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Erzbischof: Anschläge werden Freude über Papstbesuch nicht trüben

Erzdiözese Santiago ruft vor Papstbesuch zu Gewaltverzicht, Respekt und Dialog auf
14.01.2018, 13:06 Uhr Chile/Kirche/Papst/Brandstiftung
Santiago de Chile, 14.01.2018 (KAP) Nach den vier Angriffen auf katholische Kirchen in Chiles Hauptstadt vom Freitag ruft die Erzdiözese Santiago zu Gewaltverzicht, Respekt und Dialog auf: "Wir sind tief betrübt über diese Taten", heißt es in einer nach den Brandanschlägen vom Freitag veröffentlichten Erklärung, aus der das vatikanische Nachrichtenportal "Vatican News" am Samstag zitierte. Darin ruft die Hauptstadt-Diözese die Verantwortlichen zur Buße und alle Chilenen zu Verständigung auf. Das nationale Organisationskomitee zur Papstreise gab derweil bekannt, hinter den Anschlägen steckten autonome Randalierer; es handele sich nicht um Terrorakte.

Die Angriffe repräsentierten nicht die Haltung der großen Mehrheit des chilenischen Volkes, unterstrich der Erzbischof der Stadt, Kardinal Ricardo Ezzati, im Interview mit "Vatican News". Man werde nicht zulassen, dass die Zwischenfälle die Freude über den am Montag beginnenden Papstbesuch trübten, so Ezzati: "Sie werden uns umso mehr in unserer Erwartung und Hoffnung bestärken statt uns zu verunsichern". Die große Mehrheit der Chilenen freue sich auf den Papstbesuch: "Wir sind beseelt von großer Hoffnung und starkem Vertrauen. Das chilenische Volk ist ein gastfreundliches Volk." Es möge auch Demonstrationen geben, die das Gegenteil suggerierten, "doch dank Gott hatten diese Attentate keine größeren Folgen", so der Erzbischof.

Mit Blick auf die sozialen Spannungen in Chile rief der Kardinal zu mehr Dialog und Verständigung in Chiles Gesellschaft auf. "Chile braucht mehr Dialog", so Ezzati. Dafür sei die Papstreise eine gute Gelegenheit: "Alle Katholiken, alle Gläubigen anderer Religionen und alle Männer und Frauen guten Willens sind dazu aufgerufen, an den Veranstaltungen der nächsten Woche gemeinsam mit Papst Franziskus teilzunehmen, der uns allen eine Botschaft der Hoffnung und Liebe bringt." Diese Botschaft sei für Chile umso wichtiger, als dass es auch in dem vergleichsweise wohlhabenden Land viele Situationen sozialer und spiritueller Not gebe, erinnerte Ezzati. So erwarte man sich vom Papstbesuch eine Bestärkung "auf dem Weg der Solidarität, der Willkommenskultur und einer missionarischen Kirche", die offen "für all die Peripherien und Armutssituationen in Chile und der Welt" sei.

In der Nacht auf Freitag war beim Portal der Kirche "Santa Isabel de Hungria" im Stadtviertel Estacion Central in Santiago Feuer gelegt und eine Bombendrohung gegen den Papst hinterlassen worden. Weitere Angriffe erfolgten in Kirchen in den Stadtteilen Recoleta, Peñalolén und Santiago Centro. Das nationale Organisationskomitees für die Papstreise in Chile gab am Samstag bekannt, es handele sich bei den vier Angriffen auf Kirchen in Santiago nicht um terroristische Akte, sondern um die Taten systemkritischer Randalierer.

Die Behörden hatten direkt nach den Anschlägen ein Bekennerschreiben veröffentlicht, das die Befreiung der den Mapuche-Ureinwohnern zugeschriebenen Region Wallmapu forderte. Die Beauftragte für Mapuche-Pastoral der chilenischen Diözese Temuca warnte dagegen vor vorschnellen Schuldzuschreibungen: es könne sich bei den Brandstiftern auch um Randalierer handeln, die die Schuld auf die Mapuche fallen lassen wollten, hatte Isolde Reuque Paillalef bereits unmittelbar nach den Vorfällen gewarnt.

"Eine Krise, die ein Segen ist"

In der Tageszeitung "La Tercera" wird Ezzati am Sonntag indes mit den Worten zitiert, der Papst werde "eine Kirche in der Krise antreffen" - eine Krise jedoch, "die ein Segen ist" - denn Krisen seien immer auch eine Chance auf Verbesserung. Chile erlebe wie viele andere Länder auf der ganzen Welt einen Rückgang der Katholikenzahlen. Das liege vor allem daran, dass sich immer mehr Menschen als Agnostiker betrachteten, so Ezzati. Deswegen sei der Papst besorgt - so wie ein Rektor wegen seiner Schule oder ein Pfarrer wegen seiner Gemeinde besorgt sei.

Papst Franziskus erreicht Chile am Montagabend und wird in den drei Folgetagen in der Hauptstadt, im südlich gelegenen Temuco sowie im Iquique im Norden des Landes Station machen. Große Freiluft-Gottesdienste mit jeweils über 400.000 Menschen stehen auf dem Programm, Treffen mit Indigenen, Jugendlichen, Kirchen- und Ordensvertretern sowie ein Besuch in einem Frauengefängnis.

Kathpress-Themenpaket zur Papstreise nach Chile und Peru: www.kathpress.at/papstreise
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