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Deutsche Caritas sieht vorgeburtliche Trisomie-21-Tests kritisch

Präsident Neher warnt vor einer Gesellschaft, in der ein behindertes Kind als Schaden empfunden wird
15.03.2019, 12:20 Uhr Deutschland/Kirche/Politik/Medizin & Gesundheit/Behinderte/Ethik
Berlin, 15.03.2019 (KAP/KNA) Der deutsche Caritas-Präsident Peter Neher hat vor fatalen Folgen vorgeburtlicher Bluttest zur Erkennung von Trisomie 21 (Down-Syndrom) als Kassenleistung gewarnt. Damit würde der Gedanke befördert, "dass das Down-Syndrom grundsätzlich ausgeschlossen werden könnte", sagte er im Interview der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. Behinderte würden zum "Betriebsunfall des Lebens" erklärt.

Neher warnte vor einer Gesellschaft, in der ein behindertes Kind als Schaden empfunden wird und die menschliches Leben danach einteile, ob es vermeintlich lebenswert sei oder nicht. Menschen mit Down-Syndrom müsste sich dann noch stärker als heute rechtfertigen, dass es sie überhaupt gibt.

Hintergrund sind Diskussionen über eine Freigabe des sogenannten nichtinvasiven pränatalen Tests (NIPT) als Kassenleistung in Deutschland. Der Test dient unter anderem zur Bestimmung von Trisomie 21. Kritiker befürchten leichtfertigere Entscheidungen gegen das Kind. Die beiden großen Kirchen sind sich bei ihrer Haltung dazu uneins: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, vorgeburtliche Bluttests sollten in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Zugleich müsse aber eine ethische Beratung eingeführt werden. Dagegen bleibt die katholische Kirche bei einem klaren Nein.

Caritas-Präsident Neher verwies auf Zahlen aus Dänemark, wo seit 2005 allen Schwangeren Risikoabschätzungen auf das Down-Syndrom angeboten würden. Seither habe sich Zahl von Kindern mit Trisomie 21 halbiert. Mit den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik kämen zudem noch ganz andere Gendefekte wie Parkinson und Anfälligkeiten für Krebs. "Die Möglichkeit, Babys bei Erkrankungen auszusortieren, würde sich also verstärken", so Neher.

Medizinischer Fortschritt lasse sich aber nicht verbieten, gestand Neher ein. Die Debatte sei nun einmal da. Deshalb sei es wichtig, christliche Werte einzubringen. Nach dem christlichen Menschenbild aber hänge der Wert eines Menschen nicht von dessen körperlichen und geistigen Fähigkeiten ab. Vielmehr habe jeder Mensch grundsätzlich seine Würde und seinen Wert.

Bei von Down-Syndrom Betroffenen ist das Chromosom 21 dreifach vorhanden und nicht wie üblich doppelt. Sie haben also in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen, nämlich 47 statt 46. Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, sondern eine genetisch bedingte, nicht veränderbare Veranlagung.
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