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Schönborn: Hilfsorganisationen tragen zu menschlichem Klima bei

Kardinal: Kein staatliches System kann ersetzen, was Hilfsorganisationen leisten - Landau: Platz der Kirche an der Seite der Armen - Bundespräsident und Bildungsminister verteidigen Caritas gegen FPÖ-Kritik
Caritas
11.01.2019, 12:26 Uhr Österreich/Kirche/Religion/Soziales/Sozialpolitik/Innenpolitik/Kardinal Schönborn/Van der Bellen/Fassmann
Wien, 11.01.2019 (KAP) Hilfsorganisationen tragen zum guten menschlichen Klima in Österreich bei. Das unterstrich Kardinal Christoph Schönborn in seiner Freitag-Kolumne für die Gratiszeitung "Heute". Kein staatliches System könne ersetzen, was diese Organisationen leisten. Der Wiener Erzbischof verwies dabei auf das Gebot "Liebe deinen Gott und den Nächsten" als das wichtigste der Bibel. Nächstenliebe - auf Lateinisch "Caritas" - sei von Anfang an ein unverzichtbarer Teil des Christentums gewesen. "Wer für den Nächsten kein Herz hat, der auch für Gott nichts übrig", so der Kardinal. Er betonte, dass Hilfe nicht nur "Gefühlssache" sei, sondern gut organisiert sein müsse, um nachhaltig zu sein: "Es geht immer auch um Verbesserung der Lebensbedingung der Armen und sozial Schwachen."

Kardinal Schönborn verwies in seiner Kolumne darauf, dass Österreich reich an Hilfsorganisationen sei und nannte Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz und Volkshilfe, Feuerwehren und Rettungsdienste und deren viele hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter. Ein gutes Miteinander zwischen Staat und Hilfeorganisationen sei wichtig der richtige Weg, wozu für den Kardinal auch staatliche Mittel gehören, ohne die Hilfsorganisationen "nicht die Leistungen erbringen, die uns allen zugutekommen".

Das Motto der Caritas - "Not sehen und handeln" - heißt laut Schönbrunn die Stimme für jene zu sein, die leicht überhört würden. Für den Kardinal braucht es dafür aber auch Engagierte, "die täglich mit der Not zu tun haben". Der Kardinal appellierte: "Hilfe gelingt aber nur gemeinsam!"

Kirche an der Seite der Armen

"Der Platz der Kirche ist an der Seite der Amen", meinte Caritas-Präsident Michael Landau in einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins "News". Es sei nicht die Aufgabe der Caritas, "eine Auseinandersetzung mit der Politik zu führen", so Landau zum aktuellen Konflikt mit der FPÖ. Er erinnerte an das Zweite Vatikanum, wo es heißt: "Man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet wird. Man muss die Ursachen der Übel bekämpfen, nicht nur Wirkungen oder Symptome."

Die Caritas müsse an die Situation von Menschen in Not erinnern und dafür werben, dass sich diese verbessere. Politische Parteien wiederum könnten durch Programme, Personen und Praxis "ihre Nähe oder Ferne" zur Kirche bestimmen.

Minister und Bundespräsident verteidigen Caritas

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bildungsminister Heinz Faßmann hatten sich zum Konflikt zwischen der FPÖ und Caritas zu Wort gemeldet. "Dass die Caritas beflegelt wurde, finde ich nicht in Ordnung", so Van der Bellen am Donnerstag in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "trend". Die Äußerungen Landaus, der der türkis-blauen Regierung vor Weihnachten "Empathie-Defizite" attestiert hatte, nannte Van der Bellen eine "zulässige Kritik".

"Die Caritas ist eine ganz wichtige Einrichtung", meinte Bildungsminister Faßmann (ÖVP) in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung am Mittwoch. Vieles in Österreich würde ohne ehrenamtliches Engagement nicht funktionieren, so der Minister. Die Caritas engagiere sich "von der Pflege älterer Mitbürger über die Betreuung von Asylwerbern bis zu den Lerncafés". Faßmann: "Ich bin froh, dass es diese Institution gibt. Ich kenne Landau, schätze ihn und seine Tätigkeit für Menschen, die Hilfe brauchen, sehr."
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