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Warum viele Christen Ostern nicht an einem Sonntag feierten

Der Streit um den Ostertermin reicht bis ins Urchristentum zurück - "Kathpress"-Hintergrundbericht von Georg Pulling

29.03.2012

Wien (KAP) Der Streit um den "richtigen" Ostertermin ist so alt wie das Christentum selbst: Schon im Urchristentum wurde über diese Frage mitunter heftig gestritten. Und es war auch nicht so wie heute, dass alle Christen das Osterfest an einem Sonntag begingen. Grund zur Auseinandersetzung boten bereits die Evangelien mit ihren abweichenden Angaben zur Leidensgeschichte Jesu in den synoptischen Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas auf der einen Seite und dem Johannesevangelium auf der anderen Seite.

 

Historiker verweisen etwa darauf, wie lange sich in den mit Johannes verbundenen Gemeinden der Urkirche - Ephesos und das westliche Kleinasien - der Tag des Pessach-Beginns als Osterdatum gehalten hat. Gemeinden, die Ostern am Pessach-Beginn (und daher meistens nicht am Sonntag) feierten, hießen in der Urkirche "Quartodecimaner", die am Sonntagstermin orientierten "Dominicales". Die Auseinandersetzung zwischen "Dominicales" und "Quartodecimaner" ging als "Osterfeststreit" in die Kirchengeschichte ein.

 

Papst Viktor I. wollte um 200 eine einheitliche Datierung für die gesamte Kirche durchsetzen. Er ordnete deshalb an, dass in den einzelnen Provinzen Synoden durchgeführt werden. Auf ihnen sprach sich die Mehrheit für die Praxis der "Dominicales" aus.

 

Entschiedener Widerstand kam aber aus dem Kerngebiet der "Quartodecimaner" in Kleinasien. Für deren Gemeinden machte sich Bischof Polykrates von Ephesos zum Sprecher. Der Papst verlangte jedoch von den Kleinasiaten, sich der Mehrheitsentscheidung zu beugen. Er drohte ihnen sogar den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft an. Allerdings erntete Viktor I. dafür scharfe Kritik - u.a. vom hoch geachteten Kirchenvater Irenäus von Lyon. Dessen Appell zur Toleranz hatte Erfolg und bewirkte, dass die "quartodecimanische" Minderheit noch das ganze 3. Jahrhundert hindurch ihrer Tradition treu bleiben durfte.

 

Erst bei der Synode von Arles (314) wurde erneut der Termin "erster Sonntag nach Pessach-Beginn" eingeschärft. Das Konzil von Nicäa (325) schloss die "Quartodecimaner" schließlich aus der kirchlichen Gemeinschaft aus. Von da an ging ihre Zahl ständig zurück.

 

Die "Ostertafel" des Dionysius Exiguus

 

Doch damit war der Streit um den richtigen Ostertermin noch nicht beendet. Denn wenn man sich auch auf den Sonntag geeinigt hatte, war man sich über den "echten" Frühlingsvollmond nicht einig. Kritisch war ein "Sonntagsvollmond" an einem 21. März - wie etwa im Jahr 387. War das jetzt noch ein Wintervollmond oder bereits Frühling? Aus den Schriften des Kirchenvaters Ambrosius ist zu erfahren, dass sich die Kirche darüber nicht einigen konnte: In Rom feierte man Ostern im Jahr 387 am 21. März, in Alexandrien aber erst am 25. April.

 

Es dauerte weitere 140 Jahre, bis sich Römer und Alexandriner über einen gemeinsamen Ostertermin einigen konnten. 525 bat Papst Johannes I. den Mönch Dionysius Exiguus in der Sache um Rat. Dieser errechnete eine "Ostertafel" für einen Zyklus von 532 Jahren. Mit der Akzeptanz dieser "Ostertafel" im Westen wie im Osten war der eigentliche Osterfeststreit beendet.

 

1.000 Jahre lang - bis zur Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 - gab es jetzt ein gemeinsames Osterdatum für die gesamte Christenheit. Dann begann der Streit aufs Neue. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

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