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Historiker Wolf: Pius XII. schwieg auch nach 1945 zu Holocaust

Papst Pius XII. schaut am 15. März 1949 aus einem Fenster im Vatikan.
Forscher erhoffen sich von für März 2020 geplanter Öffnung der vatikanischen Archive neue Erkenntnisse zum Verhalten des Pacelli-Papstes
10.10.2019, 10:42 Uhr Deutschland/Vatikan/Kirche/Geschichte/Vatikanarchive/Pius.XII
Bonn, 10.10.2019 (KAP/KNA) Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf erhofft sich von der weiteren Öffnung der Vatikan-Archive neue Erkenntnisse über die Frage, warum Papst Pius XII. (1939-1958) zur Judenvernichtung geschwiegen hat. "Die Frage der Vernichtung der Juden wird das ganz große Thema zu Beginn der Archivöffnung sein", sagte er in einem Interview der "Stuttgarter Zeitung".

Dabei müsse man nicht nur der Frage nachgehen, warum der Papst bis 1945 dazu geschwiegen habe, sagte der katholische Priester. "Es gibt aber eine noch viel schlimmere Frage: Warum hat er von 1945 bis 1958 geschwiegen, als es vollkommen gefahrlos gewesen wäre, sich zu äußern? Warum hat er keinen einzigen Satz dazu gesagt? Warum hat er sich gegen die Gründung des Staates Israel 1948 in drei Enzykliken ausgesprochen?"

Am 2. März 2020 sollen die vatikanischen Archive für den Zeitraum vom 2. März 1939 bis zum 9. Oktober 1958 für die Forschung geöffnet werden, also für die Zeit des Pontifikats von Pius XII. (Eugenio Pacelli). "Das ist ein bisschen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen", sagte Wolf, der bereits seit 30 Jahren Zugang zu den Archiven im Vatikan hat.

Er warnte vor zu hohen Erwartungen; mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen. Es handele sich um 250.000 Archivschachteln allein im Vatikanischen Geheimarchiv und weitere 100.000 in anderen Archiven. Allein die Sichtung des Materials werde Jahre dauern. "Das ist wie Troja ausgraben. Wir müssen erst einmal an einzelnen Stellen Probegrabungen machen."
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