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Caritas fordert für Pflegebereich mehr Schutzkleidung und Tests

Caritas-Generalsekretär Wachter im "Kathpress"-Interview im Anschluss an Beratungen von Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) im Gesundheitsministerium
25.03.2020, 18:29 Uhr Österreich/Medizin & Gesundheit/Soziales/Epidemie/Caritas/Wachter
Wien, 25.03.2020 (KAP) Wesentlich mehr Schutzbekleidung für den Pflegebereich und mehr Tests: Das waren nach den Worten von Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter die beiden vorrangigen Anliegen, die die Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) am Mittwochnachmittag im Gesundheitsministerium deponierten.

Der BAG gehören Volkshilfe, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Diakonie und Caritas an. "Vor allem in der mobilen Pflege brauchen wir dringend mehr Schutzkleidung. Im Interesse unserer Mitarbeiter aber natürlich auch der zu Pflegenden, von denen viel Hochrisikopatienten sind", so Wachter im "Kathpress"-Interview im Anschluss an die Unterredung.

Die Pflege sei hinsichtlich der Verbreitung des Coronavirus ein hochsensibler Bereich. "Ich habe von einem Pflegeheim gehört, in dem ein Patient acht Pflegerinnen ansteckte und diese das Virus dann wieder entsprechend weitergaben", erläuterte Wachter die Dramatik. Um solche Vorkommnisse weitgehend zu unterbinden, brauche es neben Schutzausrüstung auch viel mehr Tests, forderte der Caritas-Generalsekretär. Und er mahnte die beiden zentralen Anliegen auch für die Mitarbeiter von Obdachlosen-Einrichtungen und Behinderten-WGs ein.

Grenztests für Pflegekräfte

Auf die 24-Stunden-Pflege angesprochen, meinte Wachter, dass man bis Ostern noch recht gut zurechtkomme. Doch um auch in Zukunft gerüstet zu sein, brauche es für Pflegekräfte, die nach Österreich einreisen, Covid-Tests an der österreichischen Grenze. Nach den derzeitigen gesetzlichen Regelungen müssten die Pflegekräfte bei der Einreise einen aktuellen (negativen) Covid-Test aus ihren Herkunftsländern mitbringen (oder 14 Tage in Quarantäne verbringen), was freilich aufgrund der Umstände in den osteuropäischen Herkunftsländern nicht realistisch sei. Der einzig gangbare Weg seien deshalb die raschen Grenztests.

Dass mobile Pflegekräfte und auch Zivildiener im Rahmen der 24-Stunden-Pflege aushelfen, sei bis zu einem gewissen Grad zwar möglich aber reiche sicher nicht aus. Man könne vielleicht auch "tausend oder zweitausend besonders pflegebedürftige Patienten in Reha-Einrichtungen vorübergehend unterbringen, wie es angedacht ist, aber sicher nicht 25.000", so Wachter.

Wie der Caritas-Generalsekretär weiter sagte, hätten die allgemeinen Ausgangsbeschränkungen zu der Situation geführt, dass nun mobile Pflegekräfte akut nicht gebraucht werden, weil zu Hause bleibende Familienangehörige diese Aufgaben übernehmen. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Mitarbeiter in der mobilen Pflege in Kurzarbeit gehen müssen bzw. gar entlassen werden. Man werde sie spätestens in wenigen Wochen wieder dringend brauchen, so der Appell Wachters an die Länder.

Ein weiteres Anliegen, das Wachter und die Vertreter der anderen Hilfsorganisationen im Ministerium vorbrachten: Bewohner von Pflegeheimen, die aus einem Krankenhaus entlassen werden, sollten - unabhängig vom Grund des Aufenthalts - auf Covid-19 getestet werden. Denn auch hier bestehe das Risiko, sich im Krankenhaus angesteckt zu haben und das Virus danach weiterzuverbreiten.

Bundesweiter "Notfalltopf"

Wachter plädierte auch gemeinsam mit den anderen BAG-Vertretern für einen bundesweiten "Notfalltopf". "Wir haben bei der Caritas in unseren Sozialhilfestellen mit so vielen Menschen in Not zu tun gehabt, die noch vor wenigen Tagen um nichts in der Welt gedacht hatten, dass sie einmal unsere Hilfe brauchen", so Wachter. Viele bräuchten Überbrückungshilfen, bis sie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe ausgezahlt bekommen. Eine rasche, bundesweite einheitlich Hilfe aus einem solchen "Notfalltopf" sei hier das Gebot der Stunde, so Wachter.

Wachter abschließend zu den Unterredung im Ministerium: "Ich glaube, die Botschaft ist gut angekommen."
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