Druckansicht - Donnerstag 2. September 2010
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Holocaust bleibt "Wunde und Schande Europas"

 

"Es ist beschämend und beängstigend, dass es immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen" - Wortlaut des Briefs von Kardinal Schönborn an Oberrabbiner Eisenberg:

 

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Sehr geehrter Herr Oberrabbiner,

 

zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner darf ich Ihnen im eigenen Namen wie im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz tief empfundene Anteilnahme im Hinblick auf die Opfer und die Überlebenden übermitteln. Der von den Nationalsozialisten in Gang gesetzte industrielle Massenmord an den jüdischen Menschen bleibt eine schmerzliche Wunde und eine Schande Europas. Auch Christen waren an diesem Großverbrechen beteiligt oder haben weg gesehen; es gab "Gerechte unter den Völkern", die unter Einsatz ihres Lebens jüdische Menschen gerettet haben, aber es waren zu wenige. Es ist beschämend und beängstigend, dass es immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen.

 

Jeder Christ, der seinen Glauben ernstnimmt, kann sich nur in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den jüdischen Wurzeln des Christentums verbeugen - und vor den Menschen, die diese Wurzeln repräsentieren. Aus diesem Grund begehen die christlichen Kirchen in Österreich seit einigen Jahren jeweils am 17. Jänner einen "Tag des Judentums" als Einbegleitung der "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen". Dieser Termin will das Bewusstsein wach rufen und wach halten, dass die ersehnte Einheit der Christen nur im Festhalten an den gemeinsamen Wurzeln im Judentum angestrebt und erbetet werden kann.

 

Viele Jahrhunderte waren sich die Christen dieser Tatsachen nicht bewusst. Nach der furchtbaren Katastrophe der Shoah haben die Christen erkannt, dass auch sie Schuld auf sich geladen haben. Die Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Päpste haben inzwischen allen Katholiken deutlich gemacht, dass die Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums auch die Zuneigung zum zeitgenössischen Judentum beinhaltet.

 

Dies ist umso wichtiger in einer Zeit, in der die dramatischen Auseinander-setzungen im Nahen Osten immer wieder die Gefahr mit sich bringen, dass die alten antisemitischen Vorurteile in neuem Gewand ihre verderbliche Wirkung entfalten.

 

Ich versichere Sie, sehr geehrter Herr Oberrabbiner, am Internationalen Holocaust-Gedenktag meines Gebets für die jüdischen Opfer und Überlebenden.

 

Mein Gebet gilt auch dem Frieden im Heiligen Land. Mögen wir alle, Juden, Christen und Muslime lernen, wie wir im Sinn von Gerechtigkeit für alle mit den Menschen in diesem Land solidarisch sein können.

 

Mein Gruß "Shalom" gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Oberrabbiner, und allen Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich

 

Kardinal Christoph Schönborn

 

 

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