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Passauer Bischof: Kirche braucht radikale Selbstkritik

Bischof Oster wendet sich in Videobotschaft an Opfer von Missbrauch in der Kirche
14.09.2018, 15:47 Uhr Deutschland/Kirche/Missbrauch
Passau, 14.09.2018 (KAP/KNA) Nach dem Bekanntwerden von Ergebnissen einer umfangreichen Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe hat der Passauer Bischof Stefan Oster weitere Konsequenzen gefordert. "Wir brauchen eine radikale Form der Selbstkritik im Blick auf die Institution", sagte der Bischof am Freitag. In einer zwölfminütigen Videobotschaft, die auf der Passauer Diözesanwebsite veröffentlicht wurde, bat Oster die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester "im Namen der Kirche von Passau aufrichtig um Vergebung".

Allzu häufig sei es zuerst um den Schutz der Institution, den Ruf des Priestertums gegangen, räumte der Bischof ein und sprach von "klerikaler Macht, Abhängigkeit und Ausbeutung". Jetzt gehe es um die Frage, "ob wir willens sind, die Schuld des ganzen Systems einzugestehen, dessen Teil wir sind" und "in der Lage, ein System zu verändern, das eher zum Selbstschutz als zum Opferschutz neigt".

Ausdrücklich würdigte der Bischof den "großen Mut" Betroffener, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Dadurch seien die Verbrechen schon länger bekannt, die von der Studie jetzt noch einmal "schonungslos ans Licht gebracht" würden. Er selbst kenne ihren Inhalt noch nicht. Dieser werde den deutschen Bischöfen von den Forschern erst am 25. September bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorgestellt. Die bereits bekannten Ergebnisse seien jedoch "verheerend für die Kirche, für unsere Glaubwürdigkeit, aber mehr noch natürlich für die Menschen, die durch Verantwortliche der Kirche großes Leid erlitten haben".

Gläubige, die nun einen Kirchenaustritt erwägen, rief der Bischof zum Bleiben auf. Sie sollten mit dafür kämpfen, "dass der eigentliche Lebensgrund der Kirche wieder neu sichtbar und erfahrbar wird", und auch bei der "Reinigung der Kirche" mithelfen. Jesus wolle, "dass wir ehrlicher, wahrhaftiger und liebesfähiger werden".

"Verrat am biblischen Zeugnis"

Oster prognostizierte, dass sich die Kirche nun auch der Diskussion um Themen wie eine Änderung der Sexualmoral oder der Abschaffung des Zölibats stellen müsse. Nach seiner Überzeugung liege die eigentliche Ursache "für den Verrat am biblischen Zeugnis" aber in einem fehlenden Glauben. "Viele von uns verstecken sich hinter schönen Predigten und spüren, dass es womöglich zu mühsam ist, sich wirklich zusammen mit dem Herrn um ein heiligmäßiges Leben zu bemühen" und seien in ihrer Zuwendung zu den Menschen "auf äußere Anerkennung bedacht".

Mit Blick auf die Priester warnte der Bischof vor einem Generalverdacht. Unter ihnen habe es "nicht wenige Täter" gegeben, "womöglich auch heute noch den einen oder anderen". Er sei aber überzeugt, "dass es heute schon viel weniger sind als in den Jahren, die unsere Studie untersucht hat. Die meisten von ihnen seien "gute, glaubwürdige Männer, die es gerade in dieser Zeit nicht leicht haben werden". Die Gläubigen sollten für sie beten, aber noch vorkommendes Fehlverhalten offen ansprechen.
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