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Personal- und Geldmangel: Caritas-Ruf nach Therapie der Pflege

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Landau und Ziselsberger bei Pressekonferenz zu "40 Jahre mobile Pflege" der Caritas in NÖ: Bund und Länder sollten sich auf gemeinsame Gegenfinanzierung zur Regressabschaffung einigen
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16.04.2018, 13:15 Uhr Österreich/Kirche/Soziales/Medizin & Gesundheit/Pflege/Caritas
St. Pölten, 16.04.2018 (KAP) "40 Jahre mobile Pflege" in Niederösterreich ist für die Caritas ein Jubiläum, das von Sorge begleitet ist. Dem steigenden Bedarf stehen akuter Personalmangel und Unklarheit über die künftige Finanzierung der Pflege nach Abschaffung des Pflegeregresses gegenüber, teilten Caritas-Präsident Michael Landau und der St. Pöltner Caritasdirektor Hannes Ziselsberger am Montag bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister in St. Pölten mit. Bund und Länder sollten sich rasch auf eine gemeinsame Gegenfinanzierung zur Abschaffung des Regresses einigen und dann eine langfristige und solidarische Finanzierung der Pflege sicherstellen, appellierte Landau an die Politik.

"Die Caritas hat in den vergangenen 40 Jahren Pionierarbeit in der mobilen Pflege geleistet", würdigte der Caritas-Präsident die in landesweit 57 Sozialstationen geleistete Arbeit. Die Caritas-Fachkräfte sorgen für pflegebedürftige, kranke oder alte Menschen, die ihre letzte Lebensphase in häuslicher Umgebung verbringen wollen, und unterstützen pflegende Angehörige. Das fällt zunehmend schwer, äußerte Caritasdirektor Ziselsberger Sorge: Derzeit suche alleine die Caritas in Niederösterreich mehr als 80 neue Pflegekräfte in allen Berufsgruppen.

"Im Mostviertel gibt es erstmals Wartelisten von Kunden, da wir aufgrund des Personalmangels nicht alle Betreuungen übernehmen konnten", bedauerte Ziselsberger. Ein Grund, warum viele diplomierte Krankenpflegekräfte einen Job im stationären Pflegebereich jenem im Bereich der mobilen Pflege vorziehen, sei der Einkommensunterschied. "Aktuell ist das Einstiegsgehalt einer diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegekraft in NÖ im stationären Bereich um über 350 Euro höher als in der mobilen Pflege", wies Ziselsberger hin. Von den Bundesländern wünscht sich der Caritasdirektor ein stärkeres finanzielles Bekenntnis zu mobilen Pflege.

Die österreichische Gesellschaft altert

Auf den stetig ansteigenden Bedarf machte der Caritas-Präsident mit demographischen Fakten aufmerksam: "Im Jahr 2050 werden in Österreich mehr als doppelt so viele Menschen wie heute über 80 Jahre alt sein - insgesamt rund eine Million Männer und Frauen." Das sei erfreulich, stelle aber auch vor enorme Aufgaben. Landau: "Wir müssen heute reagieren, um auch morgen eine an der Würde des Menschen Maß nehmende Pflege sicherzustellen!"

Allein 2017 hätten die Caritas-Mitarbeiter knapp 9.000 pflegebedürftige Niederösterreicher in mehr als einer Million Einsatzstunden zu Hause gepflegt und betreut, nannte Landau weitere Zahlen. Dies sei bisher nur dank der Unterstützung des Landes Niederösterreich möglich. Ein solches Engagement werde in den nächsten 40 Jahren nur dann möglich sein, "wenn uns eine solidarische Finanzierung des Pflegebereichs in Österreich gelingt", ließ Landau wissen. Die Abschaffung des Pflegeregresses könne eine umfassende Reform der Pflege nicht ersetzen, es brauche eine solidarische Finanzierung auf breiter Basis.

Helfen könnte dabei die "langfristige Entlastung der viel teureren stationären Pflege" durch mobile Angebote. Immerhin 56 Prozent der Befragten bei einer aktuellen Kundenbefragung der Caritas der Diözese St. Pölten werden bereits mehr als zwei Jahre von der Caritas betreut und gepflegt. Laut Direktor Zieselsberger gaben 86 Prozent der Befragten an, mit der mobilen Pflege sehr zufrieden zu sein. Bemerkenswerte 99 Prozent hätten den Eindruck, dass die Caritas-Mitarbeiter ihre Kunden gerne pflegt und betreut, 89 Prozent würden sich wieder für die Caritas entscheiden.

Die neue niederösterreichische Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales, Christiane Teschl-Hofmeister, bedankte sich bei den beiden Caritas-Chefs für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Die mobile Pflege - unter Berücksichtigung des tatsächlichen Pflegebedarfs - sei der stationären Pflege in einem Pflegeheim immer vorzuziehen. Die Abschaffung des Pflegeregresses bezeichnete Teschl-Hofmeister als Herausforderung und Chance, gemeinsam neue Pflegemodelle zu entwickeln.
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