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"Unserem Ego-Tuning liegt auch eine spirituelle Krise zugrunde"

Sr. Melanie Wolfers, Salvatorianerin, Autorin
Salvatorianerin Melanie Wolfers im "Kathpress"-Interview über ihr neues Buch "Freunde fürs Leben": Freundschaft mit sich selbst zu schließen ist erster Schritt zur Änderung von Gesellschaftsstrukturen
11.10.2016, 14:14 Uhr Österreich/Religion/Seelsorge/Freundschaft/Orden/Wolfers
Wien, 11.10.2016 (KAP) Immer höher, schneller, weiter soll es gehen. Alles muss optimiert und gesteigert werden: Dieser Druck - so die Theologin, Seelsorgerin und Autorin Sr. Melanie Wolfers - stellt eine "heillose Überforderung" dar, die immer häufiger in Depressionen und Burnout mündet: "In unserer westlichen Kultur erfährt sich der Mensch als chronisch ungenügend und unzureichend", so die Ordensfrau im "Kathpress"-Interview. Ein möglicher Ausweg liegt laut Wolfers darin, "Freundschaft mit mir selbst" zu schließen und sich so vom "Damoklesschwert, den Anforderungen nicht zu genügen", zu befreien.

Wolfers, deren neues Buch "Freunde fürs Leben" am Dienstag erschienen ist, zeigt sich dabei überzeugt, dass dieses überzogene "Ego-Tuning" eine tiefer liegende Problematik berührt und in einer "spirituellen Krise" wurzelt. Selbstoptimierung resultiere schließlich auch aus dem Gefühl, nicht zu genügen. Dies sei eine "geistige Not", die sich auch in Angst, Aggression oder maßlose Gier entladen kann. "Wenn ich hingegen erahne, dass ein göttliches Du mich und alle Menschen von innen her bejaht, dann befreit das von dem Damoklesschwert, den Anforderungen nicht zu genügen. Dann reift ein tragfähiges Ja zu sich selbst heran."

Ein solches sich-angenommen-Fühlen sei dabei zugleich ein Schritt in Richtung einer Veränderung gesellschaftlicher Strukturen, zeigte sich die Salvatorianerin überzeugt: "Mit einem Plädoyer für die Freundschaft mit sich selbst will ich Menschen nicht fit machen, um reibungsloser in den Strukturen zu funktionieren und die Probleme besser kompensieren zu können. Vielmehr können Menschen mit einer guten Selbst-Beziehung kraftvoll und entschieden handeln und sich gut mit anderen vernetzen, um Strukturen zu verändern."

Melanie Wolfers studierte Theologie und Philosophie in Freiburg und München und arbeitete anschließend als Hochschulseelsorgerin in München. 2004 trat sie in den Orden der Salvatorianerinnen in Österreich ein. Seitdem lebt und arbeitet sie u.a. als Seelsorgerin, Beraterin und Autorin in Wien.

Das Buch "Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein" von Sr. Melanie Wolfers ist im adeo-Verlag erschienen und kostet 16,99 Euro.
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