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100 Jahre Caritas: Von den Armenausspeisungen zur Corona-Nothilfe

In Österreichs Diözesen wurden in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg 1920/21 die jeweiligen Caritas-Organisationen gegründet - Seither half das kirchliche Hilfswerk auf vielfältigste Weise und reagierte immer auf die aktuellen Nöte der Zeit
11.06.2021, 14:23 Uhr Österreich/Kirche/Soziales/Geschichte/Caritas/100
Wien, 11.06.2021 (KAP) Mit einem Festgottesdienst im Wiener Stephansdom am 17. Juni feiert die Caritas offiziell ihr 100-jähriges Bestehen in Österreich. Ein genaues österreichweites Geburtstagsdatum für die Caritas ist aber nicht leicht zu finden, denn in den einzelnen österreichischen Diözesen wurde die Caritas zu unterschiedlichen Zeitpunkten 1920/21 gegründet. Die Entstehungsgeschichte der kirchlichen Hilfsorganisation fällt damit aber jedenfalls in eine Zeit größter Not nach dem Ersten Weltkrieg. So ging es in den ersten Jahren vor allem darum, mit der Sammlung von Lebensmitteln, Ausspeisungen in den Städten sowie Kleidungsausgaben die Armut der Menschen etwas zu lindern.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag ein Caritas-Fokus auf der Hilfe für Kinder. In den Jahren von 1945 bis 1955 wurden österreichweit rund 600.000 Kinder aus den Städten zu Familien auf dem Land in Österreich aber auch nach Portugal, die Schweiz und Spanien auf Erholung geschickt.

In den Jahren nach dem Krieg bot die Caritas außerdem im Rahmen der "Sterbevorsorge" armen Menschen die Möglichkeit, sich ein christliches Begräbnis zu sichern. Zu jener Zeit war auch die Bahnhofsmission der Caritas wegweisend: Hier wurde allein reisenden Mädchen, Heimkehrern, Vertriebenen und Flüchtlingen geholfen. Daraus entwickelten sich die heutigen Bahnhofs-Sozialdienste und die Notberatungsstellen.

Weitere Marksteine waren 1956 der Ungarnaufstand und 1968 der Prager Frühling. Hunderttausende flohen damals nach Österreich, die Caritas stellte Notunterkünfte und Hilfstransporte bereit.

Not trotz Wirtschaftswunder

In den Wirtschaftswunderjahren kamen neue Formen von Not und Armut auf. Geholfen werden musste etwa alleinerziehenden Müttern, Menschen ohne Wohnung oder Menschen mit Behinderung. Die Caritas reagierte mit neuen Hilfsangeboten. Individualhilfe und Sozialberatung lösten die Nothilfe der Nachkriegszeit ab, es entstanden vermehrt Ehe, Familien- und Lebensberatungsstellen. Die Caritas Feldkirch eröffnete 1964 die erste Werkstätte für Menschen mit Behinderung.

Österreichweit wurde zudem damit begonnen, die Krankenfürsorge und mobile Altenbetreuung auszubauen. Zahlreiche Heime wurden eröffnet. 1978 begann die Caritas mit dem Aufbau von Sozialstationen. Diplomierte Krankenschwestern sowie Alten- und Heimhelferinnen begannen mit der Betreuung und Pflege zu Hause.

Weltweit im Einsatz gegen Hunger

Mit Beginn der 1980er Jahre organisierte die Caritas weltweit Ernährungsprogramme, um akute Hungerkrisen besser abfangen zu können und langfristig Ernährungssicherheit zu ermöglichen. 1980 erschütterte ein schweres Erdbeben Italien mit 3.000 Toten und 300.000 Obdachlosen. Die Caritas organisierte humanitäre Hilfe und unterstützte den Wiederaufbau.

Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989/90 und die Jugoslawienkriege bis 1995 lösten erneut große Flüchtlings- und Wanderbewegungen aus. Die Caritas schickte Hilfslieferungen in Krisengebiete am Balkan und richtete Beratungsstellen und Notunterkünfte für Geflüchtete ein. 1992 wurde mit anderen Hilfsorganisationen und dem ORF "Nachbar in Not" gegründet. Ganz massiv war die Caritas auch in die Hilfe nach der Hochwasserkatastrophe von 2002 in Österreich eingebunden.

Ein weiteres markantes Datum war der verheerende Tsunami 2004 im Indischen Ozean. Mehr als 220.000 Menschen kamen in Thailand. Indonesien und weiteren Ländern ums Leben. Die Caritas half im Rahmen zahlreicher Hilfsprojekte jenen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten.

Flüchtlinge und Pandemie

Im Herbst 2015 war die Caritas wieder unter jenen, die sich besonders für die unzähligen Flüchtlinge einsetze, die nach Österreich kamen bzw. zu einem guten Teil auch nur durchreisten. Dabei war vor allem das Engagement der Freiwilligen wichtig, die sich oft auch danach noch langfristig für die Integration der Menschen einsetzten und einsetzen. Seit vergangenem Jahr ist die Caritas insbesondere durch die Pandemie besonders gefordert.

"Unser Tun und Lassen macht einen Unterschied und wir haben schon viele Krisen und Katastrophen gemeistert", so Caritas-Generalsekretärin Anna Parr gegenüber "Kathpress" im Blick zurück auf 100 Jahre. Heute sei die Caritas die größte Hilfsorganisation in Österreich. Mit mehr als 1.600 Projekten und Einrichtungen in ganz Österreich helfe sie Menschen in Not. Parr: "Die Caritas - das sind die hauptamtlichen Mitarbeitenden, aber vor allem die heute rund 50.000 Freiwilligen, die sich tagtäglich beherzt und professionell einsetzen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit mit mehr als 500 Projekten in über 60 Ländern."
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