Sunday 26. May 2019
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Das bringt 2019 in der katholischen Kirche

Silvesterraketen über der Wiener Innenstadt
01.01.2019, 09:00 Uhr

Kampf gegen Missbrauch, Weltjugendtag in Panama, die historisch erste Reise eines Papstes auf die Arabsiche Halbinsel und ein neuer Nuntius in Wien

Fakten
An Bewegung wird es Papst Franziskus 2019 nicht mangeln. Allein im ersten Halbjahr stehen Reisen nach Zentralamerika, Arabien, Nordafrika und auf den Balkan an; weitere Ziele sind im Gespräch. Aber auch im Vatikan steht der dann 82-Jährige im nächsten Jahr vor Herausforderungen. Der Missbrauchsskandal und eine Amazonien-Synode, die wohl auch der anhaltenden Debatte über kirchliche Ämter Schub verleihen wird, warten im kommenden Jahr auf der Agenda - mit Kontroversen ist zu rechnen.

Einen positiven Jahresauftakt für die Weltkirche verspricht der Weltjugendtag in Panama Ende Jänner. Die zentralamerikanischen Gastgeber erwarten 200.000 junge Katholiken aus 155 Ländern, darunter auch rund 200 aus Österreich. Wenige Tage später bricht Franziskus am 3. Februar zu einem dreitägigen Besuch in Abu Dhabi auf, um an einer interreligiösen Begegnung teilzunehmen. Erstmals setzt damit ein Nachfolger des Apostels Petrus seinen Fuß auf die Arabische Halbinsel - das Prädikat "historisch" ist der Reise sicher.

Beim Ende März folgenden Besuch in einem weiteren muslimisch dominierten Land, Marokko, dürfte es neben dem Dialog mit dem Islam auch um Migration gehen. Offiziell bestätigt ist auch eine Visite in Bulgarien und Mazedonien von 5. bis 7. Mai, während über eine weitere Afrikareise nach Mosambik und Madagaskar anhaltend spekuliert wird. Franziskus selbst sprach außerdem schon von Japan als möglichem Ziel. Dass er hingegen die Einladung von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un annehmen könnte, scheint doch zu abenteuerlich.

Für 21. bis 24. Februar hat der Papst die Spitzen aller Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften zu Beratungen über Missbrauch und Prävention nach Rom bestellt. Wenn das viertägige Treffen nicht zum PR-Debakel werden soll, muss es einen inhaltlichen Sprung nach vorn bringen. Der Vatikan spielt mit hohem Einsatz: Jene Bischöfe, die wenigstens die Tragweite des Problems erkannt haben, scheinen global noch immer in der Minderheit zu sein.

Im Oktober 2019 begeht die katholische Kirche in aller Welt ein von Franziskus ausgerufenes "außerordentliches Monat der Mission". Derweil könnte die ebenfalls für Oktober einberufene Amazoniensynode politischer werden als gedacht: Themen des Bischofstreffens, zu dessen Teilnehmern höchstwahrscheinlich auch der brasilianisch-österreichische Bischof Erwin Kräutler gehören wird, sind einerseits der Schutz der Umwelt und der indigenen Bevölkerung in der sechs Länder umfassenden Region. Andererseits geht es auch um Seelsorge an weit verstreuten Christengemeinden bei gleichzeitig sehr geringer Priesterzahl - Stichwort "Pflichtzölibat". Der politische Machtwechsel im größten Amazonasland Brasilien verleiht der Synode zusätzliche Brisanz: Präsident Jair Bolsonaro hält wenig vom Schutz des Regenwaldes und indigener Kulturen.

Neuer Nuntius

In Österreich ist die Abtweihe des neuen Mehrerauer Abts Vinzenz Wohlwend am 2. Jänner einer der bereits bekannten Fixpunkte im Leben der katholischen Kirche im kommenden Jahr. Mit Spannung warten Österreichs Katholiken auch darauf, wen der Papst als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Apostolischen Nuntius Peter Stephan Zurbriggen nach Wien entsenden wird. Diesem kommt auch eine entscheidende Rolle bei der Suche nach einem passenden Kandidaten für den vakanten Bischofsstuhl in der Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt zu.

2019 dürfte wohl auch die erhoffte Klärung rund um die Diözese Gurk und das dortige Bischöfliche Mensalgut bringen, über das zuletzt bis zu seinem Wechsel nach St. Pölten Bischof Alois Schwarz verfügen konnte. Ab Mitte Jänner will der vom Papst noch knapp vor Weihnachten ernannte Apostolische Visitator, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, ein Lagebild erarbeiten. Es wird eine Grundlage für weitere Entscheidungen der Kirchenzentrale sein.

Mit Blick auf zeitgemäße Seelsorgestrukturen laufen in den meisten österreichischen Diözesen verschiedene Zukunfts- und Reformprozesse, die auch 2019 fortgesetzt werden. Mit dem zu Advent 2018 begonnen Tausch der Lektionare hält die revidierte Einheitsübersetzung der Bibel in den kommenden Monaten weiter Einzug in die katholischen Pfarren. Die Gläubigen bekommen bei den Gottesdienste die leicht veränderten Bibeltexte zu hören. Zugleich hat die Bischofskonferenz drei "Jahre der Bibel" ausgerufen. Besondere kirchliche Akzente wird es auch zum außerordentlichen Missionsmonat im Oktober geben.

"Lange Nacht der Kirchen" und prominente "80er"

Eine Fortsetzung gibt es 2019 für die "Lange Nacht der Kirchen": Das ökumenische, österreichweite und grenzüberschreitende kirchliche Großereignis mit jährlich einigen Hunderttausend Besuchern findet am 24. Mai statt. Nur alle paar Jahre organisiert die Katholische Jungschar hingegen "Kaleidio", Österreichs größtes Jungschar- und Ministrantenlager. Von 7. bis 13. Juli kommen dazu mehr als 1.000 Teilnehmer nach Schwaz in Tirol. Die Österreichische Bischofskonferenz hält ihre Vollversammlungen 2019 in Reichenau an der Rax (März), in Mariazell (Juni) sowie im Kloster der Barmherzigen Schwestern im niederösterreichischen Laab im Walde (November) ab.

Das seltene Goldene Bischofsjubiläum, also den 50. Jahrestag seiner Bischofsweihe, begeht am 28. September der frühere Grazer Bischof und Bischofskonferenz-Vorsitzenden Johann Weber. Einige prominente heimische Kirchenmänner, unter ihnen neben Amazonas-Bischof Kräutler (12. Juli), der Theologe Paul Zulehner (20. Dezember) und Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher (31. März), werden im kommenden Jahr 80. Sein 75. Lebensjahr vollendet am 12. März der er Vorsitzende der Superiorenkonferenz der heimischen Männerorden, der emeritierte Abt Christian Haidinger.

Beim Blick auf die anderen christlichen Kirchen sticht die für 4. Mai angesetzte Wahl eines Nachfolgers für den lutherischen Bischof Michael Bünker hervor, der im Herbst in Pension geht. Am 31. Oktober jährt sich zudem die Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" zum 20. Mal. Abzuwarten wird sein, wie sich der innerorthodoxe Zwist zwischen Moskau und Konstantinopel entwickelt und inwieweit dieser auch Auswirkungen in Österreich hat.
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