Donnerstag 21. März 2019
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Kurienbischof: Vatikan steht hinter Schülerprotesten zum Klima

Friday for Future - Demonstration
Kanzler der Päpstlichen Akademien für die Wissenschaften vergleicht mangelndes Interesse von Regierungen weltweit an Klimafragen mit einem "kollektiven Selbstmord"
15.03.2019, 14:20 Uhr Vatikan/Demonstration/Klimaveränderung/Papst
Rom, 15.03.2019 (KAP) Der Papst steht nach Einschätzung des argentinischen Kurienbischofs Marcelo Sanchez Sorondo hinter den weltweiten "Fridays for Future"-Klima-Protesten von Schülern. "Ich bin sicher, dass Franziskus mit dieser Initiative zum Schutz des Klimas sehr zufrieden ist", sagte Sanchez, Kanzler der Päpstlichen Akademien für die Wissenschaften und die Sozialwissenschaften, der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" (Freitag). Der Bischof verwies auf die Umwelt-Enzyklika "Laudato si" des Papstes von 2015 und auf verschiedene Wortmeldungen zum Pariser Klimaabkommen.

Das mangelnde Interesse von Regierungen weltweit an Klimafragen verglich Sanchez mit einem "kollektiven Selbstmord". Aus Sicht des Vatikan brauche es eine "umfassende ökologische Umkehr". Sanchez sprach von einem "moralischen Imperativ" zum Klimaschutz, der sich aus der biblischen Botschaft zur Schöpfungsverantwortung ergebe. "Wir sind die letzte Generation, die die Dinge ändern kann", so der Bischof.

Der Papst sei über die Entwicklungen auf dem Laufenden, sagte Sanchez weiter. Er verwies auf das Abschmelzen der Andengletscher in der argentinischen Heimat von Franziskus; die Eismasse sei um die Hälfte zurückgegangen. In der sonst überaus fruchtbaren südamerikanischen Pampa verzeichne man aufgrund anhaltender Trockenheit Ernteeinbußen von 30 Prozent.

Die Folgen des Klimawandels trügen vor allem die Armen, aber auch die Gesundheit der Reichen sei in Gefahr, sagte Sanchez. Nach seiner Auffassung müsste das Klimaabkommen von Paris revidiert werden. Die Lage sei "viel dramatischer", als man 2012 geglaubt habe.

Weltweit demonstrierten am Freitag Hunderttausende Schüler in über 2.000 Städten und mehr als 120 Ländern für drastische Schritte gegen die Erderwärmung und kritisierten eine zu wenig ambitionierte Klimapolitik der Regierungen.

Inspiriert sind die Schulstreiks unter dem Motto "Fridays for Future" von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, die im vergangenen Jahr allein vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren begonnen hatte. Rückendeckung erhielten die Schüler am Freitag u.a. vom Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. "Wir fahren den Planeten gegen die Wand, und keiner hört zu", sagte er im ZDF. Deshalb sei es toll, dass Schüler die Forschung so ernst nähmen.
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