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Jugendsynode im Vatikan

Eine junge Frau macht ein Selfie mit Papst Franziskus und einem jungen Mann am 15. September 2018 in Palermo.
29.10.2018, 12:00 Uhr

Zu der Synodenversammlung unter dem Titel "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" kamen von 3. bis 28. Oktober rund 360 Bischöfen, Ordensleuten, Experten und Auditoren im Vatikan zusammen.

 

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Fakten
Mit dem Bekenntnis zu einer stärkeren Öffnung für Laien ist die Weltbischofssynode zur Jugend zu Ende gegangen. Um glaubwürdig zu sein, sei eine Kirchenreform nötig, erklärten die rund 270 teilnehmenden Bischöfe in ihrem Schlussdokument. Das prophetische Bild einer synodalen Kirche sei 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch immer nicht umgesetzt. Das 167 Artikel auf 55 Druckseiten umfassende Papier, das vorerst nur in italienischer Sprache veröffentlicht wurde, schildert Lebenslagen junger Menschen weltweit, wertet sie aus christlicher Sicht und schlägt Perspektiven für kirchliches Handeln vor. Betont wird zudem der synodale Charakter der Kirche.

Die Erfahrung ihrer Zusammenarbeit mit jungen Christen nennen die Bischöfe in ihrem abschließenden Schreiben eine "Frucht des Heiligen Geistes". Die katholische Kirche müsse mehr Partizipation und Verantwortung auch für Laien bieten, besonders für Jugendliche und Frauen. Die Bischöfe wenden sich gegen einen "Klerikalismus, der viele von Entscheidungsprozessen ausschließt", wie auch gegen eine "Klerikalisierung der Laien".

Jugendlichen Verantwortung in der Kirche zu überlassen, sei keine "Zusatzoption". In der Kritik Jugendlicher müsse die Kirchenleitung auch einen Ruf Gottes zur Umkehr und zur Erneuerung der Strukturen hören.

Die Bischöfe stellen fest, dass ein großer Teil der Jugendlichen die Kirche nicht mehr als ernstzunehmende Gesprächspartnerin betrachte. Als einen Grund für den Glaubwürdigkeitsverlust machen sie Missbrauchs- und Finanzskandale aus. Selbstkritisch bemängeln sie auch die Unfähigkeit kirchlicher Amtsträger, auf Jugendliche einzugehen, fehlende Verständlichkeit der Lehre sowie Autoritätsdenken und Beharren auf Leitungskompetenz.

Auch die katholische Sexualmoral sei für viele Jugendliche ein Grund für die Entfernung von der Kirche. Im gegenwärtigen kulturellen Umfeld habe die Kirche Mühe, ihre Sicht von Körperlichkeit und Sexualität zu vermitteln. Damit Seelsorger glaubwürdig auftreten könnten, müssten sie selbst über affektive und sexuelle Reife verfügen.

Dreieinhalbwöchige Beratungen

An der Synodenversammlung unter dem offiziellen Titel "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung" nahmen von 3. bis 28. Oktober neben Bischöfen aus aller Welt und Experten auch 36 junge Katholiken unter 30 Jahren als sogenannte Auditoren teil. Ihnen dankte Synoden-Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri zum Abschluss ausdrücklich für Frische und Unternehmungsgeist.

Papst Franziskus wertete die Synode in seinem Schlusswort in der Synodenaula als charismatisches Ereignis. Die Synode sei kein Parlament, sondern vielmehr ein "geschützter Raum", in dem "der Heilige Geist wirkt". Nicht die Menschen außerhalb, sondern die Synodenteilnehmer seien nun die ersten Adressaten des Abschlussdokuments. Dabei sei nicht das Dokument das Ergebnis der Synode, erinnerte der Papst. "Wir haben so viele Dokumente." Er wisse nicht, was das Schreiben "draußen" bewirken wird. "Aber in unserem Innern muss es wirken", wandte er sich an die Synodalen.

Der Papst ging auch auf die derzeitige Krise der Kirche ein. Sie sei eine "heilige Mutter" mit sündigen Kindern. "Wir sind alle schmutzig. Aber die Mutter nicht. Und deshalb ist jetzt der Moment, die Mutter zu verteidigen." Es sei eine schwierige Zeit, "weil der Ankläger durch uns die Mutter angreift", so Franziskus.

"Unglaublich herzliches Klima"

Die deutschsprachigen Teilnehmer werteten die Synode als Erfolg. Kardinal Christoph Schönborn - er war zum sechsten Mal direkt an einer Synode beteiligt - nannte das Bischofstreffen kurz "das beste", das er je erlebt habe: "Es ist am meisten gelacht worden, es war ein unglaublich herzliches Klima." "Das ist kein Schlusspunkt, sondern wir gehen diesen Weg mit den jungen Menschen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das Abschlussdokument verstehe er als Appell "gegen Machtstrukturen und Klerikalismus, gegen Missbrauch und kirchliche Arroganz".

Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und einzige deutschsprachige Auditor, Thomas Andonie, sagte, für die Kirche sei die Art, bei einer Synode jungen Menschen ausgiebig zuzuhören, "fast revolutionär". Die Synode zeige: Kirche, die sich ernsthaft und gemeinschaftlich mit den wichtigen Fragen beschäftigt, bewege sich sehr langsam, aber in die richtige Richtung, meinte Österreichs Jugendbischof Stephan Turnovszky.

Papst bittet Jugend um Entschuldigung

Bei einer Messe im Petersdom am 28. Oktober bat Franziskus die Jugendlichen um Entschuldigung dafür, dass die Kirche ihnen oft nicht zugehört habe. Zugleich mahnte er, stärker auf junge Menschen zuzugehen und dabei weder doktrinär noch moralistisch zu sein. "Ich möchte den jungen Menschen im Namen von uns Erwachsenen sagen: Verzeiht uns, wenn wir euch oft kein Gehör geschenkt haben; wenn wir, statt euch unser Herz zu öffnen, eure Ohren vollgeredet haben." Die katholische Botschaft dürfe sich weder auf "lehrmäßige Formulierungen" konzentrieren, die das Herz nicht berührten, noch "moralistisch" werden und sich auf soziales Handeln beschränken. "Wir dürfen weder doktrinär noch aktivistisch sein", sagte Franziskus.

Die Kirche müsse fähig werden, "die eigenen Kreise zu verlassen, um diejenigen anzunehmen, die 'nicht zu uns gehören' und die Gott leidenschaftlich suchen". Wie Jesus in der Zuwendung zu Bedürftigen müsse sich auch die Kirche "die Hände schmutzig machen". Christen sollten "nicht Lehrer aller und auch nicht Experten für das Heilige" sein, sondern Zeugen einer rettenden Liebe.

Zu oft hätten Kirchenvertreter ihre eigenen Ideen als Gottes Wort ausgegeben und die Menschen mehr die Last der kirchlichen Institutionen als die "freundschaftliche Gegenwart Jesu" spüren lassen. Die Kirche werde damit zu einer "halbstaatlichen Organisation und nicht zur Gemeinschaft der Erlösten", kritisierte der Papst.

Glaube sei "eine Frage der Begegnung, nicht der Theorie", betonte er weiter. "In der Begegnung schlägt das Herz der Kirche." Geistliche könnten nicht durch Predigten, sondern nur durch das Zeugnis ihres Lebens wirksam sein.

"Kirche braucht euren Enthusiasmus"

Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals warben die teilnehmenden Bischöfe um neues Vertrauen. In einem zusätzlich zum Abschlussdokument veröffentlichten Brief an junge Katholiken weltweit schrieben sie: "Möge unsere Schwachheit euch nicht entmutigen, und mögen unsere Schwächen und Sünden kein Hindernis für euer Vertrauen sein."

Die Bischöfe versprachen jungen Christen zugleich Rückhalt bei ihren Reformwünschen. Die Kirche wolle sie "auf neuen Wegen" begleiten, "wo der Wind des Geistes stärker weht und den Nebel der Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit und Entmutigung wegfegt". Die Kirche und die Welt brauchten dringend den Enthusiasmus der Jugendlichen. "Werdet zu Begleitern der Schwächsten, der Armen, der vom Leben Verwundeten", schrieben die Bischöfe. Synoden-Generalsekretär Baldisseri trug die Botschaft bei der Messe im Petersdom vor.

Beim anschließenden Mittagsgebet auf dem Petersplatz warb der Papst für eine basisnähere Entscheidungsfindung in der Kirche. Das Bischofstreffen unter Einbeziehung von Nichtklerikern und Jugendlichen sei vorbildhaft für einen "synodalen Stil".
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