Monday 16. September 2019
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Papst im Flugzeug: Klimawandel bereitet mir Angst

Papst Franziskus während der 'fliegenden Pressekonferenz' auf dem Flug von Bangui nach Rom am 30. November 2015.
Lob für junge Beteiligte der Klimaproteste - Franziskus äußert auch Sorge um steigende Fremdenfeindlichkeit und "demografischen Winter" in Europa
Papstreise
10.09.2019, 22:30 Uhr Italien/Mauritius/Papst/Umwelt/Kirche/Konflikte/Friedensprozess/Rassismus
Rom, 10.09.2019 (KAP) Papst Franziskus hat sich sehr betroffen gezeigt über das rasche Abschmelzen von Gletschern und des Polareises. Beim Bild einer eisfreien Schiffsroute über den Nordpol habe er "Angst verspürt", sagte er auf dem Rückweg seiner Afrika-Reise am Dienstag vor mitreisenden Journalisten. "Tun die Regierenden wirklich alles? Die einen mehr, die anderen weniger", stellte der Papst in Abrede. Ein Trost für ihn sei, dass es die Jugendlichen seien, die diesen "Kampf" gegen den Klimawandel vorantrieben. "Sie haben das klare Bewusstsein: Es ist unsere Zukunft", so der Papst.

Franziskus stellte sich hinter die Verteidigung der Umwelt und der Biodiversität. Dies sei "unser Leben". Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sei ein erster Schritt nach vorn gewesen, gefolgt von der Klimakonferenz von Kattowitz Ende 2018. Diese Treffen hätten geholfen, "Bewusstsein zu schaffen". Auch die Kirche stellt sich dem Phänomen: Im Oktober findet im Vatikan eine internationale Bischofssynode zum Amazonasgebiet statt, die sich auch mit Umweltfragen befassen wird.

Ausdrücklich äußerte der Papst auch Sorge über die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, über Abholzung und Zerstörung der Artenvielfalt. Die großen bewaldeten Naturräume in Südamerika und Zentralafrika seien die "großen Lungen" der Welt. Während seiner knapp einwöchigen Reise nach Mosambik, Madagaskar und Mauritius hatte Franziskus mehrfach den Schutz natürlicher Ressourcen angemahnt.

Xenophobie eine "Krankheit"

Auch wenn die 31. Auslandsreise des Papstes Afrika und zwei Inseln im Indischen Ozean gegolten hatte, richtete er vor den Journalisten mahnende Worte an Europa. Die Fremdenfeindlichkeit bezeichnete er als eine "Krankheit des Menschen", die ihn dazu bringe, Mauern hochzuziehen, die ihn schließlich selbst einschlössen. Die Fremdenfeindlichkeit käme oft auf der Welle des politischen Populismus umher, was ihm Sorge bereite.

Angesichts der Reden mancher scheine es ihm, als ob in Europa das Gedankengut des Nationalsozialismus wieder aufkomme, sagte Franziskus. "Oft reitet die Fremdenfeindlichkeit auf der Welle des politischen Populismus. Ich habe vor kurzem gesagt, dass ich hin und wieder an einigen Orten Reden höre, die an die Reden Hitlers von 1934 erinnern. Als ob es in Europa den Gedanken gäbe, [in diese Zeiten] zurückzukehren."

Europa sei durch Wohlstand und Ruhe gealtert und lebe nun in einem demografischen Winter, sagte der Papst. Im Vergleich dazu sei Afrika "voller Leben". "Ich habe in Afrika eine Geste gesehen, die ich schon von den Philippinen und aus Kolumbien kannte: Die Menschen heben ihre Kinder hoch, als ob sie sagen wollten, dass das ihr Schatz sei, ihr Sieg, ihr Stolz. Das Kind ist der Schatz der Armen - und der Schatz eines Landes."

Friedensprozesse stärken

Jedoch auch in Afrika sehe er Probleme, wie etwa das Stammesdenken. Bildung und Begegnung zwischen verschiedenen Stämmen sei nötig, um eine Nation zu bilden, so sein Eindruck. Die "Tragödie" von Ruanda vor 25 Jahren sei ein Beispiel für die schlimmen Auswirkung dieses Stammesdenkens, weshalb die Völker diesem unbedingt abschwören müssten. Auch gegen Feindseligkeiten zwischen einzelnen Ländern und innerhalb der Länder gelte es anzukämpfen.

Ausdrücklich würdigte der Papst dann den Beitrag der römischen Basisgemeinschaft Sant'Egidio zum Friedensprozess in Mosambik, dem ersten der von ihm auf dieser Reise besuchten Länder. Der Friede sei "ein Triumph", und Kriege lösten niemals etwas, sie machten nur "diejenigen zu Gewinnern, die nicht den Frieden der Menschen wollen". Weil der Frieden im Land derzeit gefährdet wirke, sei es ihm wichtig gewesen, trotz des einsetzenden Wahlkampfs nach Mosambik zu reisen: "Das Wichtige war, diesem Prozess zu helfen und ihn zu stärken. Wir sollten uns ein bisschen vom Wahlkampf lösen."

Mit Verve warb Franziskus außerdem für den interreligiösen Dialog. Es habe ihn berührt, dass der Groß-Imam von Mauritius einen "wunderschönen Blumenstrauß" in das Bischofshaus von Port-Louis geschickt habe. Menschliche Geschwisterlichkeit sei darin zum Ausdruck gekommen, und es handle sich dabei um Teil der "Basis": Ebenso müssten die Gesellschaften "um des Friedens willen" Geschwisterlichkeit, Zusammenleben und den Verzicht auf Glaubensabwerbung lernen.
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