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Kirche und Politik würdigen verstorbenen Theologen Hans Küng

Hans Küng, Theologe, katholischer Priester, Buchautor und Initiator der Stiftung Weltethos, am 17. März 2015 in Tübingen.
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Deutscher Bischofskonferenz-Vorsitzender Bätzing gedenkt "anerkanntem und streitbarem" Forscher - Baseler Bischof Gmür: Küng "wollte eine erneuerte Kirche, eine Kirche für heutige Menschen, eine Kirche, die a jour ist" - Präsident Steinmeier würdigt "brillanten Denker"
07.04.2021, 10:11 Uhr Deutschland/Schweiz/Kirche/Leute/Theologie/Küng/Tod/Reaktionen
Bonn/Zürich, 07.04.2021 (KAP/KNA) Spitzenvertreter aus Kirche, Religionen und Politik haben das Wirken des am Dienstag im 94. Lebensjahr verstorbenen Theologen Hans Küng gewürdigt. Die Deutsche Bischofskonferenz erinnerte an den Begründer der Stiftung Weltethos als einen "anerkannten und streitbaren" Forscher. "In seinem Wirken als Priester und Wissenschaftler war es Hans Küng ein Anliegen, die Botschaft des Evangeliums verstehbar zu machen und ihr einen Sitz im Leben der Gläubigen zu geben", erklärte der Konferenzvorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing.

Bätzing verwies insbesondere auf Küngs Engagement für eine gelebte Ökumene, auf seinen Einsatz für interreligiösen sowie interkulturellen Dialog und die Stiftung Weltethos mit ihren Forschungen zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Der gebürtige Schweizer hinterlasse ein reiches theologisches Erbe, so der Limburger Bischof. "Hans Küng hat es sich nie nehmen lassen, für seine Überzeugungen einzutreten. Auch wenn es diesbezüglich Spannungen und Konflikte gab, danke ich ihm in dieser Stunde des Abschieds ausdrücklich für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums", so Bätzing.

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst bescheinigte Küng essenzielle theologische Grundlagenarbeit und bedeutende Anstöße. Küng sei "ein kritischer, aber großer Theologe" gewesen. Auch die Universität Tübingen bekundete Trauer. Mit Küng verliere die Hochschule "einen produktiven Forscher, einen überaus schöpferischen Gelehrten und einen exzellenten Theologen", sagte Rektor Bernd Engler.

Die auf Küng zurückgehende "Stiftung Weltethos" und das Tübinger Weltethos-Institut würdigten Küng als visionären Vordenker für eine gerechtere und friedlichere Welt. Die Organisation "Wir sind Kirche" verwies auf Küngs "lebenslange Beharrlichkeit in der Erneuerung der römisch-katholischen Kirche sowie seinen Einsatz für die Ökumene und den Dialog der Weltreligionen".

"Er wollte eine erneuerte Kirche"

Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür, verwies auf Küngs Verhältnis zur Kirche: Er sei nicht zuerst "Kirchenkritiker oder Papstkritiker, sondern Kirchenliebhaber, ja sogar Papstliebhaber" gewesen, schrieb der Bischof von Basel, Küngs Heimatdiözese, in einem Nachruf.

Küng habe die Kirche nicht überflüssig machen und nicht untergehen lassen wollen. "Er wollte eine erneuerte Kirche, eine Kirche für heutige Menschen, eine Kirche, die a jour ist", betonte Gmür. "Er kämpfte für eine Kirche, die sich mit den Lebenswelten, so wie sie sind, und mit der Welt, so wie ist, auseinandersetzt."

Die Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, Renata Asal-Steger, erklärte laut Portal kath.ch, Küng habe ein Gespür für aktuelle Themen gehabt, die er vor anderen aufgegriffen habe. Auch habe er den Mut besessen, "heiße Eisen" anzufassen und Position zu beziehen. "So trat er schon für die Zulassung der Frauen zu kirchlichen Ämtern ein, als diese Forderung noch längst keine Selbstverständlichkeit war."

Präsident Steinmeier würdigt brillanten Denker

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Hans Küng ein "bleibendes Vorbild eines Gelehrten, eines brillanten Denkers mit scharfem Verstand, der gleichzeitig wacher politischer Beobachter und engagierter Mitbürger war". Er habe nicht nur sein Fach "für viele Menschen verständlich vertreten, er hat auch in engagierter Weise immer das politische und geistige Leben kritisch und konstruktiv begleitet".

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezeichnete Küng als "wichtigen und wegbereitenden Lehrer in Fragen des Glaubens, des ethischen Handelns und der Deutung des Weltgeschehens". Küng sei zeitlebens für den Dialog der Religionen und Kulturen eingetreten.

Rabbiner: "Streitbarer Mahner"

Der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ARK), Andreas Nachama, erklärte in Berlin: "Heute trauern wir um einen streitbaren Mahner, der Schule gemacht hat, ohne selbst von seiner Kirche rehabilitiert worden zu sein." Anlässlich des 92. Geburtstags von Küng habe die ARK im vergangenen Jahr an Papst Franziskus appelliert, ein "deutliches Zeichen der Versöhnung" zu setzen.

Nachama erinnerte an die Worte von Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs, die er 2018 an Küng gerichtet habe, als dieser den Preis für Zivilcourage des Heine-Kreises Düsseldorf erhielt: "Wo andere mit ihrem Gott am Ende sind, zeigen Sie uns den Ansatz für einen neuen Anfang."

Hans Küng, einer der renommiertesten Theologen weltweit und Begründer der Stiftung Weltethos, war am Dienstag in seinem Haus in Tübingen gestorben. In den vergangenen 30 Jahren engagierte sich Küng vor allem für den Dialog der Weltreligionen, insbesondere im "Projekt Weltethos". 1979 hatte ihm der Vatikan die Lehrerlaubnis entzogen, unter anderem wegen seiner Kritik an der Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes. Der Wissenschaftler erhielt viele Auszeichnungen, darunter mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden.
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