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Zölibat-Buch: Tück für "ruhigen Blick" und gegen Alarmismus

Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien
Wiener Dogmatiker gegen "alarmistische Stimmen", die eine Kirchenspaltung "herbeireden" - Entscheidung über weiteren Weg der Kirche "liegt bei Franziskus, dem amtierenden Papst"
14.01.2020, 13:31 Uhr Österreich/Vatikan/Kirche/Zölibat/Päpste/Theologie/Tück
Wien, 14.01.2020 (KAP) In der Debatte um ein neues Buch von Kurienkardinal Robert Sarah mit einem Beitrag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. über Priestertum und Zölibat wendet sich der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück gegen "alarmistische Stimmen", die eine Kirchenspaltung "herbeireden". Kirchenrechtlich sei daran zu erinnern, "dass die Äußerung von Benedikt XVI. Ausdruck seiner persönlichen Sorge um die Kirche ist", hielt Tück am Dienstag in einer Kathpress vorliegenden Stellungnahme fest. "Als solche mag sie symbolisch Gewicht haben, aber rechtlich hat sie als Stellungnahme des emeritierten Bischofs von Rom keinerlei Gewicht." Die Entscheidung über den weiteren Weg der Kirche "liegt bei Franziskus, dem amtierenden Papst", fügte Tück hinzu.

"Anstatt das Gespenst der Kirchenspaltung an die Wand zu malen und einen gezielten Affront gegen Franziskus zu wittern", lohne bei dem Thema ein "ruhiger Blick". Die Amazonien-Synode habe empfohlen, in Grenzregionen Ausnahmen vom Pflichtzölibat zuzulassen, erinnerte Tück. Es sei jedoch nicht so klar, wie Franziskus in der Frage des Zölibats insgesamt denke, verwies der Theologe auf mehrfache Äußerungen des Papstes, wonach es einen "optionalen Zölibat" mit ihm nicht geben werde. U.a. hatte Franziskus noch im vergangenen Jahr bei einer "Fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückflug aus Panama an den Satz Papst Pauls VI. erinnert "Ich geben lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern." - Franziskus bezeichnete dies als "mutigen Satz", zugleich fügte er dem damals hinzu: "Nur für die entlegensten Orte bliebe manche Möglichkeit".

So Papst Franziskus wolle, könne er also "getrost mit dem jungen Joseph Ratzinger über den betagten Benedikt XVI. hinausgehen" und eine Lockerung des Pflichtzölibats in Regionen der Kirche anordnen, hielt Tück fest. Nachsatz des Wiener Theologen: "Zu wünschen wäre es."

Tück spielte damit auf den aus dem Jahr 1970 stammenden Text "Glaube und Zukunft" Joseph Ratzingers an, in dem der damalige Theologieprofessor selbst für eine Lockerung des Zölibats votiert und "neue Formen des Amtes" in Aussicht gestellt hatte. Wörtlich heißt es in dem Text: "Sie [die Kirche der Zukunft, Anm.] wird auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen: In vielen kleineren Gemeinden bzw. in zusammengehörigen sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein." Schon wenig später habe sich Joseph Ratzinger in dieser Frage anders positioniert, so Tück weiter. "Das ist ihm zuzugestehen, jeder kann seine Meinung ändern."

Dass Benedikt XVI. für das aktuelle Buch nun jedoch "ausgerechnet mit Kardinal Sarah zusammen ein Autoren-Tandem bildet" sei "kommunikationspragmatisch bedenklich". Der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation habe sich bereits im Vorfeld der Amazonien-Synode mit scharfen Einlassungen, zu Wort gemeldet, erinnerte der Theologe an Aussagen Sarahs, wonach etwa die Zulassung von viri probati eine "Ungeheuerlichkeit", die Auflösung des Pflichtzölibats "Traditionsbruch" wäre. Tück: "Das sind gewiss auch ökumenisch höchst unsensible Äußerungen, die wenig Wertschätzung für das Engagement verheirateter Priester in den Kirchen des Ostens erkennen lassen. Auch wird hier übersehen, dass das Konzil daran erinnert hat, dass der Zölibat nicht zum Wesen des priesterlichen Amtes gehöre."
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