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St. Pölten, 28.01.2012 (KAP) Die Seligsprechung von Hildegard Burjan am Sonntag im Wiener Stephansdom kann auch für die Reformbemühungen der österreichischen Diözesen Anregungen geben. Das erklärte Josef Kreiml, Rektor der Philosophisch Theologischen Hochschule St. Pölten, bei einem Gottesdienst zum Fest des Heiligen und Kirchenlehrers Thomas von Aquin, das am Samstag begangen wird. "Man braucht dazu nicht Theorien, sondern Lebensvorbilder." Burjan habe "ein Auge gehabt für das, was Menschen bedrängt". Dem Gottesdienst am Gedenktag des bedeutendsten Theologen der Scholastik und Patrons der katholischen Hochschulen stand Weihbischof Anton Leichtfried vor.
Die Heiligen und Seligen zeigten, dass es möglich sei, "in radikaler Hinwendung zu Gott zu leben", sagte Rektor Kreiml. Dabei sei es immer Gott, der den ersten Schritt auf den Menschen zu mache. "Die Heiligen haben diesen Anruf Gottes genutzt und sind ihm nachgefolgt", so Kreiml. Christus wolle die Gläubigen dort als seine Zeugen haben, wo sie gerade sind. Diesem Ziel wolle auch das Theologiestudium dienen.
Eheversprechen und Treuezusage Gottes
Zwei Absolventen des Theologiestudiums an der St. Pöltner Hochschule präsentierten im Rahmen der traditionelle "Thomasakademie" ihre Diplomarbeiten. Verena Kopp referierte über "Treue zur Botschaft Jesu - Ehebruch und Ehescheidung als Prüfstein und Herausforderung". Die junge Theologin legte dar, dass Jesus in seinem Wort zur Ehescheidung "kein Gesetz formuliert, sondern ein radikales Ethos". Er spreche die gegenseitige Verantwortung und schließlich die Liebe der Eheleute zueinander an, was die Ebene des Gesetzes übersteige. Kopp: "Das Eheversprechen bezieht sich auf die Treuezusage Gottes." In den frühen christlichen Gemeinden seien aus der Spannung zwischen der Treue zum Wort Jesu und der Verantwortung gegenüber der Situation der Gemeindemitglieder schließlich erste Adaptionen entstanden.
"Krankensalbung" statt "letzter Ölung"
Stephan Reisinger gab eine Übersicht über "Die Bedeutung der Krankensalbung" und deren Entwicklung im Laufe der Kirchengeschichte. So tauchte in der lateinischen Kirche des Westens die Krankensalbung erst ab der Karolingischen Reform im 8. Jahrhundert als Sakrament auf. Da im Frühmittelalter fast jede Krankheit lebensbedrohlich war, entwickelte sich die Krankensalbung bald zur "letzten Ölung", wie Reisinger ausführte. Diese verkürzte Sicht auf das Sakrament konnte erst das 2. Vatikanische Konzil korrigieren, das sich wieder am biblischen Zeugnis orientiert hat. Dem Wunsch nach einer Ausweitung der Vollmacht, die Krankensalbung zu spenden, auch auf Diakone und Laien als "außerordentliche Spender", stehe eine Note der Kongregation der Glaubenslehre entgegen, die dies allein dem Priester vorenthält, legte der Theologe dar.

