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Scheuer: Krise in Kirche und Gesellschaft als Chance sehen

Innsbrucker "Bischofswort" zur Fastenzeit: "Kritik in und an der Kirche konstruktiv deuten, wenn sie aus einer Leidenschaft für das Evangelium heraus formuliert ist"

22.02.2012

Innsbruck, 22.02.2012 (KAP) Die gesellschaftliche, wirtschaftliche und kirchliche Krise als Chance sehen möchte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In seinem "Bischofswort" zur Fastenzeit, das am kommenden Sonntag in den Gottesdiensten in der Diözese Innsbruck verlesen wird, nimmt Scheuer zur kircheninternen Reformdebatte Stellung und plädiert dafür Spannungen auszuhalten. Zugleich ruft er zur persönlichen Erneuerung jedes einzelnen Christen und der Gemeinschaft auf.

 

Scheuer: "Krise im Sinne von Jesus fordert zu einer Lebensentscheidung im Sinne Jesu, zu einer Lebenserneuerung im Sinne der Nachfolge heraus. Die Österliche Bußzeit kann mit Blick auf das Osterfest der eigenen geistlichen Vertiefung des Glaubens und der Erneuerung des eigenen Lebens ebenso wie der Erneuerung des Zusammenlebens dienen."

 

Zur kircheninternen Reformdebatte hält der Bischof wörtlich fest: "Grundsätzlich möchte ich die teilweise auch heftig formulierte Kritik in und an der Kirche konstruktiv deuten, wenn sie aus einer Leidenschaft für das Evangelium heraus formuliert ist." Und es seien "tatsächliche Nöte und Sorgen um das Leben der Pfarrgemeinden, um die Lebenskultur von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern, um die Seelsorge für Menschen an den Knotenpunkten und auch an den Brüchen ihres Lebens, die wahrzunehmen sind", so Scheuer: "Den pastoralen Nöten der Kirche müssen wir ohne Harmonisierung und Verdrängung begegnen."

 

Spannungen aushalten

 

Zwischen den einzelnen Gruppen in der Kirche gebe es über den weiteren Weg nicht einfach Konsens, sondern durchaus Spannungen, "die nicht leicht harmonisierbar sind, sondern ausgehalten werden müssen". Gegensätze und Spannungen könnten "Ausdruck von Lebendigkeit" sein, "aber auch von Zerstörung", gibt der Bischof zu bedenken.

 

Angesichts von "schmerzlichen Erfahrungen des Mangels, der Verletzungen und des Streits in der Kirche" gelte es aber auch zu bedenken, dass die Seelsorge nicht nur den Priestern und Diakonen aufgetragen ist, betont Scheuer.

 

So gebe es viele Hunderte Frauen und Männern, die als Pastoralassistentinnen und -assistenten oder im Religionsunterricht oder in Pfarrsekretariaten seelsorglich tätig sind. Darüber hinaus würden viele Tausende Christen seelsorglich ehrenamtlich in Familien, Pfarrgemeinderäten und anderen Gemeinschaften wirken.

 

Scheuer weist in diesem Zusammenhang auf die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März hin. Er wolle allen bisherigen und den künftigen Pfarrgemeinderäten für ihr Engagement danken.

 

Der Bischof kündigt zugleich Veränderungen in der Kirche an: "Viel bewährtes Altes kann heute freilich ebenso in den Pfarren wie in den politischen Gemeinden angesichts des rapiden Wandels unserer Gesellschaft nicht aufrechterhalten werden. Von manchen Gewohnheiten, die sich als nicht mehr tragfähig erweisen, werden wir uns trennen müssen. Das tut weh, kann aber ausgehalten werden, wenn wir uns davon nicht lähmen lassen, sondern tiefer graben, um zu den Quellen zu gelangen, die uns Christus erschließt."

 

 

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