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Früherer Vatikandiplomat kritisiert die USA scharf

Erzbischof Tomasi: Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem erschwere Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina - US-Regierung fehle es auch in anderen Fragen wie der Migrationspolitik "an gutem Willen, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten"
06.12.2017, 13:35 Uhr Vatikan/USA/Israel/Diplomatie/Konflikte
Rom, 06.12.2017 (KAP) Der langjährige vatikanische UN-Diplomat Erzbischof Silvano Tomasi hat die Entscheidung der USA kritisiert, ihre israelische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. In einem Interview mit Radio Vatikan am Mittwoch sagte der frühere Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem werde eine Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina wesentlich schwieriger. Der Vatikan aber unterstütze eine solche Lösung aber schon lange.

"Jerusalem muss weiterhin allen drei großen abrahamitischen Religionen zugänglich bleiben, also für Christen, Muslime und Juden", sagte Tomasi. Für die Lösung des Konflikts um Jerusalem gelte es eine politische Linie zu verfolgen, "die nicht Trennungen hervorruft, sondern die im Gegenteil Eintracht stiftet und Frieden garantiert".

In dem Zusammenhang kritisierte Tomasi auch andere Maßnahmen der Trump-Regierung wie das Einreiseverbot für Menschen aus sieben vorwiegend islamischen Ländern sowie den Rückzug Washingtons aus Verhandlungen zu einem internationalen Migrations- und Flüchtlingspakt. Alle diese Maßnahmen verschärften die Lage. Die Haltung der US-Regierung "stiftet somit sehr viel Trennung anstatt Einheit. Es fehlt an gutem Willen, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten", so Tomasi.

Gesten und Äußerungen, "die den internationalen Konsens zerbrechen, bergen die Gefahr neuer Gewaltausbrüche", warnte Tomasi. Stattdessen müsse man "versuchen, eine solche Politik mit allen möglichen Mitteln zu verhindern." In den Beziehungen zwischen Staaten könne man nicht einfach einseitige Beschlüsse fassen. Während seiner langjährigen Tätigkeit als Vatikandiplomat habe er immer wieder festgestellt, dass es international "vertiefte Zusammenarbeit" brauche.

In Sachen UN-Flüchtlingserklärung hatten die USA am Samstag mitgeteilt, dass sie diese nicht mehr unterstützen. In dem nicht bindenden Dokument vom September 2016 vereinbarten die 193 UN-Mitglieder unter anderem, Flüchtlingsströme besser zu koordinieren, die Rechte Betroffener besser zu schützen und ihre Integration effektiver zu fördern. Für 2018 war ein entsprechendes Abkommen geplant.

Die US-amerikanischen Bischöfe zeigten sich in einer Erklärung am Dienstag enttäuscht und rief die Regierung in Washington dazu auf, die Entscheidung zu überdenken. Zwar respektiere die katholische Soziallehre das Recht einer jeden Nation, selbst über eine Regulierung der Zuwanderung in das eigene Territorium zu entscheiden, so die Bischöfe. Die UN-Erklärung sei jedoch eine Chance, beim Aufbau internationaler Strukturen mitzuhelfen, die den vielen Schutzsuchenden weltweit gerecht würden.
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