Mittwoch 16. Januar 2019
myKathpress LOGIN

Panama im WJT-Fieber: Trotz sozialer Probleme große Vorfreude

In Panama bereiten sich selbst die Ärmsten für die Aufnahme von Gästen zum Weltjugendtag vor - Die erwarteten 200.000 Teilnehmer aus aller Welt stellen das kleine mittelamerikanische Land auch vor logistische Herausforderungen - Von Michael Althaus
10.01.2019, 13:28 Uhr Panama/Kirche/Gesellschaft/Papst/Weltjugendtag
Panama-Stadt, 10.01.2019 (KAP/KNA) In dem abgelegenen Dorf Santa Rosa mitten im Urwald Panamas ist meist nicht viel los. Die belebte Hauptstadt Panama-Stadt liegt über eine Autostunde entfernt. Statt Hochhäusern säumen Kaffee- und Bananenbäume die Straße. Doch seit Wochen herrscht Nervosität unter den rund 500 Einwohnern: Zum katholischen Weltjugendtag haben sich Gäste aus dem Ausland angekündigt. Wie viele es sein werden und woher sie kommen, wissen die Dorfbewohner noch nicht. Trotzdem hat sich fast jeder bereiterklärt, Pilger zu beherbergen. "Ich möchte den Leuten unser Dorf zeigen", sagt Ingris. Die 35-Jährige ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Ihr Haus hat gerade einmal zwei Zimmer. "Aber nebenan bei meiner Mutter ist auch noch Platz."

Der Weltjugendtag, zu dem auch Papst Franziskus erwartet wird, findet heuer erstmals in Mittelamerika statt. Vor den eigentlichen Haupttagen des Welttreffens vom 22. bis 27. Jänner in Panama-Stadt verbringen viele Teilnehmer einige "Tage der Begegnung" in Gastfamilien in Diözesen in ganz Panama sowie im Nachbarland Costa Rica.

Während Weltjugendtage in europäischen Ländern in der Fülle der Großveranstaltungen oft untergehen, hat die Vorfreude hier schon jetzt das ganze Land erfasst. Das blau-rote Logo der Veranstaltung klebt auf vielen Autos und ziert die Flaggen, die vor fast allen Kirchen gehisst sind. Selbst am Flughafen prangt es auf großflächigen Plakaten: "Te esperamos" - "Wir erwarten dich".

Mit dem Treffen geraten zugleich die sozialen Probleme Panamas in den Fokus: Zwar vermittelt die Hauptstadt mit ihren Wolkenkratzern und dem großen Kanalhafen ein Bild von Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg. Dennoch lebt ein großer Teil der rund 3,6 Millionen Einwohner in Armut. Jugendlichen bleibt häufig der Zugang zu Bildung verwehrt, manche rutschen in die Kriminalität ab. Viele können die 250 Dollar für die Teilnahme am Weltjugendtag nicht aufbringen. Ein Solidaritätsfonds soll dafür sorgen, dass niemand ausgeschlossen bleibt.

Papst in Panama bei Jugend "sehr beliebt"

Viele junge Leute in dem stark katholisch geprägten Land freuen sich indes auf die Begegnung mit dem Papst. "Er ist sehr beliebt. Es herrscht große Begeisterung", sagt der 26-jährige Yithzak. Er hilft bei der Organisation der "Tage der Begegnung" in der Diözese Colon, einer der ärmsten Gegenden des Landes. "In der aktuellen Situation, in der Papst Franziskus die Missbrauchsfälle zum Vorwurf gemacht werden, wollen wir ihm sagen, dass wir hinter ihm stehen." Dennoch sehnten sich auch die panamaischen Jugendlichen nach Veränderungen in der Kirche: "Sie muss einen Weg finden, ihre Lehre an die Lebensrealität der Menschen anzupassen." Reformbedarf sieht Yithzak vor allem bei der Rolle der Frau und der Sexualmoral.

"Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben", ist der Erzbischof von Panama-Stadt, Jose Domingo Ulloa, überzeugt. "Papst Franziskus hat bewusst Zentralamerika als Veranstaltungsort ausgewählt, weil er an die Ränder der Gesellschaft gehen will", sagt er nicht ohne Stolz.

Die Vorbereitungen sieht Ulloa auf gutem Wege. Etwa 200.000 Pilger haben sich bereits angemeldet, davon die meisten aus Lateinamerika. Zum Weltjugendtag in Rio 2013 kamen trotz deutlich niedrigerer Anmeldezahlen am Ende rund 1,5 Millionen Menschen. Dort hatten unter anderem die kurzfristige Verlegung des Abschlussgottesdienstes und ein Ausfall der U-Bahn für chaotische Zustände gesorgt. Auch für Panama-Stadt mit seinen chronisch überlasteten Verkehrsnetz wird die Großveranstaltung eine Herausforderung. Eine zweite Metrolinie sowie ein neues Flughafen-Terminal für den Transport der Pilger sind noch im Bau.

Erzbischof Ulloa gibt sich dennoch gelassen: "Es sind die Erwachsenen, die immer und überall Schwierigkeiten sehen, für die Jugendlichen ist das alles kein Problem." Und auch Ingris im gut 50 Kilometer entfernten Santa Rosa hat derzeit andere Sorgen: Bis die Gäste eintreffen, will sie auf jeden Fall noch einen Großputz machen und das Haus aufräumen.

Alle Kathpress-Meldungen und Hintergrundberichte rund um den Weltjugendtag im Themenpaket unter www.kathpress.at/weltjugendtag
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • Moser: "Mit der Mindestsicherung muss das Mindeste gesichert sein, was Menschen zum Leben brauchen"

    08.01.2019, 15:26 Uhr
    Diakonie-Direktorin bei Pressekonferenz zur geplanten "Mindestsicherung neu"

    Moser: "Die neue Sozialhilfe schadet Menschen in schwierigen Situationen"

    08.01.2019, 15:26 Uhr
    Diakonie-Direktorin bei Pressekonferenz zur geplanten "Mindestsicherung neu"

    Moser: "Der neue Gesetzesentwurf bietet keine Sicherheit für die Betroffenen"

    08.01.2019, 15:25 Uhr
    Diakonie-Direktorin bei Pressekonferenz zur geplanten "Mindestsicherung neu"

    Schönborn: "Die katholischen Bischöfe in Europa sollten in wichtigen Fragen zu gemeinsamer Position kommen"

    21.12.2018, 15:51 Uhr
    Kardinal Schönborn im "Kathpress"-Weihnachtsinterview
Die neue Kathpress-APP ist da!

Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2019 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung:
https://www.kathpress.at/