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Polens Kirche legt Zahlen zu Missbrauch vor: "Scham und Schuld"

Laut von Bischofskonferenz veröffentlichter Untersuchung wurden zwischen 1990 und Juni 2018 Missbrauchsvorwürfe gegen mehr als 380 Priester und Ordensleute gemeldet
15.03.2019, 12:07 Uhr Polen/Kirche/Missbrauch/Bischofskonferenz
Warschau, 15.03.2019 (KAP/KNA) Die katholische Kirche in Polen hat erstmals genaue Angaben zum Ausmaß der sexualisierten Gewalt von Geistlichen gegen Kinder und Jugendliche gemacht. Demnach sind zwischen zwischen 1990 und Juni 2018 entsprechende Missbrauchsvorwürfe gegen 382 Priester und männliche wie weibliche Ordensleute gemeldet worden, teilte die Bischofskonferenz in Warschau zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung (Donnerstag) mit. Von den 625 mutmaßlichen Opfern seien 345 unter 15 Jahre alt gewesen. Darunter seien auch "unbestätigte Opfer".

Polens Primas Erzbischof Wojciech Polak sagte mit Blick auf alle Opfer: "Jedes dieser Opfer sollte in uns Geistlichen Schmerz, Scham und Schuldgefühle wecken, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Es sei "ein Schock, der die ganze Gemeinschaft der Kirche verletzt."

58,4 Prozent aller Opfer sind den Angaben zufolge männlich, 41,6 Prozent weiblich. Drei Viertel der 362 bekannten kirchlichen Prozesse gegen die Geistlichen seien bereits abgeschlossen. Dabei sei jeder vierte Priester aus dem Klerikerstand entlassen worden. Weitere 40 Prozent wurden nach Angaben der Bischofskonferenz suspendiert, ermahnt, oder ihnen wurde verboten, mit Minderjährigen zu arbeiten. Zehn Prozent der Geistlichen seien freigesprochen worden.

In 42 Prozent der Fälle hätten die Minderjährigen den Missbrauch der Kirche selbst mitgeteilt, in 21 Prozent deren Angehörige. Bei sechs Prozent erfuhr die Kirche von Staatsorganen davon und in fünf Prozent der Fälle aus den Medien.

Die Polnische Bischofskonferenz hatte die Missbrauchsfälle in den vergangenen Monaten bei den Diözesen und Ordensgemeinschaften abgefragt. Das kirchliche Statistikinstitut und das von der Bischofskonferenz gegründete Kirchenschutzzentrum werteten die Daten für die Studie aus.

In Polen hatte im Herbst 2018 der Kinofilm "Klerus" den Druck auf die Kirche erhöht. Er prangerte den sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester sowie dessen Vertuschung an. Mehr als fünf Millionen Zuschauer machten ihn zum meistgesehenen Kinofilm in Polen seit 2000. Die Kirche entschuldigte sich mehrfach bei öffentlichen Anlässen bei den Missbrauchsopfern. Bei einem Bußgottesdienst 2014 sagte Bischof Piotr Libera im Namen der Bischofskonferenz: "Beschämt und reumütig bitten wir um Vergebung."

Besuch von Kardinal Parolin

Während der dieswöchigen Vollversammlung war auch das 100-jährige Bestehen der Polnischen Bischofskonferenz gefeiert worden sowie der 100. Jahrestag der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem polnischen Staat, der im November 1918 nach 123 Jahren Fremdherrschaft neu gegründet worden war. Im Beisein von Staatspräsident Andrzej Duda feierte der vatikanische Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin mit den polnischen Bischöfen einen Gottesdienst in Warschau.

In einer Ansprache an die Bischöfe während seiner Visite dankte Parolin der katholischen Kirche in Polen auch für ihre zahlreichen Seelsorger im Ausland. Die polnischen Priester und Ordensleute seien für die Weltkirche und besonders für die Missionsländer ein "großzügiges Geschenk". Zudem betonte er, Polen sei zweifellos dem Christentum "immer treu geblieben". Das Christentum sei ein wichtiges Element der polnischen Gesellschaft und eine sie religiös und kulturell, so der ranghöchste Mitarbeiter von Papst Franziskus.

Die Polnische Bischofskonferenz gehört mit 155 Mitgliedern zu den größten in Europa. Ihr Präsident, der 69-jährige Posener Erzbischof Stanisaw Gadecki, wurde bei der Vollversammlung für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Vorsitzender wiedergewählt. Etwa 33 Millionen der 38,4 Millionen Polen gehören laut der nationalen Statistikbehörde der katholischen Kirche an.
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