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Hilfsorganisationen: Pflege muss Wahlkampf-Thema Nummer eins sein

v.l.: Michael Opriesnig (Rotes Kreuz), Maria Katharina Moser (Diakonie), Bernd Wachter (Caritas), Elisabeth Anselm (Hilfswerk)
Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt fordert klare Parteien-Bekenntnisse zu umfassender Pflegereform - Diakonie-Direktorin Moser: Konzepte da, Politik muss sie jedoch umsetzen - Caritas-Generalsekretär Wachter: Pflegende Angehörige entlasten
Soziales
05.09.2019, 12:41 Uhr Österreich/Soziales/Politik/Langzeitpflege/Hilfsorganisation/Caritas/Diakonie
Wien, 05.09.2019 (KAP) Die Valorisierung des Pflegegeldes wurde Ende Juni vom Nationalrat beschlossen, das Pflegesystem in Österreich wartet jedoch weiterhin auf ein Gesamtkonzept für eine "gute und leistbare Pflege auch in Zukunft": Das haben Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) zusammengeschlossen sind, am Donnerstag bei Pressekonferenz in Wien angemahnt. "Pflege muss Wahlkampf-Thema Nummer Eins sein. Nach den Vorschläge in den Wahlprogrammen der Parteien ist nun eine intensive öffentliche Diskussion über das Thema notwendig", betonte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser, die derzeit den Vorsitz in der BAG innehat.

Das Pflegethema betrifft laut den Sozialorganisationen 1,5 Millionen Menschen in Österreich, wobei allein 130.000 mit einer Demenzerkrankung leben - Tendenz stark steigend: Prognosen der Statistik Austria zufolge steigt die Zahl der Über-85-Jährigen in Österreich bis 2050 von 223.000 auf 583.000, und auch jene der Demenzerkrankten auf das Doppelte.

Das Thema Pflege sei mit Ängsten und Tabus besetzt, die es unbedingt zu lüften gelte, forderte Moser: Durchaus gebe es Unterstützung und Therapie, Verbesserungen bei Diagnose und Beratung oder auch Tageszentren, welche allerdings erst von 8.000 Menschen in Anspruch genommen werden. "Es existieren längst hervorragende Konzepte wie vor allem die Demenzstrategie von 2015, doch sie warten in der Schublade noch immer auf ihre Umsetzung", kritisierte die Diakonie-Direktorin.

Auf Lösungen für pflegende Angehörige pochte Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich. 950.000 Österreicher - fast ein Zehntel der Bevölkerung - sei täglich mit der Pflege und Betreuung von Eltern, Nachbarn oder einem Kind mit Behinderung beschäftigt. Sie seien damit mit Abstand "der größte Pflegedienst" des Landes und leisteten eine Arbeit, deren Wert Studien mit vier Milliarden Euro pro Jahr beziffern. Zugleich sei diese zu 73 Prozent von Frauen übernommene Tätigkeit immens belastend und brauche Unterstützung, Beratung und Austausch, so der Caritas-Generalsekretär.

Konkret schlug Wachter den Ausbau mobiler Dienste vor und forderte Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege durch Rechtsansprüche auf Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit - hier hofft er auf eine Entscheidung im Nationalrat Ende September. Notwendig seien auch gezielte Kursangebote und leicht zugängliche Informationen zum Umgang mit zu pflegenden Menschen, insbesondere bei Demenz, sagte der Caritas-Generalsekretär.

"Die nächste Bundesregierung darf den Masterplan für ein neues Gesamtkonzept zur Pflege in Österreich nicht aus den Augen verlieren", betonte Wachter. Erst so werde in Österreich ein "Leben in Würde bis zuletzt" für alle möglich.

Den Ausbau von Pflegedienstleistungen forderte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Roten Kreuzes. Ein Lückenschluss sei insbesondere durch neue Dienstleistungen zwischen kurzen Besuchen und der 24-Stunden-Pflege nötig, durch Ausbau der mobilen Pflege, Formen mehrstündiger Alltagsbegleitung zusätzlich zur mobilen Pflege sowie weitere Tageszentren. Wichtig sei zudem, Menschen länger fit zu halten und somit die Pflegebedürftigkeit vorzubeugen: "Österreich war hier bisher relativ blind. Jeder Monat, den ein Mensch zuhause verbringen kann, spart viel Geld", so der Rotkreuz-Generalsekretär. Äußerst sinnvoll sei eine "Präventionsmilliarde", etwa für aktivierende Hausbesuche, Gedächtnistraining und Maßnahmen zum Erhalt der sozialen Teilhabe.

Das Anliegen einer Weiterentwicklung des Pflegegeldes formulierte Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich. Die heute gängige Einstufungslogik für Pflegebedarf sei bereits "in die Jahre gekommen", Beispiele wie etwa das System in Deutschland zeigten vor, dass neurologische, psychologische und psychosoziale bzw. soziale Faktoren und Bedürfnisse weit besser berücksichtigt werden könnten als bisher.

Vorausschauende Maßnahmen zur Überwindung des Personalmangels forderte indes Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. In der Pflege Beschäftigte brauchten Entlastung, junge Menschen einen erleichterten Zugang zur Pflegeausbildung, ist doch der Einstieg erst mit 17 Jahren möglich. Auch Umstiege und Ausbildungen gelte es noch intensiver zu fördern als bisher. "Wenn wir nicht jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, wird es katastrophal enden", so die Vorhersage Fenningers.

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