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"Erfrischend und produktiv": Theologe würdigt neues Habermas-Werk

Professor für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie der Universität Frankfurt
Frankfurter Religionsphilosoph und Habermas-Schüler Schmidt im "Kathpress"-Interview: Habermas betrachtet Religion weiterhin als "ernstzunehmenden Gesprächspartner für die säkulare Vernunft"
13.11.2019, 10:26 Uhr Deutschland/Philosophie/Religion/Habermas/Schmidt
Frankfurt, 13.11.2019 (KAP) Als "erfrischend und produktiv" hat der Frankfurter Religionsphilosoph und Theologe, Prof. Thomas M. Schmidt, das neue Buch von Jürgen Habermas gewürdigt. Die Beschäftigung mit dem Buch sei gerade auch für Theologen ertragreich und reizvoll, "weil hier das theologische Erbe nicht aus der Binnenperspektive sondern von außen wahrgenommen wird", betonte Schmidt im Interview mit der Nachrichtenagentur "Kathpress". Genauso wie Habermas sich als säkularer Denker durch das religiöse Erbe herausfordern lasse, "so kann man sich als Theologe, als religiös eingestellter Mensch herausfordern lassen durch das säkulare Interesse, das Habermas an der Religion zeigt", zeigte sich Schmidt, der selbst Habermas-Schüler ist, überzeugt.

Am Montag, 11. November, war das neue, 1.750-seitige Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie" erschienen. Darin zeichnet der 90-jährige Philosoph Habermas das zähe und permanente Ringen zwischen Glauben und Vernunft nicht nur philosophiegeschichtlich nach, sondern er rekonstruiert dieses als "Genealogie nachmetaphysischen Denkens", also als Geschichte der Herausbildung säkularen Denkens insgesamt. Dabei arbeitet sich Habermas nicht nur akribisch durch philosophische Klassiker, sondern er liest auch religiöse Klassiker wie Thomas von Aquin oder Luther als Philosoph.

Die Beobachtung, dass Religion "nach wie vor am Leben ist - und zwar nicht nur als Institution, sondern als Denkhaltung und Lebenspraxis, die in Fragen der Ethik, der Weltorientierung, der Politik Impulse setzt" habe in den vergangenen Jahren bei Habermas zu der Einsicht geführt, Religion weiterhin als "ernstzunehmenden Gesprächspartner für die säkulare Vernunft" anzusehen, führte Schmidt weiters aus: "Und ich denke das ist Habermas Interesse, dass die Religion als etwas, was der Aufklärung immer wieder auch Widerstand leistet, Lernprozesse beim aufgeklärten Denken auslösen kann; also das aufgeklärte Denken über seine eigenen blinden Flecken aufklären kann."

Diese gleichsam religionsfreundliche Haltung werde sicherlich nicht von allen Seiten goutiert werden, so Schmidt weiter. So erwarte er gerade von Seiten der Philosophie einiges an Kritik an dem Werk: "Aus der Perspektive der säkularen Philosophie ist sicher Kritik erwartbar in der Richtung, dass Habermas vielen vielleicht zu freundlich mit der Religion umspringt; also die Frage, muss Religion nicht stärker kritisch beäugt werden? Wo bleibt der Platz für das Pathologische, das Irrationale, auch das Gefährliche?" Auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Disziplin betont Schmidt eine bleibende "Fremdheit": So löblich und notwendig Übersetzungsversuche zwischen den Semantiken auf beiden Seiten seien, so bleibe doch stets "eine Fremdheit zwischen Theologie und Philosophie".

Prof. Thomas M. Schmidt ist Professor für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie und kooptierter Professor am Institut für Philosophie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Religionsphilosophie, Politische Philosophie, Diskurstheorie und Deutscher Idealismus. Er hat bei Jürgen Habermas promoviert und sich habilitiert und immer wieder zu Fragen einer philosophisch vertretbaren Theologie und Religion publiziert. In seinem neuen Buch dankt Habermas seinen Schülern - darunter Thomas Schmidt - ausdrücklich für konstruktive Gespräche und Anstöße, die er ihnen verdanke.

O-Töne des Interviews können unter www.kathpress.at/audio abgerufen werden.
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