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Wien: Ökumene-Initiative um Dialog mit Judentum bemüht

Vertreterin der "Vernetzten Ökumene Wien West", Elisabeth Lutter, in "Der Sonntag"-Interview über kirchlichen "Tag des Judentums": "Nicht über die Juden reden, sondern mit ihnen"
11.01.2019, 13:37 Uhr Österreich/Kirche/Judentum/Ökumene
Wien, 11.01.2019 (KAP) Beim kirchlichen "Tag des Judentums", der jedes Jahr am 17. Jänner begangen wird, sollte es nicht nur darum gehen, "über die Juden zu reden, sondern mit ihnen". Das betont Elisabeth Lutter von der Initiative "Vernetzten Ökumene Wien West" in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". Die Initiative gestaltet deshalb auch schon seit einigen Jahren jeweils am Vortag, dem 16. Jänner, eine gemeinsame Gedenkveranstaltung von Christen und Juden.

Dabei handle es sich auch stets um einen Gedenkort, der für Juden bedeutsam ist - meist sei dies eine ehemalige Synagoge, so Lutter: "Das ist in Wien sehr einfach, denn da hat es sehr viele Synagogen und Bethäuser vor der Pogromnacht 1938 gegeben." Das seien Orte, "wo man das christliche Schuldbekenntnis mit Überzeugung sprechen kann, denn diese Orte gibt es nur mehr als Gedächtnisstätten, nicht mehr als Gebäude; Orte, wo man auch das jüdische Totengebet aus vollem Herzen nachvollziehen kann", so Lutter und weiter: "Hier kommen wir mit den Juden, möglichst auch mit Zeitzeugen der Zerstörung, ins Gespräch, um neues Vertrauen und ein neues Verständnis füreinander aufzubauen."

In Wien veranstaltet die Initiative "Vernetzten Ökumene Wien West" heuer gemeinsam mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 16. Jänner ab 19 Uhr eine "Einstimmung in den Tag des Judentums 2019" in der Bezirksvorstehung Ottakring (1160 Wien, Richard Wagner-Platz). An dem "Gedenken an den Huber-Tempel und an die Familie Kuffner" nehmen u.a. Dechant Ferenc Simon, Wiener Diözesanbeauftragter für die christlich-jüdische Zusammenarbeit, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic), der Synagogenforscher Pierre Genée, der Künstler Arik Brauer und Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, teil. Im Anschluss an die Vorträge finden ein Totengebet, Schuldbekenntnis und Friedensbitten statt.

Der Huber-Tempel war eine von mehreren Synagogen in den Wiener Außenbezirken. Er wurde 1885/86 errichtet und bei der Pogromnacht im November 1938 zerstört. 1970 wurden die Ruinen der Synagoge abgetragen und ein Wohnhaus errichtet. Im November 2011 wurde schließlich an der Fassade des danach errichteten Hauses in der Hubergasse 8 eine Gedenktafel angebracht, die an den Huber-Tempel erinnert.

Die jüdische Familie Kuffner zählte bis 1938 zu den angesehensten und einflussreichsten Familien Wiens. Sie besaß umfangreichen Hausbesitz in Wien und eine große Kunstsammlung. In ihrem Besitz befand sich etwa auch die Ottakringer-Brauerei. Moritz von Kuffner gründete 1884 die heute noch nach der Familie benannte Kuffner-Sternwarte in Wien.

Zur Frage nach ihrer persönlichen Beziehung zum Judentum erzählte Lutter über ihre Kindheit: "Ich bin mit dem Judentum als Schülerin bekannt geworden, weil ich neben einem nach dem Krieg nach Österreich zurückgekehrten jüdischen Mädchen in der Schulbank gesessen bin. Ich habe dabei die tiefe Verwurzelung jüdischer Menschen in ihrem eigenen Glauben kennengelernt, trotz und wegen allem, was geschehen ist, das hat mich sehr beeindruckt." Sie habe von diesem Mädchen auch viel Inhaltliches erfahren. Lutter: "Es ist viel Gemeinsames übriggeblieben, trotz der Trennung von Juden und Christen, die ja schon bald nach Christi Tod stattgefunden hat."

Die bisherigen Veranstaltungen zur "Einstimmung in den Tag des Judentums" und die dabei gesammelten Erfahrungen hat die Initiative "Vernetzte Ökumene Wien West" in einem eigenen Leitfaden (inkl. Durchführungstipps) dokumentiert, damit auch andere davon profitieren können und eventuell ähnliche Projekte in Angriff nehmen. Für ihr Engagement im christlich-jüdischen Dialog wurden Lutter bzw. die Initiative 2017 mit dem Ökumene-Preis der katholischen und evangelischen Kirche ausgezeichnet.

Zur "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" bzw. zum "Tag des Judentums" publiziert "Kathpress" ein Themenpaket, das laufend erweitert wird und unter www.kathpress.at/oekumene abrufbar ist.
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