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Religionsvertreter: KAICIID kein politischer Arm eines Staates

Multireligiös besetztes Direktorium des Abdullah-Zentrums zeigt sich in Erklärung "äußerst besorgt" über "politische Manöver" in Österreich - Kritiker sollten die Gründungsmission und bisherige Arbeit des Zentrums prüfen, bevor sie zu Schlussfolgerungen kommen
13.06.2019, 14:55 Uhr Österreich/Politik/Religionsdialog/KAICIID
Wien, 13.06.2019 (KAP) Nach dem Wunsch des Nationalrats zum Ausstieg Österreichs aus dem Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) hat das mit Vertretern aus fünf Weltreligionen besetzte KAICIID-Leitungsdirektorium dazu aufgerufen, die Einrichtung an ihrem Grundauftrag zur Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs zu messen. Das Zentrum sei "keine Botschaft oder NGO, oder in irgendeiner Weise der politische Arm eines Staates, einschließlich Saudi-Arabien", hielten die neun Direktoriumsmitglieder - unter ihnen der Präsident des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog Bischof Miguel Ayuso - am Donnerstag in einer Erklärung fest. Der zwischenstaatliche Status sei von entscheidender Bedeutung für die Tätigkeit des Zentrums in einigen der schlimmsten Krisenregionen der Welt.

In der mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Österreich "immer aufgeheizteren" politischen Lage würden im Zusammenhang mit dem Dialogzentrum politische Narrative entwickelt, die mit dem Status und der Mission von KAICIID nichts zu tun hätten, betonten die Religionsvertreter. "Mit äußerster Besorgnis" nehmen man die jüngsten "politischen Manöver" zur Kenntnis, die einen Ausstieg Österreichs aus dem Zentrum zum Ziel hätten. Kritiker sollten die Gründungsmission des Zentrums und dessen bisherige Arbeit prüfen, bevor sie zu Schlussfolgerungen kommen.

Aus Sicht des KAICIID-Leitungsgremiums spricht diese Bilanz für sich selbst. Im Rahmen von Programmen des Zentrums seien Tausende Menschen weltweit im interreligiösen und interkulturellen Dialog geschult worden, betonten die Direktoriumsmitglieder. Das Zentrum trete auch erfolgreich als Mediator auf, "um Regierungen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und NGOs zu helfen, den interreligiösen Dialog als Mittel zur Erreichung von sozialer Stabilität und Wohlstand zu betrachten". All dies würde durch die aktuellen Entwicklungen gefährdet.

Das multireligiöse Direktorium setzt sich aus Vertretern aus Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum zusammensetzt. Neben dem vatikanischen Kurienbischof Ayuso gehören ihm der Rabbiner David Rosen, der orthodoxe Metropolit Emmanuel (Adamakis), Pastorin Kosho Niwano (Buddhismus), Hamad Al-Majed, Scheich Allahshukur Pashazade und Mohammad Sammak (Islam), Kezevino Aram (Hinduismus) sowie Pastor Mark Poulson (anglikanische Kirche) an.

Van der Bellen: "Kompliziertere Angelegenheit"

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen äußerte sich am Donnerstag zum Parlamentsvotum über das König-Abdullah-Zentrum, dämpft dabei aber laut "Austria Presse Agentur" politische Hoffnungen auf eine umgehende Umsetzung: "Das ist nicht einfach durch einen Beschluss zu erfüllen, dieser Wunsch des Parlaments, sondern das ist eine etwas kompliziertere Angelegenheit", sagte Van der Bellen bei einem Pressetermin in Wien.

"Der Nationalrat hat die Schließung empfohlen, das muss man zur Kenntnis nehmen", sagte Van der Bellen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem slowenischen Präsidenten Borut Pahor auf eine Frage der APA. "Minister Schallenberg hat ja schon angekündigt, dass er sich mit dieser Frage befassen wird und das Notwendige in die Wege leiten wird", verwies er auf den Außenminister.

Das Außenministerium hatte bereits am Mittwoch versichert, dass der Beschluss des Nationalrates "umzusetzen ist". Schallenberg "hat bereits die Prüfung aller rechtlich notwendigen Schritte beauftragt". "Er wird dafür Sorge tragen, dass die Umsetzung ohne Schaden für Österreichs außenpolitische Interessen und im Rahmen der internationalen Gepflogenheiten erfolgt", hieß es aus dem Ministerium.
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