewinn um jeden Preis.


Sonntag


Die Österreichische Bischofskonferenz begrüßt das Entstehen einer bundesweiten "Allianz für den freien Sonntag". Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern wird die katholische Kirche offiziell in der "Allianz" vertreten.

 

Bischof Aichern berichtete in der Frühjahrsvollversammlung über die bereits jetzt - vor der offiziellen Gründung der österreichweiten "Allianz" - gesetzten Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für den freien Sonntag. U.a. ist eine Plakatserie in Ausarbeitung, die vom Gottesdienst bis zum Sport sechs Sonntags-Themen umfasst. Diese Plakate werden sowohl in den Schaukästen der Pfarrgemeinden als auch auf den Anschlagtafeln der Betriebsräte in ganz Österreich affichiert werden.


Ökumenisches Sozialwort


Die österreichischen Bischöfe begrüssen die Arbeit am Ökumenischen Sozialwort. Diözesanbischof Maximilian Aichern berichtete in der Frühjahrsvollversammlung, dass im Rahmen der Standortbestimmung bisher mehr als 500 Berichte über soziale Initiativen in den Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich eingelangt sind. Von besonderer Bedeutung sei dabei, dass sich auch die Kirchen der östlichen Tradition intensiv an diesem Vorgang der sozialen Standortbestimmung beteiligen. Die aktuelle Liste der Einsendungen wird im Internet unter www.sozialwort.at präsentiert.

 

Die Standortbestimmung bildet die Grundlage für den Sozialbericht der christlichen Kirchen in Österreich, der sich in Ausarbeitung befindet. Bereits jetzt werde dabei deutlich, so Bischof Aichern, dass in den Pfarrgemeinden sehr viel soziale Arbeit geschieht. Die Unterstützung dieser ehrenamtlich geleisteten Arbeit sei sehr wichtig.

Der Sozialbericht wird am 12. September 2001 in Wien präsentiert werden.


Studiengebühren


Die österreichischen Bischöfe sind in Sorge über die unklare Regelung der Studiengebühren für Studenten aus Entwicklungsländern und Reformstaaten. Nach wie vor besteht Unsicherheit, ob diese Studenten ab Herbst 2001 Studiengebühren leisten müssen oder nicht.

 

Daß Studenten aus Ländern des "Südens" in Österreich Studienmöglichkeiten finden, gehört zum Auftrag unserer Heimat in der zunehmend einswerdenden Welt. Darüberhinaus ist es für Österreich von Vorteil, wenn Angehörige der künftigen Eliten in den Entwicklungsländern hier ihre Ausbildung absolvieren können. Junge Menschen aus Entwicklungsländern zu Studiengebühren zu verpflichten, würde die Entwicklungshilfeleistungen Österreichs mindern und die außen- und bildungspolitische Reputation des Landes schwächen.

 

Die Österreichische Bischofskonferenz weist auf die von mehreren kirchlichen Einrichtungen - u.a. Afro-Asiatische Institute, Caritas, Katholische Frauenbewegung, Missio-Austria usw. - geäußerten Bedenken hin und tritt dafür ein, dass Studierende aus Entwicklungsländern von Studiengebühren befreit bleiben.


Jugend


Der "Dialog X" hat - mit den Veranstaltungen im Oktober 1999 und im Oktober 2000 in Salzburg - zu einer österreichweiten elektronischen Vernetzung kirchlicher Jugendgruppen in Österreich geführt, teilte "Jugend-Bischof" Paul Iby bei der Frühjahrsvollversammlung mit.

 

Im Rahmen des "Dialog X" ist eine Reihe von Veranstaltungen in Vorbereitung:

2.-4. Juni 2001, Pfingsten, Jugendbegegnung mit voraussichtlich 3.500 Teilnehmern in Innsbruck

 

13.-14. April 2002, "Nightwatch", an 10-15 Orten in Österreich treffen Jugendliche zusammen, um aus der Fülle der spirituellen Traditionen den Glauben an Gott zu feiern. Motto: "Eine Zeit zum Beten, (k)eine Zeit zum Schlafen".

 

7.-9. Juni 2002, "72 Stunden ohne Kompromiss", Jugendliche arbeiten an verschiedenen Orten an sozial-karitativen Projekten. Diese Initiative möchte erreichen, dass Jugendliche in Gruppen gemeinsam tätig werden, um Nächstenliebe konkret - auch im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich - zu verwirklichen.






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Allerheiligen

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Seliger Papst Paul VI.

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