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Wahl 2019: Wie die "Grünen" zu katholischen Positionen stehen

Elisabeth Götze
St. Pöltner KA-Präsident Haiderer im Gespräch mit niederösterreichischer Grünen-Spitzenkandidatin Götze über Religionsunterricht, Lebensschutz und Caritas und Diakonie
29.08.2019, 15:14 Uhr Österreich/Kirche/Partei/Wahlkampf/Religion/Politik/Grüne
St. Pölten, 29.08.2019 (KAP) Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten hat im Vorfeld der Nationalratswahlen am 29. September die Aktion "Mit der KA im Gespräch" ins Leben gerufen. KA-Präsident Armin Haiderer befragt dazu allwöchentlich einen Parteienvertreter zu Themen rund um Religion und Glaube, aber auch zu sozialen Fragen oder zum Thema Umwelt. Medienpartner ist die St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt", die jede Woche Auszüge aus den Interviews bringt. Diese Woche stellte sich Elisabeth Götze, Spitzenkandidatin der Grünen in Niederösterreich, den Fragen. Wenig überraschend: Neben viel Übereinstimmung in Sozial- und Umweltthemen weichen die grünen Positionen von jenen der Kirche bei ethischen Fragen deutlich ab.

Götze spricht sich für die Beibehaltung des arbeitsfreien Sonntags in der derzeitigen gesetzlichen Regelung aus. "Es ist ein wichtiger Tag, der für die Familie da sein soll." Man müsse aber auch ganz klar sagen, "dass der Sonntag kein absolut arbeitsfreier Tag sein kann, da es viele Arbeitsgruppen gibt, die ohnehin einer Tätigkeit nachkommen müssen". Dem Alternativ-Szenario, dass der arbeitsfreie Sonntag zu einem Einkaufstag wird, könnten die Grünen aber nur sehr wenig abgewinnen.

Die NÖ-Spitzenkandidatin bekräftigte weiters die Forderung der Grünen nach einem Pflichtfach "Religionen- und Ethikunterricht" und einem nur mehr freiwillig zu besuchenden konfessionellen Religionsunterricht. Die Begründung: "Wir sind einerseits für eine Wertevermittlung in Form eines Ethikunterrichts wo allen Schülern dieselben Inhalte vermittelt werden. Darüber hinaus sind wir durchaus auch für eine Vermittlung von Religion in der Schule, wobei mein Ansatz hier wäre, dies in der Schule kontrolliert zu vermitteln. Der Staat muss hier schon hinschauen, was den Kindern unterrichtet wird."

Zum Einwand, dass ethische Werte ja auch schon im Religionsunterricht vermittelt werden, meinte die Politikerin: "Sie haben Recht, ein guter katholischer Religionsunterricht kann eben genau diese Werte vermitteln, die in der Gesellschaft wichtig sind. Aber das hängt auch von den handelnden Personen ab oder ob etwa auch andere Religionen vorgestellt werden. Wenn dem so ist, dann ist das ohnehin eine Form des Ethikunterrichts und kann auch so funktionieren."

Zum Thema Abtreibung sagte Götze, dass die Grünen für die Beibehaltung der gegenwärtig bestehenden Regelungen seien. "Diese sind hart erkämpft und eine wichtige Hilfe für Frauen", so die Spitzenkandidatin, die sich zudem auch für eine staatliche finanzielle Unterstützung bei der Abtreibung aussprach. "Ein Schwangerschaftsabbruch per Krankenkasse kann zumindest diese finanzielle Last zumindest etwas mildern." Nachsatz: "Allerdings ist auch ganz klar zu sagen, dass wir für Unterstützung und Beratung für Familien und Frauen in schwierigen Lebensphasen sind."

Auch hinsichtlich der eugenischen Indikation, also der Möglichkeit einer Abtreibung bis knapp vor der Geburt bei Behinderungen, wollten die Grünen nicht an den gegenwärtigen Regelungen rütteln, "weder durch Aufweichung noch durch Verschärfung".

Religionen kompensieren Staatsversagen

Lob hatte Götze für die Caritas und Diakonie übrig, und bezeichnete sie als "ganz wichtige Einrichtungen und Pfeiler unserer Gesellschaft". Sie habe zugleich aber auch den Eindruck," dass sich der Staat gewissermaßen seiner Pflichten entledigt hat und diese teilweise an die Kirchen delegiert hat. Etwa bei der Flüchtlingsfrage. Es ist dankenswert, aber so wird ein gewisses Staatsversagen durch die Religionen kompensiert. Zum Glück."

Die Position der Grünen zum Thema "Ehe und Familie": "Wir stehen dafür, dass die Menschen diejenigen lieben können die sie wollen und mit diesen zusammen leben können. Das gilt für alle: Männer, Frauen und andere Formen der Partnerschaft oder des Geschlechts."

Zum Thema Christenverfolgung betonte Götze: "Wir stehen ganz klar für Frieden und nicht für die Verfolgung von irgendwelchen Religionsgemeinschaften oder Minderheiten. Natürlich auch nicht der Christen. Dagegen treten wir ein."

Übereinstimmung mit kirchlichen Positionen ortete Götze vor allem im Umweltbereich und in der Friedensarbeit: "Weil es bei uns um Frieden geht, aber auch um den Erhalt der Lebensgrundlagen, was glaube ich auch in der Bibel ein sehr wichtiges Thema ist. Ich glaube, da gibt es ganz viele Übereinstimmungen. Wir freuen uns natürlich, wenn sich Katholiken bei uns engagieren."

Die ungekürzten Langversionen der Interviews werden auf den Websites von "Kirche bunt" und der St. Pöltner Katholischen Aktion veröffentlicht. (www.kirchebunt.at bzw. www.ka-stpoelten.at)
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