myKathpress LOGIN

Kardinal Marx: Corona-Krise zur Reflexion zu nutzen

Münchner Erzbischof am Christkönigfest: Gegenwart zeigt auf, was wirklich wichtig ist - Pandemie als kreative Pause nutzen
22.11.2020, 13:52 Uhr Deutschland/Epidemie/Kirche/Marx
München, 22.11.2020 (KAP/KNA) Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, die derzeitige Krise zur Reflexion zu nutzen. "Corona ist nicht die Gerichtsstunde Gottes. Aber jede Zeit will uns auch aufmerksam machen auf das, was wirklich wichtig ist", sagte Marx am Sonntag in seiner Predigt zum Christkönigfest. Dies bedeute etwa, dass die Schwachen in die Mitte gehörten, man die Alten und Kranken nicht übersehe, "dass wir die Armut in der Welt nicht einfach wegdrücken und sagen, das interessiert uns nicht".

Jesu Anfrage an den Menschen sei, was am Ende wirklich zähle, betonte der Erzbischof von München und Freising: "Was hat denn Bestand? Eure Aktienkurse? Euer Wirtschaftswachstum? Eure Kriege? Eure Denkmäler?" Jesus überforderte die Menschen jedoch nicht. "Einem Hungrigen zu essen zu geben, einen Fremden willkommen zu heißen, einen Kranken zu besuchen - das übertrifft ja nicht die Möglichkeiten des Menschen", so Marx.

Das Evangelium spreche vom neuen Menschen. Dies sei nicht vergleichbar mit Ideologien wie dem Kommunismus, Nationalismus oder Faschismus. Diese hätten einen neuen Menschen mit Gewalt und Unterdrückung schaffen wollen, sagte Marx. "All dies, liebe Schwestern und Brüder, endet in einem Alptraum." Mit dem Evangelium dagegen würden Menschen eingeladen zu begreifen, "wer sie wirklich sind und welche Möglichkeiten sie haben".

Innerkirchliche Debatten beschleunigt

Die Corona-Pandemie sorgte möglicherweise auch dafür, dass Debatten in der Kirche "beschleunigt und bestärkt" werden, sagte der Erzbischof bereits am Samstag bei seiner Predigt zum Korbiniansfest in Freising. Als Beispiel nannte Marx jene um die Zukunft der Priester. "Es gibt keine katholische Kirche ohne Priester - aber wie sieht die Zukunft der Priester aus?", fragte Marx. "Vielleicht werden wir auch Priester haben, die nicht ehelos leben - warum nicht?"

Die Kirche solle die durch die Pandemie bedingten Einschränkungen und Unterbrechungen des täglichen Lebens als "kreative Pause" nutzen. Wie bei der Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland, dem Synodalen Weg, gelte es, auch im täglichen Leben eine Ausgewogenheit zwischen den Polen Heimat und Aufbruch zu finden, so der Kardinal bei der Feier zu Ehren des Diözesanpatrons. Die durch die Pandemie erzwungene "Zurückgeworfenheit auf das eigene Leben ist manchmal schmerzhaft", betonte Marx. Corona habe gegenüber der Mobilität, Hektik und Betriebsamkeit des modernen Lebens ein "unfreiwilliges Stoppschild" gesetzt. "Wir sollten versuchen, diese als kreative Pause zu nutzen."
Logo des Presserates
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • Erzbischof Lackner: Corona-Stopp für Gottesdienste nur "in extremis"

    13.11.2020, 12:06 Uhr
    Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Pressekonferenz zum Abschluss der...

    Erzbischof Lackner: "Weiterhin dialog mit dem Islam, aber auch redlicher Diskurs über Gefahr islamistischer Spielformen politischer Religion"

    13.11.2020, 12:05 Uhr
    Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Pressekonferenz zum Abschluss der...

    Erzbischof Lackner: "Bereitschaft zur eigenen Impfung ist Ausdruck einer christlich verantworteten Haltung"

    13.11.2020, 12:05 Uhr
    Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Pressekonferenz zum Abschluss der...

    Erzbischof Lackner: "Der Weg zu einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen in einer sozial und ökologisch gerechten Welt ist möglich"

    13.11.2020, 12:03 Uhr
    Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Pressekonferenz zum Abschluss der...
Kathpress-APP

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2020 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung: