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Bischof Elbs: Unsichtbares kann Leben auf den Kopf stellen

Bischof Benno Elbs
© Dietmar Mathis
Bischof feierte mit Vorarlberger Klerus coronabedingt verschobene Chrisammesse im Feldkircher Dom: Kirche muss "Konzern-Charakter mindern" - Geistliche Dimension soll bestimmend sein, aber ohne "Flucht in weltabgewandte Frömmelei"
Corona & Glaube
29.06.2020, 11:34 Uhr Österreich/Kirche/Glaube/Epidemie/Elbs
Feldkirch, 29.06.2020 (KAP) Die vergangenen Wochen der Pandemie haben gezeigt, "dass das, was wir nicht sehen, unser Leben auf den Kopf stellen kann". Wie der Feldkircher Bischof Benno Elbs am Montag hinwies, habe ein unsichtbares Virus zuletzt das Leben bis in die Privatsphäre hinein bestimmt. "Auf ganz andere Weise gilt das auch für unser Leben als Geistliche und für unsere Arbeit in der Kirche", sagte Elbs in seiner Predigt bei der coronabedingt auf den Festtag Peter und Paul (29. Juni) verschobenen, sonst in der Karwoche mit dem Diözesanklerus gefeierten Chrisammesse im Feldkircher Dom. "Die unsichtbar-geistliche Dimension soll bestimmend sein und durch uns sichtbar werden", rief der Bischof die versammelten Vorarlberger Priester und Diakone auf.

Elbs wandte Karl Rahners bekannten Satz "der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht sein" auf die Kirche an: Diese werde in Zukunft eine verstärkt geistliche sein müssen. Wichtig dafür sei, dass Geistliche, ja Gläubige insgesamt "immer wieder die Quellen der eigenen Gottesbeziehung anzapfen" - durch das Lesen der Bibel, die Feier der Sakramente, das persönliche Gebet. Das persönliche Angesprochen-Sein durch Christus und die "Gottesgeburt im eigenen Herzen" sind nach den Worten des Bischofs Voraussetzung dafür, bei anderen Sehnsucht nach Gott zu wecken. "Wie können wir den Glauben an Christus als eine Kraft vermitteln, die den Alltag durchdringt?" ist laut Elbs ebenso eine wichtige Zukunftsfrage wie Räume zu eröffnen, in denen Menschen über ihren Glauben zu sprechen lernen.

Die Kirche müsse versuchen, "den Konzern-Charakter zu mindern", der auf Erfolg und Effizienz ausgerichtet sei. Geistliche in der Nachfolge Jesu könnten den Glauben nicht produzieren oder erzeugen. "Was wir aber können, ist das, was wir selber im Glauben erfahren haben, leben und weitergeben ... den Glauben anbieten", betonte Bischof Elbs. Seelsorge habe nur wenig mit "Machen" zu tun, "wir müssen lernen, Gott größer zu denken". Das Evangelium glaubhaft zu verkünden gelinge, "indem wir uns selbst zurücknehmen und Gott Raum geben; indem wir weniger herstellen und mehr darstellen".

Der Bischof legte den Klerikern ein geistliches Amtsverständnis ans Herz, das es als erste Aufgabe sehe, Menschen zur Gotteserfahrung zu führen und ihnen das Evangelium nahezubringen - die Frohe Botschaft vom Reich Gottes, von der Heilung der Wunden, von der Vergebung der Sünden und vom Leben nach dem Tod.

Echte Mystik führt zur Nächstenliebe

Er sei "immer wieder erstaunt, wie groß das Echo ist, das diese Botschaft in manchen Menschen auslöst", erzählte Elbs. "Das Geschenk der Liebe Gottes bewirkt Gegenliebe" und dränge zum karitativen Engagement, mache bereit zu Versöhnung, stifte Frieden und ermögliche Dialog. "Die Fokussierung auf die geistliche Dimension ist darum keineswegs eine Flucht in weltabgewandte Frömmelei", stellte Elbs klar. Darum gehöre es zu den Aufgaben von Priestern und Diakonen, "Gottes tröstendes, aufbauendes und Hoffnung schenkendes Wort lebendig werden zu lassen, indem wir zur Nächstenliebe anstoßen und auch selbst solidarisch mit den Armen leben". Echte Mystik führe zur Nächstenliebe.

Der Gottesdienst im Feldkircher Dom fand am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus und damit an einem Tag statt, an dem traditionell Priesterweihen stattfinden. Diese Feier sei deshalb auch ein Fest des Dankes für Berufungen, wies Elbs hin. Der Bischof dankte allen Mitfeiernden für ihren "alles andere als einfachen" Dienst während der Pandemie, dafür, den Geistlichen "für die Menschen auch in schwierigen Situationen da waren" sowie für die Kreativität, trotz der Einschränkungen Wege zu den Menschen gefunden zu haben. "Hoffen und vertrauen wir darauf, dass sich die Situation weiter in eine positive Richtung entwickelt", so der Aufruf des Bischofs.
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