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Münchner Stadtpfarrer: Religionsunterricht muss begeistern

Evangelischer Religionsunterricht in einem Berufskolleg in Bonn. Schüler melden sich. Hinweis: Model-Release ist vorhanden.
Pfarrer Schießler im Kirchenzeitungs-Interview zum zweiten Wiener Religionslehrertag: Kirche soll sich um mehr Präsenz an Schulen bemühen
Schule
09.10.2019, 13:47 Uhr Österreich/Kirche/Religion/Schule/Bildung/Religionsunterricht
Wien, 09.10.2019 (KAP) Die Kirche sollte sich um mehr Präsenz in der Schule bemühen, trotz oft ausbleibender Unterstützung für den Religionsunterricht in der Gesellschaft: Dafür hat sich der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler im Interview mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (aktuelle Ausgabe) stark gemacht. Der prominente bayerische Geistliche ist am Donnerstag Hauptreferent beim "Religionslehrertag", zu dessen zweiter Auflage an die 400 Religionslehrer im Wiener erzbischöflichen Palais erwartet werden.

Statt über ihre Probleme zu jammern sollte sich die Kirche darauf konzentrieren, auf die Menschen zuzugehen und deren Probleme ernst zu nehmen, forderte Schießler. Dazu gehöre der Einsatz gegen soziale Missstände genauso wie religiöse Bildung oder ein "begeisterungsfähiger Religionsunterricht". Bei letzterem stehe die Authentizität des Lehrers im Vordergrund: Er bzw. sie müsse "nicht der absolute Toptyp sein", jedoch selbst Begeisterung vermitteln. Ein Abarbeiten des Unterrichtsstoffes sei zu wenig, gelte es doch im Religionsunterreicht mehr als in allen anderen Fächern, "den Stoff, das Wissen und die Person in eine Beziehung zu bringen".

Schießler war selbst lange als Religionslehrer tätig. Für einen Pfarrer stellten sich dabei spezielle strukturelle Schwierigkeiten, bekannte er: Plötzlich auftretende Termine wie etwa Begräbnisse machten es schwierig, einen kontinuierlichen Religionsunterricht anzubieten. So entstehe schleichend das Gefühl, Religion sei "das Fach, das dauernd ausfällt". Aus seiner Zeit als Eishockeyspieler kenne er die Situation, dass in manchen Partien nur mehr wenige Feldspieler sind - wobei der freigewordene Platz dann aber eine andere Art des Spiels ermögliche. Ähnlich müsse man sich auch im Religionsunterricht bei sich leerenden Bankreihen "hinsetzen und überlegen, was wir tun können".

Einen Nachholbedarf attestierte Schießler der Kirche bei der Wahrnehmung von Sorgen der Menschen. "Warum soll ich in eine Kirche in den Gottesdienst gehen, wenn ich keine Wohnung finde?", hinterfragte der Priester, der selbst u.a. auf der Münchner "Wiesn" Bier ausschenkte und Gottesdienste auf Fabrikdächern leitete. Die Kirche habe verlernt, wie Jesus auf Menschen zuzugehen und auf eine "ganz große geistliche und materielle Saturiertheit" richtig zu reagieren. Glockengeläut allein sei zu wenig, um Menschen einzuladen, weshalb es heute die Kirche "vom Wesen des Dienens her wieder neu zu verstehen" gelte. Besonders ein aktives Zugehen auf Familien - etwa "bei Erstkommunion oder Taufen" - böte sich hier an.

Der "Religionslehrertag" am Donnerstag im Erzbischöflichen Palais in Wien, bei dem Schießler sprechen wird, soll die gegenseitige "Vernetzung, Ermutigung und Wertschätzung" der Berufsgruppe fördern, heißt es seitens des Schulamtes als Organisator der Tagung. Dessen Leiterin Andrea Pinz erklärte gegenüber dem "Sonntag", das Ereignis soll auch die Wahrnehmung des "unschätzbaren Wertes" der Arbeit der Religionslehrer für Kirche und Gesellschaft fördern. Das Unterrichtsfach und dessen Lehrer stünden heute vor großen Herausforderungen, wie etwa abnehmende kirchliche Sozialisation, ein immer pluraleres gesellschaftliches Umfeld sowie die weiter laufende Diskussion um den Ethikunterricht.

Allein im Gebiet der Erzdiözese Wien, welches neben dem Wiener Stadtgebiet auch das östliche Niederösterreich umfasst, arbeiten derzeit laut Schulamt 1.471 Religionslehrer und -innen, unter ihnen auch 53 Priester und Ordensleute. Insgesamt bieten in Wien 15 Kirchen und Religionen in den Schulen konfessionellen Religionsunterricht an. Der katholische Religionsunterricht, an 1.183 Schulen auf Diözesangebiet angeboten, wird von derzeit 299.513 Schülern besucht. Auch 13.396 Schüler ohne religiöses Bekenntnis nehmen daran teil - was mit 29 Prozent fast jeder Dritte aus dieser Gruppe ist.
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