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Kirche von Ruinendorf Oradour-sur-Glane vor Restaurierung

Am 10. Juni 1944 ermordeten Angehörige der SS-Panzer-Division "Das Reich" 642 Bewohner der Ortschaft nahe Limoges - Inzwischen besuchen Jahr für Jahr rund 300.000 Menschen Überreste der Ortschaft und das 1999 eröffnete Gedenkzentrum
11.06.2019, 11:13 Uhr Frankreich/Deutschland/Krieg/Geschichte/NS-Zeit
Karlsruhe, 11.06.2019 (KAP/KNA) Die Kirche des französischen Ruinendorfs Oradour-sur-Glane soll im kommenden Jahr restauriert werden. Das bestätigte die Karlsruher Historikerin Andrea Erkenbrecher in einem Interview mit der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Vor 75 Jahren, am 10. Juni 1944, ermordeten Angehörige der SS-Panzer-Division "Das Reich" 642 Bewohner der Ortschaft nahe Limoges. Nur wenige Menschen konnten entkommen. Das Massaker wurde bald bekannt und gilt seither als Symbol für deutsche Kriegsverbrechen im Westen Europas.

Das zerstörte Dorf wurde 1946 zum historischen Denkmal erklärt. Der Erhalt der Ruinen stelle eine große Herausforderung dar, betonte Erkenbrecher, die sich seit Jahren mit der Geschichte von Oradour beschäftigt. Inzwischen besuchen Jahr für Jahr rund 300.000 Menschen die Überreste der Ortschaft und das 1999 eröffnete Gedenkzentrum. Mit Joachim Gauck kam 2013 erstmals ein deutscher Bundespräsident an den Ort des Geschehens.

Unterdessen laufen in Deutschland weiter Ermittlungen zu dem Massaker. Ein Abschluss des Verfahrens stehe allerdings bevor, sagte der Leiter der zuständigen nordrhein-westfälischen Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen, Andreas Brendel, der KNA in Dortmund. Einen genauen Zeitpunkt könne er nicht nennen, so der Oberstaatsanwalt. "Wir sind gehalten, alle Beweismittel auszuwerten. Ich glaube, wir sind es den Opfern schuldig, dass wir die Vergangenheit aufarbeiten."

Laut Brendel ist die Zentralstelle neben Oradour-sur-Glane noch mit Ermittlungen zum Konzentrationslager Stutthof bei Danzig und mit dem Massaker von Ascq befasst. In dem Dorf nahe Lille ermordete eine Kompanie der SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" in der Nacht vom 1. auf den 2. April 1944 insgesamt 86 Menschen.

Wichtig sei, die Erinnerung an die NS-Verbrechen wach zu erhalten, "damit so etwas nie wieder vorkommt", sagte Brendel. Das werde mit dem wachsenden zeitlichen Abstand allerdings immer schwieriger, räumte der Oberstaatsanwalt ein. Die Treffen mit Opfern und Hinterbliebenen hätten ihn "demütig und dankbar" gemacht. "Dankbar dafür, dass wir in einer freien Welt in stabilen Verhältnissen und in einer Demokratie leben dürfen."

1953 begann vor einem Militärgericht in Bordeaux ein Prozess gegen 65 SS-Männer, 21 saßen tatsächlich auf der Anklagebank, darunter 14 Elsässer, von denen 13 in die SS zwangsrekrutiert worden waren. Als die Betreffenden abgeurteilt worden waren, brach im Elsass ein Sturm der Entrüstung los; die französische Regierung knickte ein, erließ eine Amnestie für jene Franzosen, die gegen ihren Willen in der SS gelandet waren.
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