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Gemeinsames Osterdatum aller Kirchen noch in weiter Ferne

2012 feiern West- und Ostkirche wie meistens zu unterschiedlichen Terminen Ostern. Der Grund dafür liegt in der Verwendung verschiedener Kalender. Eine Harmonisierung des Termins ist nicht in Sicht, auch wenn durchaus gewichtige Vertreter von Ost- und Westkirche dafür sind. "Kathpress"-Hintergrundbericht von Georg Pulling

29.03.2012

Wien (KAP) In diesem Jahr feiern West- und Ostkirche - wie meistens - zu unterschiedlichen Terminen Ostern. Katholiken und Protestanten begehen das höchste Fest der Christenheit am 8. April, die orthodoxe Weltkirche am 15. April. Der Grund dafür liegt in der Verwendung verschiedener Kalender. Versuche, sich auf einen gemeinsame Terminfestlegung zu einigen, gab es in der Vergangenheit schon einige, freilich ohne Erfolg. Die vielfach erhoffte dauerhafte Harmonisierung des Osterdatums dürfte noch in weiter Ferne liegen.

 

Der "richtige" Ostertermin war schon im Urchristentum umstritten. Erst im vierten Jahrhundert einigte man sich auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Umstritten blieb dann allerdings in Folge mitunter die Festsetzung dieses ersten Vollmonds. Eine Eskalation des Streites brachte etwa die Frage nach der Bewertung eines "Sonntagsvollmondes" am 21. März des Jahres 387. Uneinig war man darüber, ob es sich dabei um einen Winter- oder einen Frühlingsvollmond handelte. So geht aus den Schriften des Kirchenvaters Ambrosius hervor, dass man in Rom entsprechend in diesem Jahr Ostern am 21. März feiert, in Alexandrien jedoch erst am 25. April.

 

Es dauerte weitere 140 Jahre, bis sich Römer und Alexandriner über einen gemeinsamen Ostertermin einigen konnten. 525 bat Papst Johannes I. den Mönch Dionysius Exiguus in der Sache um Rat. Dieser errechnete eine "Ostertafel" für einen Zyklus von 532 Jahren. Mit der Akzeptanz dieser "Ostertafel" im Westen wie im Osten war der eigentliche Osterfeststreit beendet.

 

1.000 Jahre lang - bis zur Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 - gab es jetzt ein gemeinsames Osterdatum für die gesamte Christenheit. Weil die Ostkirche aber die gregorianische Kalenderreform nicht mitmachen wollte und beim alten Julianischen Kalender blieb (der inzwischen 13 Tage nachgeht), feiert sie ihr Osterfest seither nur von Zeit zu Zeit zeitgleich mit katholischen und evangelischen "Westchristen", zuletzt 2011, 2007 und 2001.

 

Annäherungsversuche in der Neuzeit

 

In der Neuzeit gab es mehrere Vorstöße, den Ostertag auf einen bestimmten Sonntag festzulegen. 1897 wandten sich Repräsentanten der astronomischen Wissenschaft diesbezüglich an den Papst, 1931 auch der Völkerbund.

 

1997 fand eine Konferenz auf Initiative des Weltkirchenrats in Aleppo statt, bei der auch der Vatikan vertreten war. Ein fester Ostertermin, wie ihn etwa auch die Tourismusbranche und die Geschäftswelt wünscht, wurde verworfen. Stattdessen wurde die hohe symbolische Bedeutung des Osterdatums betont. Mit dem Festtermin, der sich astronomisch aus dem Stand von Sonne und Mond errechnet, werde nicht zuletzt die kosmische Dimension der Auferstehung Christi dargestellt, hieß es im Kommunique von Aleppo.

 

Der Weltkirchenrats-Entwurf sieht deshalb vor, den Ostertermin weiterhin auf den Sonntag zu legen, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Die astronomischen Daten, das heißt die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, sollen dabei nach "genauestmöglichen wissenschaftlichen Methoden" und computergestützt bestimmt werden. Als Grundlage der Berechnungen soll nicht der Null-Meridian von Greenwich, sondern der Längengrad von Jerusalem, dem Ort von Jesu Tod und Auferstehung, benutzt werden.

 

Zuletzt wurde das Thema des gemeinsamen Termins der christlichen Kirchen für das Osterfest bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates (ÖRK) in Porto Alegre 2006 aufgegriffen. Kardinal Walter Kasper, der damalige Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, hatte dabei in Übereinstimmung mit dem damaligen Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Katholikos Aram I., von einem "gewaltigen Schritt nach vorne" gesprochen, wenn die Kirchen in dieser Frage vorankämen.

 

Gregorianischer Kalender als "Zumutung"

 

Die größten Schwierigkeiten in der Ostertermin-Diskussion kommen zur Zeit aus der russischen Orthodoxie und vom Berg Athos. "In der emotionalen Beurteilung mancher Orthodoxer bleibt der Gregorianische Kalender eben 'der Kalender eines Papstes'. Das wird als Zumutung empfunden", erklärt der Grazer Liturgiewissenschaftler und Ökumeneexperte em.Prof. Philipp Harnoncourt In Russland komme erschwerend hinzu, dass dort der Gregorianische Kalender durch die Kommunistische Partei eingeführt wurde. "Damit gilt er nicht nur als päpstlicher, sondern auch als kommunistischer Kalender", so Harnoncourt.

 

Ein Votum des Heiligen Synods des Moskauer Patriarchats für eine Reform des Ostertermins im Sinne von Aleppo sei derzeit kaum zu erwarten. Da die Aleppo-Berechnungsart wesentlich stärker dem westlichen als dem östlichen Kalender ähnelt, könnte dies als weiteres Zugeständnis an den Westen verstanden werden und zu Abspaltungen führen.

 

In mehreren nahöstlichen Ländern wurde in den letzten Jahren eine pragmatische Übereinkunft getroffen: Die katholische Kirche aller Riten (auch die des lateinischen Ritus) orientiert sich am orthodoxen Osterdatum, damit alle Christen vor den Muslimen gemeinsam Zeugnis für den Glauben an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu geben können.

 

Vor wenigen Tagen veröffentlichten die katholischen und orthodoxen Bischöfe in Deutschland die gemeinsame Broschüre "Ostern - Das Hauptfest der Kirche in Ost und West". Darin setzen sich die beteiligten Kirchen dafür ein, dass die Bemühungen um einen gemeinsamen Ostertermin intensiviert werden. Die unterschiedlichen Ostertermine schmälerten das "gemeinsame Zeugnis von Katholiken und Orthodoxen gegenüber der nichtchristlichen Welt".

 

Entspannter sieht das Prof. Harnoncourt: Das unterschiedliche Osterdatum sollte nicht als Ärgernis angesehen werden, vielmehr gehe es hier um einen Ausdruck "unterschiedlicher Inkulturationen" des Christentums.

 

Weiters sei es praktisch unvermeidlich, dass eine Harmonisierung zu neuen Abspaltungen führen würde: neue "altkalendarische" Gemeinschaften würden entstehen. Im Bereich der orthodoxen Kirchen von Griechenland und Rumänien war es nach dem Übergang vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender in den 1920er Jahren zu solchen Abspaltungen gekommen, die bis heute wirksam sind.

 

 

 

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