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Tschechische Nationalwallfahrt nach Rom im Zeichen der Wende 1989

Prag
Wallfahrt kommende Woche im Gedenken an Heiligsprechung der seligen Agnes von Böhmen am 12. November 1989 - 10.000 Tschechen und Slowaken durften vor 30 Jahren wenige Tage vor Beginn der "Samtenen Revolution" und des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes nach Rom reisen
09.11.2019, 14:08 Uhr Tschechien/Kirche/Politik/Wallfahrt
Prag-Rom, 09.11.2019 (KAP) Die katholische Kirche in der Tschechischen Republik gedenkt in den nächsten Tagen mit einer Nationalwallfahrt nach Rom der Heiligsprechung der seligen Agnes von Böhmen (1211-1282) vor 30 Jahren. Die Kanonisierung durch Papst Johannes Paul II., zu der tausende Gläubige 1989 aus der bis dahin streng abgeriegelten Tschechoslowakei in die Ewige Stadt ausreisen durften, gilt als unmittelbares Vorspiel des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes, der am 17. November mit einer Demonstration in Prag in Gang kommen sollte.

Die Wallfahrt beginnt am Montag, 11. November, mit einem Gebet der böhmischen und mährischen Bischöfe am Grab des heuer vor 1150 Jahren verstorbenen Slawenapostels Cyrill in der römischen Klemensbasilika sowie der festlichen Eröffnung der Wallfahrt in der Basilika Santa Maria Maggiore.

Am Dienstag, 12. November, dem Jahrestag der Heiligsprechung, findet der Hauptgottesdienst der Wallfahrt im Petersdom statt. An ihn schließen ein Gebet für die Heimat am Altar des heiligen Wenzel sowie gruppenweise Gebete in den Katakomben an - an der Statue der heiligen Agnes, am Petrusgrab sowie an der langjährigen Grabstelle des im Vorjahr nach Prag überführten Kardinals Josef Beran (1888-1969). Am Abend steht ein repräsentatives Konzert der Prager Burgwache und Polizei sowie mehrerer Chöre unter dem Titel "Tschechischer Himmel" in der Lateranbasilika auf dem Programm.

In der römischen Titularkirche des amtierenden Prager Erzbischofs und Primas von Böhmen, Kardinal Dominik Duka, San Marcellino e Pietro, können die Pilgerinnen und Pilger eine Ausstellung über Leben und Werk der Franziskaner-Schulschwester Eliska Pretschnerova (1911-1993) besuchen, für die Dominik Duka als Bischof von Königgrätz (Hradec Kralove) im Jahr 2001 den Seligsprechungsprozess auf diözesaner Ebene eingeleitet hat.

Im Mittelpunkt des Programms am Mittwoch, 13. November, steht die Teilnahme an der Generalaudienz auf dem Petersplatz, bei der Papst Franziskus das Ergebnis einer landesweiten Sammlung der "Krone der heiligen Agnes von Böhmen" für Arme und Bedürftige überreicht wird. Den Abschluss der Wallfahrt bildet ein Gottesdienst in der Lateranbasilika.

Nach der Rückkehr aus Rom sind die Gläubigen am Samstag, 16. November, am Vorabend des heuer in besonderer Weise begangenen Staatsfeiertags, zu einem Gottesdienst in den Prager Veitsdom geladen, den Kardinal Stanislaw Dziwisz, der emeritierte Erzbischof von Krakau und langjährige Sekretär von Papst Johannes Paul II., zelebrieren wird.

Mit 300 Autobussen nach Rom

Frantisek Reichel, einer der Organisatoren der Wallfahrt von rund 10.000 Tschechen und Slowaken zur Heiligsprechung der heiligen Agnes von Böhmen kurz vor Ausbruch der "Samtenen Revolution" 1989, hat in der aktuellen Nummer der tschechischen Kirchenzeitung "Katolicky tydenik" an das Zustandekommen der Wallfahrt erinnert. Diese habe eigentlich schon im Jahr 1988 begonnen, als die von Michail Gorbatschow geführte Sowjetunion das Jubiläum der Christianisierung Russlands vor 1.000 Jahren feiern ließ.

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei habe die Spitzenvertreter der Orthodoxen Kirche zu sich eingeladen und in den Medien sei darüber berichtet worden. Die Sowjetunion sei solcherart "zum Vorbild für unsere Kommunisten auch bei der Lockerung der Verhältnisse geworden", so der christdemokratische Politiker, der im Dezember 1989 Minister und im Jahr darauf kurzfristig stellvertretender Ministerpräsident in der Übergangsregierung Marian Calfas werden sollte.

Zu Frühlingsbeginn 1989 habe der damalige Prager Erzbischof Kardinal Frantisek Tomasek (1899-1992) "eine Gruppe aktiver Laien", der Reichel angehörte, darüber informiert, es sei "die Angelegenheit der Kanonisierung so weit vorangeschritten, dass sie noch in diesem Jahr stattfinden kann". Tomasek habe ihnen "versprochen, sich mit Präsident Husak zu verabreden, damit die Heiligsprechung im Strahover Stadion stattfinden kann", und hinzugefügt, "dass dies wahrscheinlich nicht möglich sein wird, sich aber darum zu kümmern, dass unsere Leute nach Rom ausreisen dürfen". Sobald das Datum der Heiligsprechung bekannt geworden sei, habe eine erste Pilgergruppe den Kardinal um Instruktionen gebeten, wie sie nach Rom reisen könnten, und sie hätten postwendend die Antwort erhalten: "Die Schwestern nehmen einen Autobus. Also nehmen Sie einen zweiten." Aus den zwei Autobussen seien im Laufe hektischer Monate schließlich beinahe 300 geworden.
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