Druckansicht - Monday 28. July 2014

Inhalt:

Erklärungen 2005

Erklärungen der Österr. Bischofskonferenz


Herbst 2005


Sommer 2005


Fühjahr 2005




Presseerklärungen Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz 8. bis 10. November 2005, Vatikanstadt


1. Ad-limina-Besuch


Der Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe von 3. bis 9. November hat die Gemeinschaft und herzliche Verbundenheit zwischen Papst Benedikt XVI. und der katholischen Kirche in Österreich eindringlich unter Beweis gestellt. Licht und Schatten in der katholischen Kirche in Österreich sind benannt worden; die Bischöfe sind - bestärkt durch den Nachfolger des Apostels Petrus - aus Rom zurückgekehrt, um gemeinsam mit Priestern, Ordensleuten und Laien mit neuem Elan den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen.


Die Kirche ist nicht für sich selbst da. Sie hat vielmehr den Auftrag Christi, inmitten der Menschen von heute Seine befreiende Botschaft von der Erlösung und von der Barmherzigkeit Gottes zu leben. Papst Benedikt XVI. hat daran erinnert, dass Klarheit und Schönheit des Glaubens an Christus das Leben der Menschen hell machen.

Der Papst hat die Bischöfe eingeladen, gemeinsam mit ihm "gelassen und zuversichtlich" die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Evangelium Christi unverkürzt zu verkünden. In bewegenden Worten hat der Heilige Vater vor einer großen Öffentlichkeit bei der Generalaudienz am 9. November seine besondere Verbundenheit mit Österreich bekundet und den Bischöfen, Priestern und Laien gedankt.


Die Bischöfe fühlen sich bestärkt, die großen missionarischen Aufbrüche der letzten Jahre - Wiener Stadtmission, Mitteleuropäischer Katholikentag, Initiative "Offener Himmel" in Salzburg - weiterzuführen und zu vertiefen. Das "begeisterte und begeisternde" Zeugnis für Christus kann jene spirituelle Trendwende zu einem mehr an Glaube, Hoffnung und Liebe herbeiführen, von der Papst Benedikt XVI. bei der Gemeinschaftsaudienz für die österreichischen Bischöfe gesprochen hat. Der Heilige Vater hat den Bischöfen in besonderer Weise aber auch den Dienst an den Menschen in Not, in materieller wie geistiger Not, ans Herz gelegt.

 

Die Bischöfe freuen sich, dass Papst Benedikt XVI. die Einladung nach Mariazell für September 2007 wohlwollend aufgenommen und seine persönliche Beziehung mit dem mitteleuropäischen Marienheiligtum betont hat.


2. Österreichs EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2006


Am 1. Jänner 2006 übernimmt Österreich für ein halbes Jahr den Ratsvorsitz der Europäischen Union. In kritischer Solidarität begleitet die katholische Kirche den europäischen Integrationsprozess und lädt dazu ein, den Blick auf Christus zu richten - Ihn, den die Katholiken besonders im vergangenen Jahr während des Mitteleuropäischen Katholikentag als "Hoffnung Europas" bekannt, verkündet und gefeiert haben -, um im Vertrauen auf Ihn am "Bauplatz Europa" mitzubauen und sich dabei von Ihm inspirieren und leiten zu lassen. Der Leitgedanke soll dabei die "Solidarität" sein, jenes Prinzip der Katholischen Soziallehre, das die "Seele" der Europäischen Union ist:


- Der Prozess der wirtschaftlichen und finanziellen Globalisierung darf nicht als unabwendbares Schicksal verstanden werden, sondern verlangt nach Gestaltung und Ordnung. Das bedeutet nicht nur tätige Solidarität mit jenen ärmsten Ländern, deren Lebensgrundlage durch die Globalisierung bedroht wird, sondern ein aktives Umdenken in den reichen Ländern. Der unter dem österreichischen Ratsvorsitz in Wien stattfindende EU - Lateinamerikagipfel sollte dafür ein konkreter Anlass sein.


- Im Hinblick auf eine Neuordnung der Sozialsysteme sind das Umdenken und das Verantwortungsbewusstsein aller Menschen in der Europäischen Union notwendig. Ein gerechter Ausgleich zwischen den Generationen verbietet es, die Lasten einseitig nur einer Generation, der jüngeren, aufzubürden. Solidarität verbietet nicht nur herrschendes Besitzstandsdenken, sondern fordert eine ehrliche Verteilung zwischen den Generationen und die Einsicht, dass stärkere Schultern schwerere Lasten tragen sollen. Besondere Aufmerksamkeit muss dabei denjenigen geschenkt werden, die aus dem Sozialsystem zu fallen drohen und am Rand der Gesellschaft oder in Armut leben.


- Große Bedeutung kommt den Familien zu. Sie sind die Keimzelle der Gesellschaft. Aus ihnen entsteht neues Leben und eine neue Generation, in ihnen erprobt sich das Zueinander und Miteinander verschiedener Generationen, in ihnen werden zuerst jene Tugenden gelernt, derer die Gesellschaft besonders bedarf: Ehrfurcht vor dem Leben und dem anderen, Solidarität, Toleranz.


Die gegenwärtige Krise des "Projekts Europa" ist auch Ausdruck einer fehlenden gemeinsamen Vision des Zusammenlebens in Europa. Die Staats- und Regierungschefs haben im Dezember 2004 Europa und sich selbst eine "Nachdenkpause über Europa" verordnet. Solche "Sabbatjahre" können heilsam sein - wenn sie wirklich zur Rückbesinnung, zum Nachdenken und zur Neuordnung genutzt werden. Mit einem Wort des in diesem Jahr verstorbenen Hl. Vaters, Papst Johannes Paul II. möchten die Bischöfe dazu einladen, diese Chance zu nutzen: "Europa, kehre du selbst um! Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge. Belebe deine Wurzeln" (Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Art. 120). Dieser Aufruf gilt nicht nur den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern er richtet sich an alle Katholiken, ja an alle Menschen guten Willens.


3. Mariazell


Im Jahr 2007 wird in Mariazell das 850-Jahr-Jubiläum der Wallfahrt gefeiert. Seit der "Wallfahrt der Völker" als dem Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentages ist die völkerverbindende Kraft des Marienortes im Herzen Österreichs noch stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert.

 

Höhepunkt der Feierlichkeiten im Jahr 2007 wird das Patronziniumsfest von Mariazell am 8. September sein. Die österreichischen Bischöfe haben Papst Benedikt XVI. dazu nach Mariazell eingeladen.


Unter dem Motto "Christus - Hoffnung Europas" soll dieses Fest in einer neuen schwierigen Phase des europäischen Einigungsprozesses die Bedeutung von Mariazell als spirituelle Heimat für viele Völker in Mitteleuropa hervorheben und Impulse für die Zukunft geben. In dankbarer Erinnerung an die "Wallfahrt der Völker" werden Abordnungen aus allen Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentags in Mariazell erwartet.

 

Mariazell als ein Ort, "wo der Himmel die Erde auf außergewöhnliche Weise berührt", zieht in besonderer Weise auch junge Menschen an. Daher wird im Jubiläumsjahr von 12. bis 15. August 2007 eine große mitteleuropäische Jugendwallfahrt nach Mariazell stattfinden. Die Fragen, Hoffnungen und Wünsche der Jugendlichen in Bezug auf die eigene und die gemeinsame Zukunft sollen die Inhalte bestimmen. Im Blick auf Maria können die Jugendlichen das Wort des Propheten Jeremia "Ich will euch eine Hoffnung und Zukunft geben" im eigenen Leben erfahren.


In Vorbereitung auf diese Jugendbegegnung werden im Rahmen der Aktion "72 Stunden ohne Kompromiss" der Katholischen Jugend Österreichs im kommenden Jahr die Pilgerwege nach Mariazell für das Jubiläumsjahr neu markiert. Die 72-Stunden-Aktion wird erstmals in Kooperation mit katholischen Jugendlichen aus den Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentages durchgeführt.

 

Mit der Vorbereitung der Jugendbegegnung wurde "Jugend-Bischof" Franz Lackner beauftragt.



Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Sommer 2005


Wortlaut der Presseerklärungen der Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 13. bis 15. Juni in Mariazell


1. Feldkirch und Linz


An der Vollversammlung der österreichischen Bischöfe hat zum ersten Mal der designierte Bischof von Feldkirch, Prälat Elmar Fischer, teilgenommen. Er wurde vom Vorsitzenden und allen Bischöfen herzlich willkommen geheißen. Dabei wurden Segenswünsche für seine Aufgabe und seine Diözese zum Ausdruck gebracht.

 

Zugleich dankten die Bischöfe dem bisherigen Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern, der nach der Annahme seines Rücktrittsgesuchs die Diözese als Apostolischer Administrator leitet. Die Bischöfe laden die Gläubigen zum Gebet um eine gute Nachfolgeregelung für die Diözese Linz ein.


2. Weltjugendtag

Die österreichischen Bischöfe laden die Jugend zur zahlreichen Teilnahme am 20. Weltjugendtag in Köln ein. Das Großereignis von 11. bis 21. August bietet die Chance, in Austausch, Gebet und Gespräch die junge Weltkirche zu erleben. Höhepunkt des Weltjugendtags wird die Messfeier mit Papst Benedikt XVI. am 21. August sein. Die Bischöfe machen sich das Wort des Papstes zu eigen: "Die Kirche ist jung". Sie unterstreichen auch die Überzeugung Benedikts XVI., dass die Jugend nicht materialistisch und egoistisch ist, sondern das Große und Gute will. Die Sehnsucht vieler junger Menschen nach Wahrheit und Freiheit findet ihre Erfüllung in der Begegnung mit Christus. Das Motto des Weltjugendtags entspricht dieser Sehnsucht: "Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten".

 

Es ist erfreulich, dass aus Österreich bisher mehr als 3.000 Anmeldungen für den Weltjugendtag vorliegen. Im Hinblick auf die sprachliche und kulturelle Nähe zwischen dem österreichischen und dem rheinischen Katholizismus gehen die Bischöfe davon aus, dass sich in den nächsten Wochen noch viele andere junge Leute aus Österreich zur Reise nach Köln entschließen werden (Infos unter www.weltjugendtag.at).

 

Sehr positiv bewerten die Bischöfe die Vorbereitung auf Köln. Seit Beginn des Jahres kommen in ganz Österreich in 85 sogenannten "K05"-Gruppen ("K05" steht für "Kernteam Köln 2005") Jugendliche zusammen, um sich in Gespräch und Gebet intensiv auf den Weltjugendtag vorzubereiten und einzustimmen.


3. Europa

In dankbarer Erinnerung an das Erlebnis der "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell am 22. Mai 2004 bitten die Bischöfe die Katholiken, zu einem immer stärkeren Miteinander in Europa beizutragen. Der christliche Beitrag ist entscheidend dafür, dass Europa noch mehr ein Ort des Friedens, der Freiheit und des Respekts vor der menschlichen Würde wird.


4. Familien-Wallfahrt

Die Impulse des Mitteleuropäischen Katholikentags werden weitergeführt. Im heurigen Jahr hat die Wallfahrt ins bosnische Kupres mit der Weihe der Katholikentagsglocken den Menschen im schwer geprüften Bosnien-Hercegovina Hoffnung gegeben.

 

Im nächsten Jahr wird am 11. Juni - dem Dreifaltigkeitssonntag - in jeder österreichischen Diözese eine große Familienwallfahrt stattfinden. Ähnliche Wallfahrten wird es auch in den anderen Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentags geben. Thematisch wird die Weitergabe des Glaubens in der Familie im Mittelpunkt stehen.

5. Genfer Flüchtlingskonvention

 

Aus Anlass des bevorstehenden Weltflüchtlingstags (20. Juni) erinnern die österreichischen Bischöfe daran, dass die Genfer Flüchtlingskonvention seit 50 Jahren in Österreich in Kraft ist. Das Ziel dieser Konvention - der Schutz der menschlichen Würde - ist heute so aktuell wie vor 50 Jahren. Gesetzgebung und Praxis müssen sich an diesem Ziel orientieren. Hinter den nüchternen statistischen Zahlen über Flüchtlinge und Asylwerber stehen Menschen mit konkreten Schicksalen, Menschen, die fühlen, leiden und hoffen.

 

Österreich hat sich bei der Hilfe für Flüchtlinge hohe Verdienste erworben. Im heurigen Jubiläumsjahr ist auch daran zu erinnern, dass seit 1945 insgesamt zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind. Die meisten haben dann anderswo eine neue Heimat gefunden, rund 700.000 sind in Österreich geblieben und haben zum Aufbau unseres Landes wesentlich beigetragen.

 

Das Erbe der letzten 60 Jahre ist im Bereich der Asylpolitik eine Verpflichtung für heute. Neben der Sorge für eine menschenrechtskonforme Gesetzgebung und Praxis in Österreich geht es im Sinn des jüngsten Dokuments des Päpstlichen Rates für die Migranten-Seelsorge auch um Prävention. Auch Österreich kann dazu beitragen, dass sich die Lebensverhältnisse in möglichst vielen Ländern bessern und sich damit immer weniger Menschen gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen.



Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Frühjahr 2005


Wortlaut der Presseerklärungen der Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, 7. bis 10. März 2005, Stift Lambach


1. Zweidrittelmehrheit bei den Schulgesetzen


Die Bundesregierung hat ihre Absicht bekannt gegeben, die Zweidrittelmehrheit für die Beschlussfassung der Schulgesetze in den gesetzgebenden Körperschaften ersatzlos abzuschaffen.

 

Die Österreichische Bischofskonferenz hat dazu im Begutachtungsverfahren eine Stellungnahme abgegeben, die sich nicht gegen die Abschaffung der Zweidrittelmehrheit generell ausspricht, aber wesentliche Eckpunkte des österreichischen Schulwesens in den Verfassungsrang erhoben wissen will.

 

Zumindest der Zielparagraf des Schulorganisationsgesetzes, unter Umständen in modernisierter Form, und die Grundanliegen der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften - konfessioneller Religionsunterricht als Pflichtgegenstand und der Bestand des konfessionellen Schulwesens - müssen diesfalls Verfassungsrang erhalten.

 

Dadurch ist sicher gestellt dass zumindest die Grundpfeiler des österreichischen Schulsystems nicht durch die jeweilige Parlamentsmehrheit geändert werden können.

Gerade durch eine klare Definition der Ziele von Bildung und österreichischer Schule in der Bundesverfassung soll eines dauerhaft gewährleistet werden: Bildung hat einen ganzheitlichen Anspruch, sie unterstützt das Wachstum zu einer mündigen, reifen und verantwortungsvollen Persönlichkeit. Wer im Zusammenhang von Bildung bloß von Förderung des Wirtschaftswachstums, vom Rohstoff Humankapital und von Humanressourcen spricht, wie es leider die letzten europäischen Dokumente tun, greift zu kurz. Die geistige, soziale und spirituelle Dimension des menschlichen Seins wird hier vollkommen übersehen.

 

Die österreichischen Bischöfe, die nachdrücklich für diesen Bildungsbegriff stehen, wissen sich hier nicht allein. Eine breite Unterstützung durch die Elternschaft, durch Fachleute aus verschiedenen politisch-weltanschaulichen Richtungen und durch breite Bevölkerungskreise hat gezeigt, dass die Forderung der Bischöfe, vor Abschaffung der Zweidrittelmehrheit die verfassungsmäßigen Notwendigkeiten zu bedenken und zu diskutieren, großes Verständnis findet.

 

Die Bischöfe geben der Hoffnung Ausdruck, dass eine differenzierte Behandlung dieser so wichtigen Materie zum Wohle der österreichischen Jugend und damit der Zukunft unseres Landes möglich wird.


2. Liturgie


Die Sorge um die Liturgie und besonders um die Eucharistie als deren Herzmitte ist eine vorrangige Aufgabe der Bischöfe.

 

Zum heurigen "Jahr der Eucharistie" hat Papst Johannes Paul II. die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" und das Apostolische Schreiben "Mane nobiscum Domine" verfasst. Diese kostbaren Texte sollten in allen Pfarren und in allen anderen kirchlichen Gemeinschaften sorgsam bekannt gemacht werden. Gemeinsam mit den auf Liturgie bezogenen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils helfen sie, die Liturgie in ihrer Tiefe, Heiligkeit, Lebendigkeit und Schönheit besser zu verstehen und zu feiern.

 

Es gibt in Österreich viele Bemühungen um eine solche Liturgie. Die Bischöfe danken allen, die dazu beitragen, und bitten, diesen Weg weiter zu gehen.

 

Es gibt in Österreich leider aber auch an nicht wenigen Orten eigenmächtige Veränderungen, die den ohnedies weiten Rahmen überschreiten, der von der Kirche für eine authentische Liturgie vorgegeben ist. Solche Überschreitungen gefährden über kurz oder lang die Einheit und den Frieden in der Kirche und dies gerade bei jener heiligen Feier, die eine der Hauptquellen für Einheit und Frieden sein soll.

 

Die kirchliche Ordnung der Liturgie ist kein Joch, sie dient nicht dem Buchstaben, sondern soll ein Instrument des Heiligen Geistes sein, der sich nicht in regelloser Spontaneität, sondern in einer Ihm gemäßen Form ausdrücken will. Als Bischöfe müssen und wollen wir Kritik an Verletzungen der liturgischen Ordnung jeweils sorgsam prüfen. Solche Kritik beruht manchmal nicht oder nur teilweise auf Tatsachen und ist gelegentlich auch begleitet von Methoden, die den Geboten des Evangeliums widersprechen. Dort, wo die Kritiker im Recht sind, müssen und wollen wir aber gemeinsam zur Ordnung zurückkehren.

 

Es gibt viele Formen der Liturgie. Manche haben niedere Schwellen und sind so eine Einladung an Suchende, vor allem auch an junge Menschen, schrittweise dem zentralen Mysterium näher zu kommen. Die Heilige Messe ist aber inmitten der Liturgie im Ganzen eine unverwechselbare Feier. Wir dürfen die Schwelle zu ihr nicht flacher werden lassen.

Einige konkrete Themen betreffend die Heilige Messe bedürfen heute einer besonderen Beachtung. Drei seien genannt:


a. Der Priester als Träger des Weihesakraments steht bei der Eucharistiefeier in der Gemeinde und zugleich stellvertretend für Christus der Gemeinde gegenüber. Ohne Priester gibt es keine gültige Eucharistiefeier. Die Verkündigung des Evangeliums in der Feier der Heiligen Messe ist ausschließlich dem Priester oder dem Diakon anvertraut. Das eucharistische Hochgebet ist den zelebrierenden Priestern vorbehalten. Die liturgische Gemeinde bekräftigt es nach uraltem Brauch der Kirche durch Akklamationen und jedenfalls durch das abschließende Amen.


b. Der Empfang der Heiligen Kommunion bedarf der Ehrfurcht als Ausdruck des Glaubens, dass in der Gestalt von Brot und Wein Christus wirklich gegenwärtig ist. Niemand soll unvorbereitet hinzutreten. Die reuevolle Abkehr von Sünden und das Bußsakrament als Befreiung von schwerer Sünde sind Voraussetzung für einen ehrfürchtigen und geistlich fruchtbaren Empfang der Heiligen Kommunion. Unter diesen Voraussetzungen ist der Empfang der Kommunion ebenso in die Hand wie in den Mund der Kommunizierenden möglich.


c. Christus bleibt in Gestalt des in der Eucharistiefeier in seinen eucharistischen Leib verwandelten Brotes auch nach der Heiligen Messe gegenwärtig. Die Ihm zugewendete eucharistische Anbetung ist eine große Quelle geistlicher Kraft, die auch von jungen Menschen in vielen Ländern mehr und mehr entdeckt wird.


3. Österreich-Jubiläumsjahr


Österreich gedenkt heuer wesentlicher Wendepunkte seiner jüngsten Geschichte: Vor 60 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende, nach sieben Jahren der Gewaltherrschaft erstand die Zweite Republik; vor 50 Jahren wurde der Staatsvertrag unterzeichnet, durch den Österreich seine volle Freiheit und Souveränität wieder erlangte; vor zehn Jahren ist Österreich der Europäischen Union beigetreten.

 

Die Kirche hatte wesentlichen Anteil daran ("Aufbau im Widerstand"), dass Österreich 1945 wieder erstehen konnte. Die Kirche und die Katholiken haben aber auch entscheidend zur Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik beigetragen; diese Geschichte hat vom Zeitpunkt des Staatsvertrags an dazu geführt, dass Österreich bei allen Problemen ein Land ist, das seinen Menschen Sicherheit, Frieden, Wohlstand und große Lebenschancen bietet.

 

Die Bischöfe verbinden den Dank an Gott mit dem Gedenken an alle jene, die ihr Leben hingegeben haben, damit Österreich wieder erstehen konnte.

 

Am 8. Mai - dem Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs - werden um 12 Uhr in ganz Österreich alle Glocken läuten.

 

Am 15. Mai - dem Jahrestag der Unterzeichnung des Staatsvertrages - feiert Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom einen Festgottesdienst, der auch vom Fernsehen direkt übertragen wird. Bereits am Vorabend, dem 14. Mai, gedenken die Repräsentanten der christlichen Kirchen in Österreich bei einer Ökumenischen Vesper ebenfalls im Stephansdom des Ereignisses vom 15. Mai 1955.

 

Am 14. Juni wird bei einem Gottesdienst der Bischöfe in der Basilika von Mariazell aller Märtyrer des 20. Jahrhunderts gedacht.

 

Am 10./11. September steht die "Maria-Namen-Feier" in der Wiener Stadthalle im Zeichen des Staatsvertrags-Jubiläums.

 

Darüber hinaus gibt es in den Diözesen eine Fülle von Initiativen - Gebetsveranstaltungen, wissenschaftliche Diskussionen, Ausstellungen -, die den Menschen unseres Landes zu einem tieferen Verständnis der Gedenktage des Jahres 2005 helfen können.


4. Entwicklungszusammenarbeit


Die Bischöfe begrüßen die Initiativen und Schritte, die zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele der UNO auf internationaler Ebene - von staatlicher Seite wie von Nichtregierungsorganisationen - gesetzt wurden und in Planung sind. Insbesondere unterstützen die Bischöfe die "0,7-Prozent-Kampagne", die im Oktober 2003 von 40 Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Umwelt und Soziales - davon zahlreiche katholische - gestartet wurde. Die Kampagne mahnt die langjährige Verpflichtung der UN-Mitgliedsstaaten ein, nämlich 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen und damit die notwendigen Mittel für die Beseitigung der Armut und die Erfüllung der Millenniums-Entwicklungsziele aufzubringen. Sie greift damit die große Bereitschaft der Menschen Österreichs auf, sich für das Anliegen der weltweiten Gerechtigkeit einzusetzen.

 

Die Österreichische Bischofskonferenz erwartet, dass in Österreich ein verbindlicher Stufenplan zur Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden erarbeitet wird, um die vereinbarte Höhe von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erreichen.


5. Weltjugendtag in Köln


Die Bischöfe laden die Jugendlichen aus Österreich herzlich ein, im Sommer zum katholischen Weltjugendtag nach Köln und zum Vorprogramm in den deutschen Diözesen (11. bis 21. August) zu fahren. "Jugend-Bischof" Franz Lackner stellte das Programm des Weltjugendtags den Mitgliedern der Österreichischen Bischofskonferenz vor und betonte: "Köln wird ein tiefes spirituelles Erlebnis; im Miteinander von jungen Leuten aus aller Welt wird Kirche als Gemeinschaft der an Christus Glaubenden sichtbar". Das Programm wird in vielfältiger Weise - durch Katechesen, Gottesdienste, musikalische Initiativen und eine faszinierende Ausstellung über das Antlitz Jesu in der Kunst - das Motto des Weltjugendtags "Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten" in die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen übersetzen.

 

Aus Österreich, das Köln so nahe liegt, und mit der "Stadt der Heiligen Drei Könige" religiös und kulturell so vielfach verbunden ist, sollen viele junge Leute an den Rhein fahren. Möglichst jede der 3.000 österreichischen Pfarrgemeinden soll Jugendliche zum Weltjugendtag entsenden.

 

Insgesamt werden 400.000 Jugendliche aus aller Welt zu den Tagen der Begegnung von 11. bis 15. August in den deutschen Diözesen erwartet. Beim eigentlichen Weltjugendtag in Köln von 16. bis 21. August werden sich bis zu einer Million Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln. Die Kirche in Köln und mit ihr viele junge Leute hoffen, dass Papst Johannes Paul II. dem Gottesdienst vorstehen wird.

 

In allen Diözesen Österreichs laufen bereits die Vorbereitungen auf den Weltjugendtag. 300 Jugendliche sind in 40 "Kernteams Köln 2005" ("K05") zusammengeschlossen. Die "K05"-Teilnehmer befassen sich ausführlich mit der Idee und den Hintergründen des Weltjugendtags. Im Gespräch, Austausch und Gebet bereiten sie sich speziell auf den Weltjugendtag vor und laden andere Jugendliche ein, nach Köln mitzufahren (Informationen: Internet: www.weltjugendtag.at).


6. Ein Jahr nach der "Wallfahrt der Völker"


Vor bald einem Jahr - am 22. Mai 2004 - hat die "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell als Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentags gezeigt, wie sehr die christlichen Wurzeln zum neuen Miteinander der Völker des europäischen Kontinents beitragen. Fast 100.000 "wetterfeste Christen" aus acht mitteleuropäischen Ländern (Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Tschechische Republik, Polen, Österreich) legten in der Öffentlichkeit ein eindrucksvolles gemeinsames Glaubenszeugnis ab. Das neue Buch "Wallfahrt der Völker" dokumentiert dieses Glaubenszeugnis, die "Botschaft von Mariazell" wirkt weiter.

 

Zum ersten Jahrestag dieses Ereignisses findet im bosnischen Kupres am 20./21. Mai in der wieder aufgebauten Kirche zur Heiligen Familie die Weihe jener acht Glocken statt, die das erste Mal im Vorjahr bei der "Wallfahrt der Völker" in Mariazell erklungen sind. Die acht Glocken symbolisieren die acht Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags und stellen ein Geschenk der katholischen Kirche in Österreich an die katholische Kirche in Bosnien dar.

 

Kardinal Christoph Schönborn wird an der Spitze einer Delegation der Österreichischen Bischofskonferenz in Kupres sein. Auch die anderen sieben Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags werden durch Repräsentanten der Bischofskonferenzen und Delegationen von Jugendlichen vertreten.

 

Kupres (gleich weit entfernt von den drei bosnisch-hercegovinischen Diözesansitzen Sarajevo, Banja Luka und Mostar) ist ein Symbolort für den Kreuzweg und die Glaubenstreue der bosnisch-hercegovinischen Katholiken. Die Glocken für Kupres stellen einen Akt der Solidarität mit der katholischen Kirche in allen Teilen von Bosnien-Hercegovina dar.

 

Der Mitteleuropäische Katholikentag hat die Katholiken in den Teilnehmerländern einander näher gebracht. Viele Partnerschaften auf der Ebene der Diözesen und der Pfarrgemeinden sind entstanden. Diese Partnerschaften werden weiter geführt und vertieft.

 

Im kommenden Jahr wird es in den acht Ländern des Mitteleuropäischen Katholikentags zum selben Zeitpunkt Familienwallfahrten zu den verschiedenen Gnadenorten geben.

Für die Österreichische Bischofskonferenz ist 2006/07 die Vertiefung der Kontakte zur katholischen Kirche in Ungarn eine Priorität.


7. Heiliges Land


Mit Hoffnung und Sorge verfolgen die Bischöfe gemeinsam mit allen Menschen guten Willens die Entwicklung im Nahen Osten, insbesondere im Heiligen Land. Nur wenn Frieden wird, haben auch die Christen im Heiligen Land neue Lebenschancen. Es darf nicht sein, dass im Geburtsland der Kirche nur mehr die Steine von Jesus reden, während die "lebendigen Steine" der christlichen Gemeinden immer mehr an den Rand gedrängt werden.

 

Die für die Kirche im Heiligen Land bestimmte Kollekte am Karfreitag bietet den österreichischen Katholiken die Chance, ihre Solidarität mit den Christen in der Heimat Jesu tatkräftig unter Beweis zu stellen.

 

Zugleich rufen die Bischöfe dazu auf, diese Solidarität auch durch eine Wiederaufnahme der Pilgerfahrten ins Heilige Land zu bekunden. Die große "Pro Oriente"-Wallfahrt ab dem 29. März soll als Impuls dafür betrachtet werden.

 





Zusatzinhalt:





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