Donnerstag 21. März 2019
myKathpress LOGIN

49 Tote bei Anschlag auf Moscheen: Papst betet für Opfer

Kerzen in Lourdes
Terroristen eröffneten Feuer auf Muslime, die in Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch zum Freitagsgebet versammelt waren
Terror
15.03.2019, 12:49 Uhr Neuseeland/Terroranschlag/Moschee/Reaktionen/Kirche
Wellington, 15.03.2019 (KAP) Papst Franziskus hat den verheerenden Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch als "sinnlose Gewaltakte" verurteilt. Er bete für die Verletzten und Hinterbliebenen und empfehle die Verstorbenen der "liebenden Gnade Gottes" an, hieß es in einem am Freitag vom Vatikan veröffentlichten Schreiben. Franziskus versichere alle Neuseeländer und "besonders die muslimische Gemeinde" seiner Solidarität und bitte um Trost und Kraft für die ganze Nation, schrieb der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Namen des Papstes.

Auch die katholischen Bischöfe in Neuseeland brachten geschlossen ihr Entsetzen über die Tat zum Ausdruck. "Wir beten für Sie, während wir die schrecklichen Nachrichten von der Gewalt gegen Muslime hören", wandten sich Kardinal John Dew, Christchurchs Bischof Paul Martin und der Bischofskonferenz-Vorsitzende Patrick Dunn in einer ersten, mit "Peace, Salaam" unterzeichneten Reaktion an die Muslime in Neuseeland. "Seien Sie sich angesichts dieser Gewalt unserer Solidarität bewusst."

Die Bischöfe drückten ihr großes Mitgefühl für die Opfer und die Hinterbliebenen aus. Sie seien "entsetzt" über den Anschlag, umso mehr als er in einer Moschee und während der Gebetszeit verübt wurde. "Unsere Verzweiflung lässt sich nicht in Worte fassen", betonte Bischof Martin in einem weiteren, eigenen Statement.

Bei den bewaffneten Angriffen wurden nach Behördenangaben mindestens 49 Menschen getötet. Zahlreiche weitere werden mit Schussverletzungen in Krankenhäusern betreut. Viele Opfer sind noch in kritischem Zustand. Die Polizei nahm vier Verdächtige fest, darunter eine Frau. An Autos fanden die Sicherheitskräfte auch mehrere Sprengsätze, die entschärft wurden.

Örtlichen Medienberichten zufolge hatte ein Mann zunächst gegen 13.45 Uhr neuseeländischer Zeit (1.45 Uhr MEZ) in der Al-Noor-Moschee im Stadtzentrum um sich geschossen, wo hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt waren. Der Mann sei mit einer automatischen Waffe "hereingekommen und habe auf jeden in der Moschee geschossen", sagte ein Augenzeuge. Später fielen auch in einer Moschee im Vorort Linwood Schüsse. Allein der Al-Noor-Moschee sollen mehr als 40 Menschen ermordet worden sein.

Bei dem Täter in der Al-Noor-Moschee soll es sich um einen rechtsextremen Australier handeln. Australiens Regierungschef Scott Morrison bestätigte, dass einer der mutmaßlichen Täter ein in Australien geborenen Staatsbürger seines Landes sei. "Der Täter war ein rechtsextremistischer Terrorist", sagte Morrison.

Weltweite Bestürzung

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach angesichts der Moschee-Anschläge von einer der "dunkelsten Stunden" für ihr Heimatland. "In Neuseeland gibt es keinen Platz für extreme Gewalt. So sind wir nicht", sagte sie.

Neben Papst Franziskus reagierten weltweit Vertreter aus Politik und Religion mit Bestürzung auf die Attacke. "Dieses schreckliche Verbrechen an Frauen, Männern und Kindern zum Zeitpunkt ihrer Gebete ist ein Angriff auf alle Gläubigen und ein Angriff auf die Bande der gemeinsamen Menschlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens, die uns alle vereinen", erklärte Weltkirchenrat-Generalsekretär Olav Fykse Tveit in Genf. Der weltweite Ökumenische Rat der Kirchen stehe in Solidarität mit den Muslimen und "verurteilt diese Taten sowie die hasserfüllten und gefährlichen Ideologien, die dahinter stehen, aufs Schärfste".

Auf politischer Seite sprach US-Präsident Donald Trump von einem "schrecklichen Massaker", bei dem unschuldige Menschen "sinnlos" getötet worden seien. Die USA stünden in dieser schwierigen Stunde an der Seite Neuseelands. "Gott segne alle!", so Trump via Twitter.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte in einer Botschaft an Neuseeland: "Die EU trauert heute mit Ihnen und wird immer an Ihrer Seite stehen im Kampf gegen jene, die unsere Gesellschaften und unsere Lebensweise auf derart abscheuliche Weise zerstören wollen."

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schrieb Premierministerin Ardern, es handle sich um einen "perfiden Angriff auf Betende und ihre Gotteshäuser". Merkel weiter: "Der gegen muslimische Mitbürger gerichtete Anschlag ist auch ein Angriff auf die neuseeländische Demokratie und die offene und tolerante Gesellschaft." Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dessen Land mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden war, wandte sich "gegen jede Form von Extremismus".

Der russische Präsident Wladimir Putin hob hervor, er hoffe, "dass die Verantwortlichen hart bestraft werden". Er betonte: "Ein Angriff auf friedlich zum Gebet versammelte Menschen ist in seiner Grausamkeit und seinem Zynismus schockierend."
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • Kardinal Schönborn zur Frage, was Missbrauch begünstigt

    18.03.2019, 16:42 Uhr
    Der Vorsitzende der Bischofskonferenz zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung am 18....

    Elbs: "Wir haben den ersten Schritt auf dem Weg eines Heilungs- und Versöhnungsprozesses gesetzt"

    15.03.2019, 15:33 Uhr
    Bischof Benno Elbs aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...

    Beiglböck: "Es gibt keine wirtschaftliche Gefährdung des Bistums"

    15.03.2019, 15:29 Uhr
    Herbert Beiglböck aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...

    Lagger: "Sind unserem Versprechen zur Einsichtnahme und Möglichkeit zur Stellungnahme treu geblieben"

    15.03.2019, 15:24 Uhr
    Christian Lagger aus dem Visitationsteam von Erzbischof Lackner bei einer...
Die neue Kathpress-APP ist da!

Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2019 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung:
https://www.kathpress.at/