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Schönborn lobt Familienbonus und fordert humanere Asylpraxis

Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz zum Ende der Herbstvollversammlung am 9. November 2018 in Wien
Vorsitzender der Bischofskonferenz mahnt häufigere Anwendung des humanitären Bleiberechts ein - Rigoros durchgezogenes Gesetz kann auch zu Ungerechtigkeiten führen - Steuerlicher Familienbonus wird vielfältigen Leistungen der Familien für Allgemeinheit gerecht und ist sozial - Welttag der Armen will Bewusstsein schärfen - Warnung vor "Abgleiten in der Sprache"
Bischofskonferenz
09.11.2018, 13:27 Uhr Österreich/Kirche/Politik/Familie/Flüchtlinge/Schönborn
Wien, 09.11.2018 (KAP) Lob für den steuerlichen Familienbonus kommt von den österreichischen Bischöfen. Kardinal Christoph Schönborn wies bei der Pressekonferenz am Freitag in Wien zum Abschluss der Vollversammlung der Bischöfe darauf hin, dass in Österreich nach wie vor Alleinerziehende sowie kinderreiche Familien besonders armutsgefährdet seien. Der mit 1. Jänner 2019 in Kraft tretende Familiensteuerbonus und die damit verbundenen Leistungen für jene, die keine Steuer bezahlen - "oft sind das Alleinerzieherinnen" - seien eine große Hilfe, so Schönborn. Die Bischöfe hätten sich im Vorfeld dafür eingesetzt und "begrüßen ausdrücklich diese Maßnahme der Regierung".

Dass diese Maßnahmen den vielfältigen Leistungen der Familien für die Allgemeinheit gerecht wird und sozial ist, belege auch eine aktuelle WIFO-Studie. So würden durch den Familienbonus hauptsächlich untere und mittlere Einkommen steuerlich entlastet.

Kardinal Schönborn bekräftigte bei der Pressekonferenz auch die Position der Bischöfe hinsichtlich einer Stärkung des humanitären Bleiberechts. Es sei den Bischöfen wohl bewusst, dass Asyl und Integration zwei verschiedene Bereiche seien, "aber es muss sinnnvolle Brücken geben". Ein "rigoros durchgezogenes Gesetz" könne auch zu Ungerechtigkeiten führen; gerade deshalb gebe es ja auch das humanitäre Bleiberecht. Er wisse darum, dass die Anwendung nicht einfach sei, aber er zeigte sich zugleich überzeugt, dass es gut funktionieren könne, so der Kardinal. Im übrigen seien, ganz abgesehen vom humanitären Aspekt, gut integrierte Asylwerber "ja auch ein Gewinn für Österreich", betonte Schönborn.

Wenn sich die Kirche für das Recht auf Asyl einsetzt, dann gehe es dabei um den Kern des jüdisch-christlichen Ethos: "Witwen, Waisen und Fremde sind zu schützen, weil sie besonders verletzlich sind. Sie sind den Härten des Lebens so ausgesetzt wie arme Menschen, deren Schicksal gerne verdrängt wird."

Welttag der Armen

Armen Menschen bewusst Aufmerksamkeit und Würde zu geben, sei das Anliegen des "Welttags der Armen", den Papst Franziskus im vergangenen Jahr eingeführt hat. Er findet weltweit am 18. November statt, und es würden sich dazu auch in Österreich viele Pfarren, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen beteiligen, kündigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz an.

So findet beispielsweise bereits am Samstag, 17. November, um 16 Uhr im Stephansdom eine Andacht und Segensfeier mit Bedürftigen statt, an dem auch Schönborn teilnehmen wird: "Im Anschluss daran sind diese Menschen unsere Gäste und es gibt ein gemeinsames Mahl in der Dompfarre und im Franziskanerkloster. Und am Sonntag werde ich diese Menschen zu einer Gratis-Vorführung des Wim Wenders-Films über Papst Franziskus in einem Kino begleiten." Ein Tag wie dieser könne die vielfältigen Ursachen von Armut nicht beheben aber zumindest mehr Aufmerksamkeit für die Armen bewirken.

Warnung vor "Abgleiten in der Sprache"

Zur Frage, wie er denn die Arbeit der Bundesregierung allgemein beurteilt, wollte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht direkt äußern. Er verwies allerdings darauf, dass er im regelmäßigen Kontakt mit den Regierungsspitzen stehe, "auch zu kontroversen Themen wie beispielsweise der 'Ehe für alle'". Eindrücklich mahnte Schönborn einmal mehr zur Behutsamkeit der Sprache und bekräftigte, dass die Worte "Asyl" oder "Fremder" nicht zu negativ besetzten Begriffen werden dürften. Schönborn: "Jedes Abgleiten in der Sprache verlockt zum Abgleiten in den Taten."

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz kam auch auf die noch bis 24. November zur Unterschrift aufliegende Bürgerinitiative "#fairändern" zu sprechen, die sich für mehr Hilfe für Frauen im Schwangerschaftskonflikt einsetzt. Er unterstütze diese Initiative persönlich, so der Kardinal. (auch in der jüngsten Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" war ein Folder der Initiative beigelegt.)

Verteilungsgerechtigkeit im Fokus

Auch wenn es Österreich wirtschaftlich sehr gut gehe, müsse stets an der Verteilungsgerechtigkeit gearbeitet werden, mahnte Schönborn. In diesem Zusammenhang hob er auch den seiner Meinung nach wie vor wichtigen Auftrag der Sozialpartner hervor. "Der Weg des Miteinander ist der österreichische Erfolgsweg. Dafür werden auch wir uns weiter einsetzen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Im übrigen werde das soziale und religiöse Klima in einem Land wohl viel weniger von den Bischöfen geprägt als vielmehr von "vom Evangelium inspirierten Menschen, die sich dafür in ihrem privaten und beruflichen Leben einsetzen".

Auf Anfrage ließ Kardinal Schönborn durchblicken, dass der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Stephan Peter Zurbriggen, Ende November oder Anfang Dezember sein Wirken in Österreich wohl beenden wird. Schon am Mittwochabend im Anschluss an den Festgottesdienst der Bischöfe in Michaelbeuern hatte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner Vertreter aus Land, Gemeinde und Kirche zu einem Empfang gebeten. Dabei wurde Nuntius Zurbriggen für sein Wirken für die Kirche in Österreich besonders gedankt. Er habe bei Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auch bereits eindringlich darum gebeten, dass es möglichst bald einen Nachfolger geben wird, so Schönborn.
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