Monday 16. September 2019
myKathpress LOGIN

Papst: Kritik ohne Offenheit führt Kirche in ein Schisma

Franziskus bei Rückflug von Afrikareise: Kirchenspaltung "nicht christlich" und immer dann drohend, "wenn die kirchliche Lehre über Ideologien stolpert"
Papstreise
10.09.2019, 22:30 Uhr Italien/Mauritius/Papst/Kirche/Konflikte
Rom, 10.09.2019 (KAP) Papst Franziskus hat zu Kritik an seiner Amtsführung Stellung bezogen, die ihm von Teilen der römischen Kurie sowie vor allem aus konservativen Kreisen in den USA entgegengetragen wird. Er habe keine Angst vor einer Kirchenspaltung (Schisma), bete aber, dass es nicht zu einer solchen komme, sagte er am Dienstagabend beim Rückweg von seiner Afrika-Reise vor mitreisenden Journalisten - "denn das Heil der Menschen steht auf dem Spiel". Grundsätzlich begrüße er Einwände als Anlass zu Selbstkritik, auch wenn sie einen manchmal "ärgerlich" machten. Allerdings müsse Widerspruch offen und konstruktiv sein, um im Dialog zu einem gemeinsamen Punkt zu kommen. Indem manche Kritiker seiner Amtsführung die offene Auseinandersetzung verweigerten, riskierten sie ein Schisma, so der Vorwurf des Papstes.

Ihm gefalle nicht, wenn Menschen ihre Kritik im Verborgenen, aber nicht gegenüber dem Betreffenden äußerten. "Sie lächeln dich breit an, und dann stoßen sie dir den Dolch in den Rücken. Das ist nicht fair, das ist nicht menschlich", so Franziskus wörtlich. Kritik in der Art von "Arsen-Pillen" helfe nicht weiter; dies sei ein Mittel "kleiner Gruppen, die keine Entgegnung hören wollen". Wer sich einer Auseinandersetzung verschließe, handele nicht aus Liebe zur Kirche, so der Papst; und weiter: "Alle Schismatiker haben etwas gemeinsam: Sie trennen sich vom Volk, vom Glauben des Volkes Gottes."

Die "Option des Schismas" gebe es immer in der Kirche, sie sei aber nicht christlich, betonte Franziskus. Gott lasse der menschlichen Freiheit immer Entscheidungsmöglichkeiten. Sowohl nach dem Ersten wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1870/71 bzw. 1962-1965) hätten sich Gruppen abgetrennt, sagte der Papst. Er verwies auf die späteren Altkatholiken und die Traditionalisten um Erzbischof Marcel Lefebvre, die beide mit dem Anspruch auftraten, die Rechtgläubigkeit gegen Neuerungen zu schützen.

Nachdrücklich verteidigte Franziskus eine Kontinuität seiner Soziallehre zu der von Johannes Paul II. (1978-2005). Der Rede von einem "zu kommunistischen" Papst warf er vor, Ideologien und katholische Lehre zu vermischen. Wenn "die kirchliche Lehre über Ideologien stolpert", werde Kirchenspaltung möglich, sagte der Papst. Gleichzeitig warnte er vor einer "aseptischen Moral" in Kontrast zur "Moral des Volkes Gottes". Auch innerhalb der Kirche werde vielfach eine zu große Sittenstrenge vertreten; das entspreche aber nicht dem "gesunden Evangelium". Übertriebene Strenge sei meist nicht ein Zeichen der "Heiligkeit des Evangeliums", sondern weit eher von bestehenden Problemen.
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • "Wir müssen Solidarität konkretisieren"

    10.09.2019, 12:40 Uhr
    Missio-Direktor P. Karl Wallner appelliert an alle Christen, Solidarität für Menschen...

    "Katholische Kirche größter humanitärer Player der Welt"

    10.09.2019, 12:35 Uhr
    Missio-Nationaldirektor P. Karl Wallner wirbt für die Teilnahme an der diesjährigen...

    "Österreich war bei Prävention von Pflege bisher blind"

    05.09.2019, 12:55 Uhr
    Rotkreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig fordert mit der Bundesarbeitsgemeinschaft...

    "Pflegegeld wurde valorisiert, Einstufung muss aber noch modernisiert werden"

    05.09.2019, 12:53 Uhr
    Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser fordert mit der Bundesarbeitsgemeinschaft...
Die neue Kathpress-APP ist da!

Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2019 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung:
https://www.kathpress.at/