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Ökonomin: Care-Arbeit von Frauen zu wenig beachtet

Wirtschafts-Expertin Gubitzer: Mehr Beachtung für unbezahlte Arbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten von Frauen - Wirtschaft ist keine "Männersache" und sollte stärker aus Sicht der Frauen betrachtet werden
12.01.2019, 11:59 Uhr Österreich/Kirche/Wirtschaft/Gesellschaft, Bevölkerung/Katholische.Aktion/Katholische.Frauenbewegung
Wien, 12.01.2019 (KAP) Care-Ökonomie mache sichtbar "was üblicherweise nicht zur Wirtschaft zählt", so die Ökonomin Luise Gubitzer kürzlich bei einem "Wirtschaft geht anders"-Abend in Wien. Betroffen seien unbezahlte Arbeiten im Haushalt oder ehrenamtliche Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeführt werden. Unter dem Anspruch "Das Ganze der Wirtschaft sehen und verstehen" veranstaltete die Katholischen Frauenbewegung Wien (kfb) gemeinsam mit der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien und der Initiative "Christlich geht anders" einen Themenabend mit der Wirtschafts-Expertin sowie mit Traude Novy, langjährige Vorsitzende der kfb Wien. Novy verwies darauf, dass Wirtschaft keine "Männersache" sei und vermehrt "aus Sicht und Lebenswirklichkeit von Frauen" betrachtet werden sollte.

Care-Ökonomie könne ein Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Alltägliches bieten, erklärte Prof. Gubitzer, die bis 2016 Institutsvorständin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien war. Im Mittelpunkt der Wirtschaftstheorie stehe der Mensch mit seiner gesamten Lebensdauer und Arbeit, geschlechtsspezifische Unterschiede und der gemeinsame Wohlstand. Ziel der Care-Ökonomie sei es laut Gubitzer, dass Dienstleistungen und Care-Arbeit von Frauen mehr Beachtung finden.

Bezahlte und unbezahlte Dienstleistungsarbeit werde vor allem von Frauen verrichtet, meinte die Ökonomin, so würden in der EU wie in Österreich über 80 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Dienstleistungsbranchen arbeiten. Hier könne das Modell der Care-Ökonomie dabei helfen "die Bedeutung, die die direkte und die unterstützende Care-Arbeit für das Leben jedes Menschen und für das Zusammenleben haben" hervorzustreichen. Aktuell werde Care-Arbeit jedoch nicht "gemäß dieser Wichtigkeit entlohnt", davon seien "wir weit entfernt worin auch eine der größten Ungerechtigkeiten besteht, die möglichst rasch behoben werden muss", so Gubitzer.

"Barfußökonominnen" werden

Novy verwies auf ein Modell in der Entwicklungszusammenarbeit, bei dem Dorffrauen zu "Barfußärztinnen" ausgebildete werden. Ähnlich dazu könnten Frauen zu "Barfußökonominnen" werden, "die keine Angst vor der Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Themen haben und die die Fragen der Wirtschaft an der Lebenswirklichkeit auch von Frauen andocken".

Wenn auch Wirtschaft nicht explizit eine "Männersache", der "Homo Öconomicus" jedoch ein Mann sei, so sei "Wirtschaft aus der Sicht und Lebenswirklichkeit von Frauen zu betrachten für viele Menschen Neuland", sagte Novy. Die langjährige Vorsitzende der kfb Wien forderte darum alle Frauen und Männer auf, sich "vor allem um das Wissen um Volkswirtschaftliche Zusammenhänge" zu bemühen. Erst so könne man "Rolle als mündige Staatsbürger erfüllen", sagte Novy.
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