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Burjan: Weltweit erste seliggesprochene Parlamentarierin

Kardinal Schönborn bei Festveranstaltung des ÖVP-Parlamentsklubs anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung von Hildegard Burjan - Vizekanzler Spindelegger: Sie war "Vorreiterin, Pionierin und Visionärin"

18.01.2012

Wien (KAP) Hildegard Burjan ist "weltweit die erste demokratische Politikerin, die von der katholischen Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wird". Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend bei einer Festveranstaltung der ÖVP im Parlament anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung dieser "großartigen und echten Christin" am 29. Jänner in Wien. Sie sei damit der Beweis, "dass es möglich ist, in der Politik heilig zu werden". Und das "als Österreicherin, das sei allen Skeptikern gesagt", so der Kardinal im Nachsatz.

 

Auf die eingangs vom einladenden ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf aufgeworfene Frage, "wie man heilig werden kann", antwortete der Wiener Erzbischof mit Verweis auf das Vorbild von Hildegard Burjan: Entscheidend sei die "Glaubwürdigkeit", die sich in der "Deckungsgleichheit von Glauben und Leben" zeige. Heilige seien zudem "praktisch" in dem Sinn, dass sie voll im Leben stünden. "Nicht wegschauen, sondern hinschauen" sei die Haltung, die auch für Burjan typisch war. Schließlich gehe es darum "an der Liebe Christi Maß zu nehmen". Die für Burjan so maßgebliche "soziale Liebe" habe sich in ihrer "Zuwendung, Sympathie, Empathie und Tat" gezeigt.

 

"Vorreiterin, Pionierin und Visionärin"

 

Die bleibende Bedeutung Burjans für eine christliche inspirierte Sozialpolitik stand im Zentrum mehrerer Ansprachen im Rahmen der Festsitzung des ÖVP-Parlamentsklubs. Laut Vizekanzler Michael Spindelegger könne die ÖVP "stolz" auf die christlichsoziale Parlamentarierin Hildegard Burjan sein, die er als "Vorreiterin, Pionierin und Visionärin" sowie als "außergewöhnliche Frau" und "große Österreicherin" würdigte. Burjan sei auch heute ein Vorbild für eine "wertorientierte Politik", die im Widerspruch zu "Populismus oder völliger Beliebigkeit" steht. Als konkretes Beispiel dafür nannte der Bundesparteiobmann das Thema Euthanasie, wo es absolute Grenzen zu wahren gelte.

 

Klubobmann Kopf erinnerte an die Worte von Papst Johannes Paul II., der 1998 zum Abschluss seiner letzten Reise nach Österreich das "Caritas Socialis"-Hospiz am Rennweg besuchte und Burjan als eine "charismatische Künderin sozialer Liebe" bezeichnete. Burjan habe sich durch ihren Einsatz für die Gleichberechtigung der Frau und ihre Forderung nach "gleichem Lohn für gleiche Arbeit" als "visionäre Sozialpolitikerin" erwiesen, so Kopf. Für den zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer hat Hildegard Burjan "die Prinzipien der katholischen Soziallehre - Personalität, Solidarität, Subsidiarität - selbst gelebt".

 

Christliche Sozialpolitik

 

Weitere Redner der Festsitzung waren Maria Hampel-Fuchs, die das Leben und Wirken von Hildegard Burjan nachzeichnete, und Prof. Wolfgang Mazal. Der Wiener Sozialrechtsexperte präsentierte fünf Thesen für eine zeitgemäße christliche Sozialpolitik. Fundament dafür sei das "christliche Menschenbild", dem zufolge sich "der Mensch als angenommene und geliebte Person" begreifen könne. So gesehen könne der Mensch "als Gerufener Antwort geben und Verantwortung übernehmen".

 

Christliche Sozialpolitik "verfolgt keine Utopie" sondern geschehe "aus der Perspektive der Unvollkommenheit", so Mazal, der gleichzeitig die "Verpflichtung zur Wissenschaftlichkeit und Redlichkeit" anmahnte. Die "Liebe ist Triebfeder und Handlungsmaßstab christlicher Sozialpolitik", so formulierte Mazal seine Kernthese mit Blick auf Hildegard Burjan. Wie diese "Liebe" zu verstehen sei, zeige sich exemplarisch im neutestamentlichen "Hohelied der Liebe" des Apostel Paulus (1. Korintherbrief, Kapitel 13). Dort seien auch für heute gültige Aussagen für ein politisches Handeln aus christlicher Verantwortung enthalten.

 

Zur Festveranstaltung waren zahlreiche Repräsentanten aus Politik und Kirche in den Budgetsaal des Parlaments gekommen. Unter ihnen waren u.a. Justizministerin Beatrix Karl, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, sowie zahlreiche aktive und emeritierte Abgeordnete.

 

 

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