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Kirche in Polen gründet Stiftung für Missbrauchsopfer

Primas Erzbischof Polak: Neue "Sankt-Josef-Stiftung" soll Unterstützung durch Psychologen und Juristen anbieten und Präventionsprogramme fördern - Pflicht zur finanziellen Entschädigung der Opfer liege weiter bei Tätern
10.10.2019, 11:02 Uhr Polen/Kirche/Missbrauch/Finanzen/Bischofskonferenz
Warschau, 10.10.2019 (KAP/KNA) Polens katholische Bischöfe gründen eine Stiftung, um Opfern von sexuellem Missbrauch zu helfen. Auf ihrer am Mittwoch in Warschau zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung beschlossen sie laut einer Mitteilung das Statut für die "Sankt-Josef-Stiftung". Sie soll ab dem nächsten Jahr Unterstützung durch Psychologen, Pädagogen, Juristen und Priester anbieten. Finanziert wird sie vorerst gemeinsam von allen polnischen Diözesen. Auch mit den im Land wirkenden Ordensgemeinschaften soll über eine Beteiligung verhandelt werden.

Der Primas und Kinderschutzbeauftragte der Bischofskonferenz, Erzbischof Wojciech Polak, nannte die Gründung der Stiftung einen "Ausdruck der Solidarität der Kirche in Polen mit den Geschädigten". "Sowohl die Gläubigen als auch die gesamte Gesellschaft erwarten von der Kirche eindeutiges Engagement und konkretes Handeln im Kampf gegen das Drama des sexuellen Missbrauchs", sagte Polak. Es brauche noch mehr systematische Hilfe für Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend von Priestern oder anderen kirchlichen Mitarbeitern sexuell missbraucht worden seien. Unter anderem solle die bestehende kirchliche Hotline "Telefon des Vertrauens" weiterentwickelt werden.

Die Pflicht zur finanziellen Entschädigung der Opfer liege weiter bei den Tätern, so Polak. Bei der Stiftung handle es sich nicht um einen Entschädigungsfonds. Die Stiftung solle stattdessen unter anderem Stipendien für Schüler und Studenten auszahlen und Präventionsprogramme fördern.

Im März hatte die Polnische Bischofskonferenz erstmals detaillierte Angaben zum Ausmaß der sexualisierten Gewalt von Geistlichen gegen Kinder und Jugendliche gemacht. Mutmaßlich 382 Priester und Ordensmänner missbrauchten demnach laut kirchlichen Akten, die von Januar 1990 bis Juni 2018 angelegt wurden, 625 Minderjährige. Die Akten umfassen Anzeigen zu Fällen, die bis ins Jahr 1950 zurückreichen.
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