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"Echo"-Verleihung an Rapper für deutsche Bischöfe ein Fehler

Erzbischof Schick: "Antisemitismus darf auf keinen Fall und in keinem Bereich wieder hoffähig gemacht werden"
17.04.2018, 10:38 Uhr Deutschland/Musik/Auszeichnung/Kirche/Religion/Judentum/Antisemitismus
Bonn, 17.04.2018 (KAP/KNA) Die Vergabe des deutschen Musikpreises "Echo" an die Rapper Kollegah und Farid Bang sorgt weiter für Diskussionen und negative Reaktionen auch aus der katholischen Kirche: Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, hat die Verleihung an die beiden Musiker, deren Texte als antisemitisch kritisiert werden, als "Fehler" bezeichnet. "Antisemitismus darf auf keinen Fall und in keinem Bereich wieder hoffähig gemacht werden", schrieb er auf Twitter. Der Holocaust müsse immer als Mahnung stehen und dürfe durch nichts verharmlost werden.

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing kritisierte die Verleihung. Bei einem Besuch auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt sagte er am Wochenende, es sei unerträglich, wenn "über die Musik aggressiv zu Antisemitismus und Hass auf Religionen und Kulturen" aufgerufen werde: "In unserem Land sollen alle Menschen frei leben können. Das friedliche Miteinander, die unterschiedlichen Kulturen machen uns reich, nicht arm!" Der Bischof zeigte sich dankbar, dass sich nach der Echo-Preisverleihung ein "Aufstand der Vernünftigen" gegen über Musik transportierte Ideologien formiere.

In einem Liedtext der beiden Rapper heißt es: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen." Trotz Kritik im Vorfeld erhielten sie am vergangenen Donnerstag in Berlin einen "Echo" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National. Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, kündigte am Montagabend seinen Rückzug aus dem Beirat des Musikpreises an. Zuvor gab das im vergangenen Jahr mit dem "Echo"-Klassik-Nachwuchspreis ausgezeichnete Notos Quartett aus Protest seinen Preis zurück. Auch der Musiker und Grafiker Klaus Voormann retournierte den gerade erhaltenen "Echo" für sein Lebenswerk.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses kommentierte in der "Bild"-Zeitung: "In Deutschland bekommt man jetzt also einen Preis dafür, dass man Frauen verächtlich macht, Gewalt verherrlicht und sich über Auschwitz-Opfer lustig macht?" Der deutsche Außenminister Heiko Maas twitterte: "Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient, sie sind einfach widerwärtig." Es sei "beschämend", dass ein solcher Preis am jüdischen Holocaustgedenktag verliehen worden sei. Bereits am Freitag hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Entscheidung für den Preis als "Schande" bezeichnet.

Kulturrats-Präsident Höppner äußerte die Überzeugung, dass das Format des "Echo"-Preises "so gesellschaftlich nicht mehr tragbar" sei. Die Musik von Kollegah und Farid Bang sei "nicht meine. Die Texte finde ich widerlich." Er habe die Entscheidung der Jury aber zunächst unter dem Aspekt der Freiheit der Kunst respektiert. Höppner, eines von sieben Beirats-Mitgliedern, sprach von einer "seit Jahren zu beobachtenden Eskalationsspirale an Hass, Rassismus und Gewalt". Der Deutsche Kulturrat hatte sich von der Auszeichnung distanziert, ohne seinen eigenen Präsidenten offen zu kritisieren.

Schon zuvor waren Details aus den Beratungen des "Echo"-eigenen Ethik-Beirates bekannt geworden, der sich im Vorfeld mehrheitlich gegen einen Ausschluss der Rapper ausgesprochen hatte. "Die katholische Vertreterin im Beirat hat sich gegen die Nominierung entschieden, weil bei den Texten die Grenzen der Kunstfreiheit überschritten sind", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp am Wochenende.

Der Medienwissenschaftler Jo Groebel erklärte unterdessen, die umstrittenen Preisträger hätten einen Skandal und eine Schockwirkung einkalkuliert. "Das Problem ist vor allem ein erschreckender Mangel an politischer Bildung und historischem Wissen der Preisträger", sagte er der "Heilbronner Stimme" (Dienstag). Da der "Echo" explizit Verkaufszahlen auszeichne, gebe es offenbar "Hundertausende von Fans, die von der Musik und den Texten angesprochen werden. Da kann man nicht ignorieren."
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