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USA: Kirche begrüßt Aussetzung der Todesstrafe in Kalifornien

Elektrischer Stuhl
Kaliforniens Gouverneur verfügt Maßnahme aufgrund von "moralischen, ethischen und religiösen Gründen" - Bischöfe fordern permanente Gesetzeslösung
14.03.2019, 17:12 Uhr USA/Strafvollzug/Kriminalität/Justiz/Todesstrafe/Kirche
Washington, 14.03.2019 (KAP) Der US-Bundesstaat Kalifornien hat die Aussetzung der Todesstrafe beschlossen. Ein entsprechendes Dekret hat Kaliforniens Gouverneur, Gavin Newsom, am Mittwoch unterschrieben. Er sei aus "moralischen, ethischen und religiösen Gründen" schon lange ein Gegner von Hinrichtungen, erklärte Newsom. Die katholischen Bischöfe Kaliforniens sprachen von einem "guten Tag" und forderten Newsom und die Gesetzgeber auf "eine permanente Gesetzeslösung zu finden, die die Todesstrafe in unserem Bundesstaat für immer beendet".

Auch ohne Todesstrafe habe Kaliforniens Regierung genügend Möglichkeiten, "die öffentliche Sicherheit zu verteidigen", erklärte der Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone, in dessen Diözese das Hochsicherheitsgefängnis von San Quentin liegt. Die Bischöfe forderten im Anschluss an das Dekret einen intensiven Dialog in der Zivilgesellschaft, um "Alternativen zu suchen". Die Todesstrafe sei keine Hilfe für die Opfer von Gewalttaten, so die Bischöfe.

Erzbischof Jose Gomez von Los Angeles hob in seiner Stellungnahme auch die ungleiche Anwendung der Todesstrafe hervor. "Leider werden in unserer Gesellschaft Exekutionen häufiger bei Afroamerikanern, Hispanics und den Armen vollstreckt", erklärte Gomez. Der wichtigste Grund, die Todesstrafe zu beenden, sei ein moralischer. "Jedes Menschenleben ist wertvoll und heilig in den Augen von Gott, und jede Person hat eine Würde, die von Gott kommt", meinte der Geistliche.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio beglückwünschte Gouverneur Newsom und würdigte ihn für den "großen politischen Mut und Führungsqualitäten". Gleichzeitig wies die christliche Friedensbewegung drauf hin, dass seit 1978 in Kalifornien 11 Menschen hingerichtet worden sein, 79 Häftlinge auf natürliche Weise gestorben seien und 26 durch Selbstmord. Diese Häftlinge hätten keine Möglichkeit mehr gehabt, Appelle einzureichen, so die Gemeinschaft, die sich weltweit gegen die Todesstrafe einsetzt.

Das Dekret des im November gewählten demokratischen Gouverneurs Newsom beendet zwar die Todesstrafe in Kalifornien noch nicht, der Bundesstaat setzt sich damit aber an die Spitze jener Staaten, die ihre Position überdenken. Die Maßnahmen sehen vor, dass bis auf weiteres die Vollstreckung der Todesstrafe für die 737 Delinquenten gestoppt wird. Der Todestrakt im Hochsicherheitsgefängnis von San Quentin soll geschlossen und die kalifornischen Vorgaben für die Giftinjektion abgeschafft werden. Der Gouverneur machte bereits klar, dass er mittelfristig auf eine Abschaffung der Todesstrafe hinarbeite. Vor drei Jahren hatten die Demokraten schon einmal versucht die Todesstrafe per Referendum abzuschaffen, waren dabei aber gescheitert.

In der Neufassung des katholischen Katechismus wird die Todesstrafe als "unzulässig" bezeichnet. Die Version davor bezeichnete sie noch als "nicht mehr notwendig".
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