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Missbrauch: Tück schlägt interdisziplinäre Kommissionen vor

Theologie
Wiener Dogmatiker in NZZ: Problem des Klerikalismus kann nicht durch Kleriker allein gelöst werden - Durch Einbindung von Laien "Attitüden priesterlicher Selbstherrlichkeit im Ansatz ersticken"
15.03.2019, 11:42 Uhr Österreich/Vatikan/Missbrauch/Kirche/Tück
Zürich, 15.03.2019 (KAP) Der Klerikalismus und das kirchliche Machtgefälle zwischen Klerikern und Laien als Missbrauch begünstigende Phänomene müssen strukturell entschärft werden: "Interdisziplinär zusammengesetzte Kommissionen sollten die Fälle nicht nur theologisch, sondern psychologisch, medizinisch und juristisch aufarbeiten", schlug der in Wien lehrende Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück am Freitag in einem Kommentar für die "Neue Zürcher Zeitung" vor.

Im Zuge der derzeitigen Missbrauchskrise, die "noch lange nicht behoben" sei, soll laut dem Theologen der Umstand genützt werden, dass bereits das Zweite Vatikanische Konzil die Rolle der Laien in der Kirche aufgewertet habe. "Da das Problem des Klerikalismus nicht durch Kleriker allein gelöst werden kann, ist es wichtig, Laien, Frauen und Männer, stärker in die kirchliche Arbeit zu integrieren", betonte Tück. Nur so könnten "asymmetrische Kommunikationsformen" abgebaut und "Attitüden priesterlicher Selbstherrlichkeit im Ansatz erstickt" werden.

In Bezug auf Missbrauchsfälle kritisierte Tück auch die "päpstlichen Therapievorschläge", die Franziskus am Ende der Bischofsversammlung zu diesem Thema im Februar im Vatikan gemacht hatte. Zwar biete der Papst ein Maßnahmenpaket an mit Aspekten wie Opferschutz statt Täterschutz, Ende der Vertuschung, kanonische und wenn möglich zivile Prozesse für Missbrauchstäter, Verbesserung der Priesterausbildung oder Prävention. "Das geht in die richtige Richtung, aber man vermisst konkrete Entscheidungen, welche die systemischen Schwächen der Kirche angehen", bemängelte der Dogmatiker.

"Flächendeckende Vertuschung"

Zu diesen Systemschwächen gehöre die "flächendeckende Vertuschung". Im Sinne der öffentlichen Schadensbegrenzung hätten Bischöfe jahrzehntelang klerikale Missbrauchstäter auf andere Stellen versetzt. Diese "Verschiebetaktik" habe dazu geführt, "dass die Akteure oft ungestört weiter ihr Unwesen treiben konnten, da man die neuen Vorgesetzten nur unzureichend informierte".

Eine wirksame Kontrollinstanz für solche Fehlentscheidungen von Bischöfen gebe es bis heute nicht, wies Tück hin. Da beim Bischof in einer Ortskirche alle Befugnisse zusammenlaufen, habe sich auch kein Bischof in die Agenden seiner Amtskollegen eingemischt. "Und noch immer ist es vom Heiligen Stuhl her nicht vorgesehen, dass Bischöfe von Nicht-Bischöfen befragt werden", schrieb der Theologe. Das seien "Relikte einer hierarchischen Standestheologie, die es zu überwinden gilt".

Die Kirche als Ganzes habe beim Thema Missbrauch "zu lange weggeschaut und steht nun mit am Pranger". Ohne juristische Aufarbeitung der Taten und ohne persönliche Übernahme der Schuld durch die Täter kann es nach der Überzeugung Tücks keinen Neuanfang geben. "Dafür haben der Papst und die Bischöfe nun mit aller Entschiedenheit zu sorgen."
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