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Missbrauchskrise: "Heiße Eisen anzupacken ist Gebot der Stunde"

Salzburger Theologe Hoff in "Kathpress"-Interviews zum kirchlichen Umgang mit Missbrauch - "Kirchliches Momentum" nützen, um Reformen im Umgang mit Macht, bei Sexualmoral, Zölibat und Frau in der Kirche anzustoßen
15.03.2019, 12:52 Uhr Österreich/Kirche/Missbrauch/Hoff/Kirchenreform
Salzburg, 15.03.2019 (KAP) Missbrauch muss "auch in seinem gesamten kirchlichen Bedingungsgefüge" analysiert werden. Das betrifft nach den Worten des Salzburger Theologen Gregor Maria Hoff den Umgang mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die Frage nach dem Zölibat "und nicht zuletzt nach dem Ort der Frauen in einer Klerikerkirche". Diese so genannten "heißen Eisen" anzupacken, "ist ein überfälliges Gebot der Stunde", der Missbrauchskandal sei dafür "das kirchliche Momentum", betonte der Professor für Fundamentaltheologie und Ökumene in einem Interview, das "Kathpress" mit Hoff im Anschluss an seine Ausführungen bei einem Studientag zur Missbrauchskrise im Rahmen der jüngsten Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) geführt hat.

Auf die Frage, wie bei anstehenden Reformen das Verhältnis von Orts- und Weltkirche gestaltet werden könnte, wies der aus Deutschland stammende Theologe darauf hin, dass die katholische Kirche in seinem Heimatland und in Österreich hier wichtige Schritte setzten. Die kirchlich beauftragte "MHG-Studie" zum Thema sexueller Missbrauch an Minderjährigen und die DBK-Vollversammlung diese Woche in Lingen hätten "nicht nur Problembewusstsein gezeigt; sie führen zu Konsequenzen, die nun auch entschieden umgesetzt werden müssen". Eine "Vorreiterrolle" zu spielen setze freilich voraus, sich auch den genannten "heißen Eisen" zu stellen.

Papst Franziskus fordere immer wieder den "Weg an die Grenzen" ein und setze auf prophetischen Mut, sagte Hoff. Das ermögliche Experimente, die sich vor Ort unterschiedlich umsetzen ließen. Der Theologe empfahl konkrete Gewaltenteilung als Mittel zur "Verflüssigung sakralisierter Macht", die sich auf finanzielle Ressourcen ebenso beziehe wie auf pastorale Entscheidungen. Dafür bedürfe es "transparenter Regeln von partizipativer Macht aller - also nicht der bloßen Delegation von Kompetenzen seitens der Bischöfe und Pfarrer". Rechte müssen laut Hoff dabei auf allen Ebenen einklagbar sein. Sinnvoll sei auch eine neue Altersbegrenzung der Amtszeit von Bischöfen.

Vielleicht ein drittes Vatikanum?

Im vergangenen Jänner hatte Hoff in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine Art synodalen Prozess auf nationaler Ebene empfohlen, um sich dem Problem des Missbrauchs in der Kirche zu stellen. In Deutschland sei dies absehbar, verwies Hoff auf die mutigen Weichenstellungen der DBK bei ihrer jüngsten Zusammenkunft. Was die Würzburger Synode der deutschen Bischöfe in den 1970er Jahren als Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils begonnen hat, müsse am Ende mit einer neuen Synode unter radikal veränderten kirchlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zu echten Reformen führen, forderte Hoff. "Was das dann weltkirchlich bedeutet, muss sich zeigen. Am Ende führt dieser synodale Prozess vielleicht zu einem dritten Vatikanischen Konzil - dann aber nicht unbedingt in Rom."

Hoff und zwei weitere deutsche Theologen - Julia Knop aus Erfurt und Eberhard Schockenhoff aus Freiburg im Breisgau - hatten bei einem DBK-Studientag zur weiteren Aufarbeitung des Missbrauchsskandals am Mittwoch deutliche Worte zu den Themen Macht in der Kirche, Zölibat und Sexualmoral gefunden. Der Kirche als religiöser Institution und ihren Priestern als Repräsentanten Jesu Christi komme Sakral- und Glaubensmacht zu, sagte Hoff laut seinem von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Redemanuskript. Entsprechend "desaströs" sei es, wenn das Vertrauen der Gläubigen und die damit verbundene Macht enttäuscht würden, etwa durch Missbrauchstäter.
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