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Erzbischof: Panama ist ein Land mit zwei Gesichtern

Jose Domingo Ulloa Mendieta, Erzbischof von Panama-Stadt, in Essen am 11. Januar 2018.
Papst-Gastgeber Jose Domingo Ulloa im Vorfeld des Weltjugendtags: Ungleichheit und Armut im Land enorm, Ähnlichkeiten der Hauptstadt mit Dubai sind nur eine "Fassade"
10.01.2019, 13:33 Uhr Panama/Kirche/Gesellschaft/Armut/Soziales/Weltjugendtag
Panama-Stadt, 10.01.2019 (KAP) Im mittelamerikanischen Panama, wo vom 22. bis 27. Jänner der katholische Weltjugendtag (WJT) mit Papst Franziskus stattfindet, gibt es neben modernen Hauptstadtvierteln auch viel Armut in großen Teilen der Bevölkerung: Das hat der Erzbischof von Panama-Stadt, Jose Domingo Ulloa, klargestellt. "Kommen Touristen nach Panama, so wähnen sie sich in Dubai. Doch dabei handelt es sich nur um eine Fassade. Panama ist ein Land mit zwei Gesichtern, in dem manche nie ihre schönen Viertel verlassen, um die Armut vor ihrer Haustür zu sehen", sagte der Papst-Gastgeber in einem Interview mit der französischsprachigen katholischen Nachrichtenagentur "cath.ch".

Der Weltjugendtag werde den 200.000 jungen Besuchern aus aller Welt eine Gelegenheit bieten, um "das wahre Gesicht unseres Landes zu entdecken", so Erzbischof Ulloa. Nur einer kleinen Minderheit wohlhabender Panamaer sei es vorbehalten, die sauberen Alleen der Hauptstadt mit ihren Luxusboutiquen, gläsernen Wolkenkratzern, Banken und Dienstleistungsunternehmen sowie den prestigeträchtigen Kanal zu nutzen. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei unter den größten der Welt, verfüge doch das reichste Zehntel der Bevölkerung über ein 37-mal höheres Einkommen als das ärmste.

Panama sei reich, doch die große Ungleichheit schließe weite Teile der Bevölkerung vom Wohlstand aus, sagte der Erzbischof im Vorfeld des internationalen katholischen Jugendtreffens auch dem Nachrichtensender TVN Noticias. Dass viele der 3,5 Millionen Einwohner keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung hätten, sei ebenso eine "soziale Sünde" wie die unbeteiligte Haltung und der fehlende gute Wille für die Suche nach Lösungen. Die jungen Panamaer bräuchten mehr Zukunftsmöglichkeiten und Begleitung sowie Unterstützung durch die älteren Generation. Auch müsse die Korruption im Land bekämpft werden. Diese habe wie ein "Virus" alle Organisationen und Einrichtungen des Landes befallen. Folge sei, "dass man nichts und niemandem mehr glaubt", so der Erzbischof.

Laut einer von der Regierung Panamas veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2017 liegt die Armutsquote in einigen Gebieten des Landes bei über 90 Prozent, während sie in besonders begünstigten Regionen unter zehn Prozent beträgt. Besonders benachteiligt sind die Nachkommen der schwarzafrikanischen Sklaven, die während der spanischen Kolonialisierung ab Ende des 15. Jahrhunderts nach Panama deportiert worden waren, sowie die Einwanderer aus den Antillen, die im 20. Jahrhundert zum Bau des Panamakanals ins Land kamen. Die sogenannten "Afropanamaer" leben in Arbeitervierteln in traditionell armen Gebieten der Provinzen Colon, Darien und Panama.

Indigene sozial ausgegrenzt

Auch die Indigenen im Land, die den Völkern Ngäbe, Buglé, Kuna, Emberá, Wounaan, Bribri und Naso Tjërdi angehören und fast eine halbe Million Menschen ausmachen, leben in Marginalisierung und schwerer sozialer Ausgrenzung. Ihr Gesundheitslage ist oft prekär, die Kindersterblichkeit dreimal höher als in der Restbevölkerung, das Schulniveau niedrig. "Indigene Völker haben keinen Zugang zu gut bezahlten Jobs, weil die Gesellschaft in Panama hauptsächlich eine Dienstleistungsgesellschaft ist, und die Armen nicht über die Voraussetzungen für ein solches Umfeld in einer stark wettbewerbsintensiven globalisierten Welt verfügen", erklärte Maribel Jaen, Leiterin der kirchlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (Iupax), gegenüber "cath.ch".

Problem der Wirtschaft Panamas sei laut Jaen, dass das angestrebte Wachstum nur dem Extraktionsmodell folge, bei welchem Rohstoffe abgebaut, exportiert und woanders weiterverarbeitet würden. Umwelt, Lebensqualität oder die Menschenrechte hätten dabei oft das Nachsehen, sagte die kirchliche Aktivistin. In ihrem Einsatz für Menschenrechte unterstützt die kirchliche Iustitia et Pax-Kommission besonders Bauern, die Bergbauprojekten oder dem Bau neuer Stauseen - zur Wasserversorgung des Panamakanals - sowie Wasserkraftwerke weichen müssen.

Mit der Organisation der größten Veranstaltung in der Geschichte des Landes will die Kirche Panamas durch den Weltjugendtag auch im Inland das Bewusstsein für die existierenden Probleme stärken und Schritte zu ihrer Überwindung einleiten. Eine der Initiativen sind die seit Mitte 2018 laufenden, von den Universitäten des Landes begleitete Begegnungstreffen verschiedener Generationen, die im Dezember in die Gründung der Stiftung "Fundacion intergeneracional" mündeten.

Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Weltjugendtag in Panama bietet ein "Kathpress"-Themenschwerpunkt unter www.kathpress.at/weltjugendtag
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