Donnerstag 21. März 2019
myKathpress LOGIN

Klimastreiks: Ordensschulen empfehlen Kontakt mit Direktion

Klimastreik - #FridaysForFuture-Demo in Wien am 01.03.2019
Geschäftsführerin Habersack: Freistellungs-Ansuchen der Eltern Vorbedingung für Teilnahme - Katholische Jugend rät zur "Teilnahme nach der Schule"
#FridaysForFuture
14.03.2019, 16:46 Uhr Österreich/Kirche/Schule/Klimaveränderung/Demonstration/Orden
Wien, 14.03.2019 (KAP) Etliche der kirchlichen Schulen in Österreich haben Anerkennung für die am Freitag an vielen Orten stattfindenden Schülerproteste für den Klimaschutz geäußert. Die "#FridaysForFuture"-Demos seien "Zeichen der wachen jungen Geister der Schüler", erklärte Maria Habersack, Geschäftsführerin der "Vereinigung von Ordensschulen Österreich" (VOSÖ), am Donnerstag gegenüber "Kathpress". Wie die kirchliche Schulexpertin zugleich hervorhob, handle es sich bei den Klimastreiks jedoch um privates, nicht aber um schulisches Engagement. Um nicht in Schwierigkeiten zu geraten, müssten die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten daher um Freistellung bei der Schuldirektion ansuchen.

Eines der Kernziele von Bildung sei es laut der Geschäftsführerin des größten privaten Schulerhalter des Landes, "junge Menschen dazu zu befähigen, künftig aktiv die Gesellschaft mitzugestalten". In diesem Sinn sei das Eintreten für das Weltklima "verantwortungsvoll und damit grundsätzlich positiv" zu sehen. Wollten einzelne Schüler an den Klimastreiks teilnehmen, werde ihr Engagement seitens der Ordensschulen ermöglicht, "indem wir ein Ansuchen der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten um Freistellung befürworten", erklärte Habersack die Vorgangsweise der VOSÖ-Schulen, die von rund 8.500 Schülern besucht werden. Auch die Salzburger Initiatorin der #FridaysForFuture-Bewegung besucht eine Ordensschule - und wird auf der VOSÖ-Homepage portraitiert.

Keinen Streikaufruf gibt es von Seiten der Katholischen Jugend Österreich (KJÖ), mit Blick auf die Schulpflicht der Schüler und unklare Konsequenzen beim Fernbleiben vom Unterricht. Schülern empfehle man, am Freitag "erst nach der Schule zur Demonstration zu stoßen", wie Vorsitzende Magdalena Bachleitner (29) gegenüber "Kathpress" erläuterte. Sie selbst - die ehrenamtliche KJÖ-Chefin ist beruflich Lehrerin - werde beim Klimastreik in Wien teilnehmen, da es bei diesem Thema "um unsere Zukunft geht", wie sie betonte. Die katholische Jugendorganisation betreibt aktuell selbst eine Kampagne mit dem Titel "Call for Chance - Junge Stimmen für die Schöpfung", mit Postkarten-Forderungen an Politiker, die im Herbst Umweltministerin Elisabeth Köstinger gesammelt übergeben werden.

Aktive Bewerbung der #FridaysForFuture-Demos findet man hingegen auf der Homepage der Katholischen Jungschar. Die Klimaerhitzung sei "die größte Bedrohung im 21. Jahrhundert", heißt es auf www.jungschar.at. Ähnlich positiv die Resonanz bei der übergeordneten Katholischen Aktion (KAÖ). Als Kirche und als Christen könne man "nur dankbar sein, wenn Kinder und Jugendliche sich für den Klimaschutz und die Zukunft unseres Planeten stark machen", sie hätten "den Ernst der Lage offenbar besser verstanden als viele Erwachsene", hieß es im Vorfeld von Leopold Wimmer. Der KAÖ-Präsident forderte die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft auf, "die Maßnahmen und Ziele, zu denen sie sich in den Klimaabkommen verpflichtet haben, entschieden umzusetzen".

Selbst Kardinal Christoph Schönborn hatte im Februar in einem Kommentar der Tageszeitung "Heute" die Initiatorin der Klimastreiks, die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, als "Vorbild für unzählige Schüler und Jugendliche auf der ganzen Welt" gewürdigt. Die "neue Generation" demonstriere gegen Klimazerstörung und wolle die Welt verbessern, "mit ehrlicher Überzeugung und durchaus verständlicher Wut", sei doch der Klimawandel nicht mehr zu leugnen, meinte der Wiener Erzbischof.

Prominente Unterstützung erhalten die Schüler-Demonstration auch von der Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Bei einer Veranstaltung der Theologischen Kurse Wien am Donnerstag nannte sie die Demos einen "wichtigen Schritt". Das Anliegen der Jugendlichen brauche aber mehr Unterstützung, meinte die emeritierte Professorin für Meteorologie. Die Kritik an den Demonstrationen der Jugendlichen bezeichnete Kromp-Kolb als berechtigt, "weil sie es tun müssen, weil wir es nicht geschafft haben."

Galionsfigur aus Schweden

Greta Thunberg, Galionsfigur der #FridaysForFuture-Protestbewegung, wurde durch ihren Auftritt beim UN-Klimagipfel in Kattowice im Dezember 2018 weltbekannt. Begonnen hatte die heute 16-Jährige mit Asperger-Syndrom ihren Einsatz im August 2018, als sie sich zu Schulbeginn mit einem Schild mit der Aufschrift "Schulstreik für das Klima" vor dem Reichstag in Stockholm setzte. Im Februar forderte sie vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, die EU müsse den CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 80 Prozent senken.

Die Organisatoren des Schülerstreiks fordern einen entschiedenen Einsatz gegen den Klimawandel. Auf ihrer Homepage fridaysforfuture.at beschreiben sich die Jugendlichen als "Schüler und Schülerinnen, Lehrlinge, Studierende und (junge) Menschen aus verschiedenen Teilen Österreichs, die nicht mehr zusehen wollen, wie ihre Zukunft verspielt wird." Gefordert werden u.a. ein entschlossenes Handeln gegen die Klimakatastrophe und eine mutige Klimapolitik in Übereinstimmung mit dem 1,5 Grad-Ziel.

In Wien werden sich die Schüler am Freitag zwischen zehn und elf Uhr an fünf Punkten treffen und von dort aus sternförmig zum Heldenplatz marschieren, wo zu Mittag eine Kundgebung abgehalten werden soll. Danach werden die Demonstraten über die Ringstraße beim Bundeskanzleramt und an vier Ministerien vorbeiziehen. Größere Demonstrationen sollen tagsüber auch in Linz, Innsbruck, Klagenfurt und bei einem abendlichen Lichtermeer in der Grazer Innenstadt stattfinden. Insgesamt rechnen die jugendlichen Veranstalter des Höhepunkts der #FridaysForFuture-Bewegung am Freitag mit weltweit mehr als 1.000 Einzelinitiativen in 100 Ländern.
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • Kardinal Schönborn zur Frage, was Missbrauch begünstigt

    18.03.2019, 16:42 Uhr
    Der Vorsitzende der Bischofskonferenz zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung am 18....

    Elbs: "Wir haben den ersten Schritt auf dem Weg eines Heilungs- und Versöhnungsprozesses gesetzt"

    15.03.2019, 15:33 Uhr
    Bischof Benno Elbs aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...

    Beiglböck: "Es gibt keine wirtschaftliche Gefährdung des Bistums"

    15.03.2019, 15:29 Uhr
    Herbert Beiglböck aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...

    Lagger: "Sind unserem Versprechen zur Einsichtnahme und Möglichkeit zur Stellungnahme treu geblieben"

    15.03.2019, 15:24 Uhr
    Christian Lagger aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...
Die neue Kathpress-APP ist da!

Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2019 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung:
https://www.kathpress.at/