Wednesday 16. October 2019
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Michael Patrick Kelly: Papst hat ein bisschen was von Rock'n'Roll

Musiker im "Kathpress"-Interview über Glauben, Musik und neues Friedensprojekt "#peacebell"
23.08.2019, 12:10 Uhr Österreich/Religion/Musik/Friede/Patrick.Kelly
Wien, 23.08.2019 (KAP) Papst Franziskus macht "einen super Job", er habe ein bisschen was von "Rock'n'Roll, denn er bricht einige Regeln". So sieht jedenfalls Michael Patrick "Paddy" Kelly das katholische Kirchenoberhaupt. Im "Kathpress"-Interview in Wien nahm der Musiker - Spross der berühmten Kelly Family - zu seinem Glauben, seiner Musik und seinem neuen Projekt "#PeaceBell" Stellung. Kelly verarbeitet in seinen Liedern auch immer wieder religiöse Themen. "Ein echter Songwriter schreibt über das, was ihn bewegt. Das ist bei mir nicht nur mein Glaube an Gott, sondern auch die Werte, die ich mit meinem christlichen Glauben verbinde. Das kommt dann auch in meinen Liedern vor."

Er sei kein "christian artist", aber ein "artist, who is christian", so Kelly: "Ich bin in erster Linie bekannt durch meine Musik, nicht durch meinen Glauben. Aber in meine Musik fließt natürlich auch mein Glaube." Er erhalte viel Feedback, aus dem hervorgehe, dass seine Musik nicht nur als Unterhaltung wahrgenommen wird, sondern für viele Menschen "der Soundtrack für bestimmte Phasen ihres Lebens ist".

Jahrelang auf Sinnsuche im Kloster

Im Jahr 2004 entschloss Kelly sich dazu, als Mönch im Kloster der Johannesgemeinschaft in Burgund zu leben. Er sei davor schon einige Jahre auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens gewesen. Er habe viele Klöster besucht, vor allem christliche Mystiker wie Johannes vom Kreuz, Theresa von Avila oder Meister Eckhart hätten ihn fasziniert.

Bis 2010 lebte Kelly als Mönch. "Und wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre ich noch heute Mönch." Doch die älteren Mönche im Kloster seien der Meinung gewesen, "dass es nicht meine Berufung ist. Sie haben gesagt: 'Wir haben dich zwar sehr gern, glauben aber, dass du zum Musikmachen berufen bist. Schnapp dir eine hübsche Frau, mach Musik und geh mit Gott'", so Kelly lachend. "Und das habe ich dann auch gemacht." Rückblickend sehe er das wie eine Fügung und sei dankbar für diese Einsicht.

Friedensglocke aus Waffen und Kriegsschrott

Kelly reiste nach Wien, um seine Initiative "#PeaceBell" vorzustellen. Der Musiker will in Wien eine Friedensglocke aus Waffen und Kriegsschrott anfertigen lassen und damit ein Zeichen für den Frieden setzen.

Die Idee zu der Initiative sei ihm vor etwa zweieinhalb Jahren gekommen, so Kelly: "Da habe ich einen Artikel über den Ersten und Zweiten Weltkrieg gelesen. Darin stand, dass rund 150.000 Kirchenglocken in Deutschland beschlagnahmt wurden, um damit Waffen herzustellen." Auch in Wien seien 1.100 Glocken beschlagnahmt worden. Er habe sich dann gedacht, dass eine Glocke ja eigentlich dazu gedacht sei, Menschen zu fröhlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Gottesdiensten zusammenzurufen. Und dann sei ausgerechnet dieses Material benutzt worden, um Menschen "auseinanderzureißen und zu töten". Das habe ihn schockiert.

Kelly: "Ich habe mir überlegt: Wie kann man diesen Prozess umkehren?" Mit einem Team von Sammlern kaufte er Waffen und Kriegsschrott. In Deutschland sei dann daraus eine "Peace Bell" gegossen worden. Sie wiegt etwa 330 Kilo, ein Gewehr bildet den Klöppel. Diese Glocke läutet nun bei allen Konzerten Kellys eine Schweigeminute ein. In Wien soll eine weitere Friedensglocke entstehen.

Die für die Herstellung nötigen 35.000 Euro sollen mittels einer Fundraising-Kampagne aufgetrieben werden. Die künftige Wiener Friedensglocke soll nach Möglichkeit aus österreichischen Waffen und Kriegsschrott geschmiedet werden. Wo die Friedensglocke künftig hängen und geläutet werden soll, ist noch nicht fixiert.

Paddy Kelly gibt im September ein Open-Air-Konzert in der Arena Wien. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch die in Deutschland geschmiedete Glocke mit sich führen. Die Wiener Friedensglocke werde voraussichtlich nächstes Jahr fertiggestellt, prognostizierte Kelly.

Friedensstadt Wien

Für "Social City Wien"-Geschäftsführer Emil Diaconu sind Projekte wie "#PeaceBell" wichtig. Seine Plattform für soziale Innovation bringe Denker und Macher zusammen, sagte er gegenüber "Kathpress". Diaconu erinnerte dabei auch an andere Projekte, wie zum Beispiel die ehrenamtliche Initiative "Stadtmenschen Wien", die Menschen in allen Lebenslagen unterstützt. Es sei wichtig gewesen, dieses Projekt nach Wien zu bringen, da Wien eine Friedensstadt sei.

Der ÖVP-Nationalratsabgeordner Martin Engelberg betonte die vielen Facetten des Begriffs "Frieden". "Es gefällt mir besonders an diesem Projekt, dass wir hier davon sprechen, für inneren Frieden zu sorgen, bei sich selbst, in der Familie, in der Gesellschaft und nicht nur im politischen Sinne."

"Frieden wollen wir alle haben, egal welcher Religion wir angehören, egal wen ich liebe und was ich mache", wies die Wiener SPÖ-Landtagsabgeordnete Yvonne Rychly hin. Jeder solle seinen Frieden haben und andere wertschätzen. Damit überall Friede herrsche, müsse man mit den Menschen reden, für sie da sein, "sie abholen und ihnen zuhören, was sie brauchen".

O-Töne von Michael Patrick Kelly stehen in Kürze unter www.kathpress.at/audio zum Download bereit.
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