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Serbien: Hardlinerbischöfe bekämpfen Belgrader Kosovo-Kompromiss

Beharren auf Kosovo als Teil Serbiens - "Keinerlei territorialer Austausch zu akzeptieren"
16.05.2018, 14:03 Uhr Serbien/Politik/Konflikte/Orthodoxe/Bischöfe/Vucic/Kosovo
Belgrad, 16.05.2018 (KAP) Serbisch-orthodoxe Bischöfe des Hardlinerflügels haben am Dienstag einen heftigen Angriff auf die Staatsführung in Belgrad ausgeführt. Dabei geht es um eine mögliche größere Öffnung der Regierung in der Kosovo-Frage im Zuge der Erfüllung der EU-Beitrittsbedingungen. Serbiens Präsidenten Aleksander Vucic werfen die Bischöfe "Hochverrat" vor, weil er einen Kompromiss über die Unabhängigkeit des Kosovo anbietet, wie die Zeitung "Danas" am Mittwoch berichtet.

Der emeritierte Bischof von Zahumlje, Atanasije Jevtic, sagte bei einer Veranstaltung an der Belgrader Theologischen Fakultät im Blick auf Vucic, der "kleine Tito", der jetzt für das Land verantwortlich sei, werde "keinen Erfolg" haben. Jeder "Kompromiss" zum Kosovo und seiner Unabhängigkeit von Serbien sei "Hochverrat".

Der Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche für Montenegro, Amfilohije, äußerte sich ebenfalls ablehnend, allerdings nicht in dieser Direktheit. "Die Zeit hat Menschen an die Oberfläche gebracht, die denken, dass sie Führer sind, aber sie wissen nicht, dass das nicht-irdische Reich die einzige Realität dieser Welt ist. Aber die Serben in Kosovo und Metohija haben das verstanden, und deshalb haben sie überlebt."

Serbiens Kirche zeigte sich in der vergangenen Woche insgesamt beunruhigt über die Regierungspolitik gegenüber dem Kosovo. Befürchtet wird, dass Belgrad unter dem Druck der EU und der USA in irgendeiner Form den unabhängigen Status des Kosovo anerkennt. Die überwiegend ethnisch albanische ehemalige serbische Provinz erklärte 2008 ihre Staatlichkeit.

Zwar gilt weiterhin die offizielle Losung, dass Serbien einen unabhängigen Kosovo nie anerkennen werde, doch steigt mit den erzielten Fortschritten bei den EU-Beitrittsverhandlungen der Druck zur Lösung dieses Problems. Brüssel hatte mehrfach klar gemacht, dass keine Länder mit ungelösten Grenzstreitigkeiten aufgenommen würden.

Der regierende Heilige Synod der serbischen Kirche forderte die Belgrader Regierung am 11. Mai auf, sicherzustellen, dass der Kosovo Teil Serbiens bleibt und dass keinerlei territorialer Austausch akzeptiert würde. "Bei Kosovo und Metohija geht es nicht um eine Frage der nationalen Ideologie oder Mythologie und auch nicht des Territoriums, sondern Kosovo stellt das Wesen unseres kirchlichen und nationalen Seins und unserer Existenz dar. Ohne dieser wird unser Volk im Prozess der allgemeinen Globalisierung und Säkularisierung verloren gehen", heißt es in der Erklärung der Kirche.

Einen Tag später äußerte sich Präsident Vucic gegenüber den serbischen Medien zu der Erklärung. "Ich habe sie gesehen, aber ich kann darin keine Lösung für den Kosovo erkennen", erklärte er. Laut der Tageszeitung "Blic" bezeichnete Vucic die Haltung der Kirche zum Kosovo als "völlig unrealistisch". In einem Interview mit der britischen "Financial Times" diese Woche gab Vucic zu, dass er davon "besessen" sei, die Kosovo-Krise zu lösen. Welche Lösung er favorisiere, wollte er jedoch nicht sagen.

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej hatte zu Ostern erklärt, die Kirche sei bereit, "den Kosovo zu verteidigen", fügte jedoch hinzu, dass sich "die führenden Köpfe unseres Landes in dieser Frage ernsthaft und mutig verhalten". Daraufhin erinnerte Metropolit Amfilohije den Patriarchen an dessen frühere Aussage von Oktober 2016, wonach "etwas, das entführt wurde, zurückgegeben werden kann, aber etwas, das geschenkt wurde, niemals weitergegeben werden kann". Dies müsse endlich von den Regierenden akzeptiert werden, die bereit seien, "alles den Kolonialisten zu opfern und die euro-amerikanische Zivilisation zu akzeptieren, die schlimmer ist als der Kommunismus".
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